Sarner fordern die 2000-Watt-Gesellschaft 

Weniger Energieverbrauch und CO2-Ausstoss: Eine Petition einiger Sarner Bürger stösst auf offene Ohren.

Matthias Piazza
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103 Bürger haben eine Petition eingereicht mit der Forderung, dass sich die Gemeinde Sarnen als Energiestadt den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft verschreiben soll. Das bedeutet, dass pro Person der Energieverbrauch auf 2000 Watt Dauerleistung sinken und sich der CO2-Ausstoss auf eine Tonne pro Jahr beschränken soll. Auf diese Petition vom Frühling reagiert nun der Gemeinderat.

Rundgang auf der damals noch im Bau befindlichen Anlage des Wärmeverbunds Sarnen.

Rundgang auf der damals noch im Bau befindlichen Anlage des Wärmeverbunds Sarnen. 

Pius Amrein (17. April 2019)

Mit ihrem Anliegen rennen die Petitionäre offene Türen ein. Mit dem Energieleitbild, das er diesen November genehmigt hat, verfüge die Gemeinde nun über ein geeignetes und verbindliches Instrument, um die Energieziele zu erreichen, schreibt er in einer Mitteilung.

Energieleitbild erarbeitet

Sarnen will bis spätestens im Jahr 2050 den 2000-Watt-Wert erreichen. Und der CO2-Ausstoss aus fossilen Energiequellen soll laufend gesenkt werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärme soll ab 2035 von heute 37 auf mindestens 65 Prozent und jener Anteil beim Strom von heute 83 auf mindestens 90 Prozent bis nächstes Jahr erhöht werden. Der Pro-Kopf-Energieverbrauch soll bis 2035 um 20 Prozent sinken. Bis zu diesem Zeitpunkt will die Gemeinde ihre eigenen Liegenschaften mit 95 Prozent aus erneuerbaren Energien beheizen. Ab kommendem Jahr sollen mindestens 20 Prozent des Stroms für den eigenen Bedarf aus erneuerbaren Energien (beispielsweise Fotovoltaik) stammen.

«Wir haben mit der Erarbeitung des Energieleitbildes schon im Juni begonnen, weil dies im Aktivitätenprogramm der Energiestadt 2016 bis 2019 vorgesehen war», sagt dazu Gemeinderätin Anna Kathriner. «Die Petition bestärkte uns in unseren Anstrengungen.» Seit 2011 ist Sarnen wie alle sieben Obwaldner Gemeinden Energiestadt. Damit hat sie sich Energieeffizienz auf die Fahne geschrieben.

Um das Ziel zu erreichen, will die Gemeinde die Bürger auch ermuntern, sparsam mit Energie umzugehen.

1 Tonne CO2 pro Person und Jahr sei zu ambitiös

Anna Kathriner ist überzeugt, damit den Energieverbrauch von heute 4000 Watt auf 2000 Watt pro Person bis 2050 bringen zu können. Zurückhaltender ist sie beim CO2-Ausstoss, der heute bei 5,8 Tonnen pro Jahr und Einwohner liegt. «Den angestrebten Pro-Kopf-Verbrauch von 1 Tonne werden wir in den nächsten Jahrzehnten zwar nicht erreichen, aber wenigstens spürbar senken können.»

Als Beispiel erwähnt sie das neue Holzheizkraftwerk von Gemeinde Sarnen, Kanton und Korporation Freiteil, das seit diesem Oktober über einen Wärmeverbund rund 60 Liegenschaften beheizt, darunter auch das Alterszentrum Residenz am Schärme, die Berufsschule, das Kantonsspital Obwalden und die Schulhäuser der Gemeinde.

«Die Gemeinde Sarnen ist mit dem Energieleitbild auf dem richtigen Weg», meint auf Anfrage David Galvagno, der die Petition initiiert hatte. Nun gelte es, die Ziele auch beharrlich umzusetzen. «Mit der Petition wollen wir den Forderungen Nachdruck verleihen, deutlich weniger Energie zu verbrauchen und weniger CO2 auszustossen», so der Sarner, der von Beruf Energieberater und Energiestadtberater ist.