2,1 Millionen für provisorisches Sarner Gemeindehaus

Ab 2023 will Sarnen ein neues Gemeindehaus bauen. Die Gemeindeverwaltung soll vorübergehend ins heutige Provisorium der Obwaldner Kantonalbank ziehen.

Romano Cuonz
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Die Gemeinde Sarnen will das Provisorium der Obwaldner Kantonalbank kaufen.

Die Gemeinde Sarnen will das Provisorium der Obwaldner Kantonalbank kaufen.

Bild: Romano Cuonz
(Sarnen, 12.August 2020)

Es ist kein Geheimnis: Das markante braune Sarner Gemeindehaus mit Baujahr 1975 entspricht längst nicht mehr den räumlichen Anforderungen der Verwaltung. Auch ist der Bau an allen Ecken und Enden sanierungsbedürftig. Deshalb diskutiert der Sarner Gemeinderat schon seit längerer Zeit über einen neuen Sitz für die Gemeindeverwaltung. Allerdings: Der Bau von Architekt Paul Dillier gilt als typischer Vertreter der rationalen 1970er-Architektur. Daher ist damit zu rechnen, dass bei jeder Veränderung auch der Denkmalschutz ein gewichtiges Wörtchen mitreden wird.

Dennoch hat der Rat eine Machbarkeitsstudie sowohl für eine Renovation und Erweiterung als auch einen Neubau samt Kostenvergleich in Erarbeitung gegeben. Gemeindepräsident Jürg Berlinger dazu: «2025 würde unser Gemeindehaus 50-jährig, und spätestens zu diesem Zeitpunkt möchten wir an der Brünigstrasse ein neugestaltetes Haus beziehen.» In der Tat: Für den Bau eines neuen Gemeindehauses gibt es auch schon einen detaillierten Terminplan. Noch dieses Jahr wird der Gemeinderat einen Variantenentscheid fällen. An der Einwohnergemeindeversammlung vom Mai 2021 will er dem Volk einen Wettbewerbs- und Planungskredit beantragen. Im Sommer 2022 wird das Siegerprojekt erkoren und im Herbst findet die Urnenabstimmung für den nötigen Baukredit statt. Der Baustart wäre dann auf Juni 2023 geplant.

Masslösung mit langfristiger Nutzung

Bei so einem ehrgeizigen Terminplan gilt es, frühzeitig zu bedenken, wo die Gemeindeverwaltung während der Bauzeit – sie soll von 2023 bis 2025 dauern – Unterschlupf finden kann. Für Sarnen liegt die Lösung auf der Hand: im heutigen Provisorium der Obwaldner Kantonalbank (OKB) auf der Chermatt. An der Gemeindeversammlung vom 8. September haben die Einwohner über einen 2,1-Millionen-Kredit für Kauf und Umgestaltung dieses Provisoriums zu bestimmen.

Gute Rechnung und grosse Ausgaben

Neben der ausgezeichneten Rechnung 2019 mit einem Ertragsüberschuss von 9,1 Millionen und einem Vermögen pro Kopf von 2359 Franken stehen noch drei weitere Kreditbegehren auf den Traktanden: An die Sanierung und Erweiterung des Hallenbades Obwalden in Kerns sollen ein Investitionsbeitrag von 480‘000 Franken und ein jährlicher Betriebsbeitrag von 31‘900 Franken fliessen. Die Anschaffung von 400 Notebooks für die Schule will man sich 450‘000 Franken kosten lassen. Ein grosses Fragezeichen setzte etwa alt Regierungsrat Paul Federer (FDP) zum Gegenwert für die 839‘000 Franken zum Kauf von Fotovoltaiknlagen auf Gemeindebauten in Sarnen und Kägiswil. (cuo)

2012 hatte die Gemeinde Sarnen der OKB die benötigte Fläche zur Erstellung eines Provisoriums zur Verfügung gestellt. Dies im Baurecht auf ihrem Grund und Boden. Wenn die OKB nächstes Jahr ihren Neubau bezieht, hat Sarnen das Erstrecht auf den Kauf der heutigen Bauten. «Wir möchten sie unbedingt für unsere Bedürfnisse nutzen», sagt der für die Liegenschaften zuständige Peter Seiler. Mit der Bauherrin OKB und der Besitzerin der Pavillons, der Firma Premoco Sytem AG Sarnen, habe man vorsorglich einen Kaufvertrag abgeschlossen. Diesem müsste die Gemeindeversammlung zustimmen.

Provisorien langfristig unzumutbar

Die Eckdaten zum Geschäft: Promeco und OKB verlangen für die von ihnen geleisteten Arbeiten am heutigen Pavillon noch eine Summe von rund 1,73 Millionen Franken. Damit bezüglich Qualität eine längerfristige und vielseitige Nutzung des Provisoriums möglich wird, kommt Sarnen um Umbaumassnahmen nicht herum. Rund 370‘000 Franken lässt man sie sich kosten. Zusammen ergibt sich der 2,1-Millionen-Kredit. Die Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission begrüsst diesen Antrag, und auch Gemeindepräsident Jürg Berlinger lobt die günstige Offerte. Er prognostiziert:

«Wir werden die Pavillons noch jahrelang für weitere öffentliche Nutzungen und vor allem für unsere Schule einsetzen.»

In der Tat: Selbst während der dreijährigen Umbauzeit des Gemeindehauses wird die Gemeindeverwaltung Sarnen lediglich 2200 der vorhandenen 3000 Quadratmeter Nutzfläche beanspruchen. Der übrige Platz soll dann gleich Kindergartenschülern zugutekommen. Dies sei dringend nötig, so Peter Seiler. Die Gemeinde würde seit der Einführung des zweiten freiwilligen Kindergartenjahres eigentlich sechs reguläre Zimmer und einen zusätzlichen Raum für das Schlechtwetterprogramm des Waldkindergartens benötigen. Aktuell seien nur noch vier vorhanden, so dass man bis 2022 mit Provisorien vorliebnehmen müsse. Längerfristig eine unzumutbare Lösung.

Wenn das neue Gemeindehaus dereinst errichtet und bezogen ist, sollen in den frei werdenden Räumlichkeiten des heutigen Bankprovisoriums unter anderem weitere Klassenzimmer für die Primarschule eingerichtet werden. Von Seiten der vollzählig anwesenden Ortsparteien kam an der Orientierung gegen dieses Projekt keinerlei Widerstand auf.

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