25 Jahre «Guets us Obwalde»: Bei der Herstellung ihrer Köstlichkeiten spannen zwei Landfrauen zusammen

«Guets us Obwalde» gibt es seit 25 Jahren. Rund 70 Spezialitäten werden unter diesem Label zum Verkauf angeboten und ermöglichen Landfrauen einen Nebenverdienst. Maria und Gaby Rohrer machen bei der Herstellung ihrer Produkte gemeinsame Sache.

Marion Wannemacher
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Als Dankeschön bei Firmen- oder Vereinsanlässen oder als Geschenke für Heimweh-Obwaldner: Die Köstlichkeiten von «Guets für Obwalde» (GuOW) erfreuen sich auch 25 Jahre nach Gründung des Labels grosser Beliebtheit. Eine Verkaufsplattform sollte damals die Obwaldner Berglandwirtschaft unterstützen. Bis zu 60 Obwaldner Landfrauen haben seitdem für GuOW ihre Spezereien in ihren heimischen Küchen von Hand gefertigt, liebevoll abgepackt oder abgefüllt und bei Bio-Familia abgeliefert. Die Produzentinnen sind die Nachbarin aus dem eigenen Dorf oder die Landfrau, die man auch schon auf dem Markt mit ihrem Verkaufsstand getroffen hat. Besonders beliebt sind die Geschenkkörbe, wie ein Blick ins Archiv zeigt:

2014 erhält Alex Frei, damals Sportdirektor des FC Luzern, vom Sarner Gemeindepräsidenten Manfred Iten einen Geschenkkorb.
6 Bilder
2011 erhält der Schweizer des Jahres Rolf Maibach (rechts) einen Geschenkkorb.
Ein Bild aus dem Jahr 2010: Denise Küchler, Leiterin des Fabrikladens, räumt «Guets us Obwalde»-Flaschen ins Regal ein.
2005 feierten Hans Binz, Direktor der Bio-Familia, und Rösli Bucher, Leiterin des Fabrikladens, das 10-Jahr-Jubiläum von «Guets us Obwalde».
Ein komplettes Älplermagronen-Set aus dem Jahr 2001.
Im Jahr 2000 wurden «Guets us Obwalde»-Produkte im Freilichtmuseum Ballenberg angeboten.

2014 erhält Alex Frei, damals Sportdirektor des FC Luzern, vom Sarner Gemeindepräsidenten Manfred Iten einen Geschenkkorb.

Bild: Robert Hess

Maria Rohrer vom Hof Diechtersmatt 1 in Giswil ist schon seit 23 Jahren dabei. Zur Produktion ihres Eierkirsch kam es so: «Wir hatten zu viel Eier und wegen der damaligen Kontingentierung einen Milchüberschuss.» Optimale Voraussetzungen für das Label GuOW, nach denen der Produzent die Zutaten für seine Spezialität vom eigenen Hof und Garten verarbeitet.

«Schöner Zuverdienst» aus der Eierkirsch-Produktion

Wenn Maria Rohrer etwas anpackt, dann richtig. Startete sie vor 40 Jahren mit vier Hühnern, leben heute 150 Hühner auf dem Hof Diechtersmatt 1. Ihren Eierkirsch verkaufte sie bald auch auf Märkten. Die Hände mag die 70-Jährige noch immer nicht in den Schoss legen. Ja, die Arbeit lohne sich schon auch finanziell, bestätigt sie. «Es ist ein schöner Zuverdienst für den täglichen Unterhalt», sagt die Giswilerin. Mittlerweile hilft ihr Ehemann Sepp bei der Produktion. 

Noch heute produziert das Duo 400 Liter im Jahr. «Wenn wir dran sind, sind wir voll dabei», erklärt Maria Rohrer. Alle zwei Monate steht schon mal eine zehnstündige Schicht an. Die Aufgaben sind bei beiden genau aufgeteilt. Sie trennt die Eier, er steht am Herd und rührt Eigelb, Milch und Zucker im Wasserbad bis zu einer genau festgelegten Temperatur. Und mit der Herstellung ist es noch lange nicht getan. Die Flaschen, Korken und Etiketten müssen parat sein, der Likör muss abgefüllt werden.

Das traditionelle Familienrezept ist geheim. Maria Rohrer mag übrigens ihren Eierkirsch am liebsten im Kaffee. Auf das Rezept sei sie mal gestossen, als ihr weder Rahm noch Zucker zur Verfügung stand.

Die Eier werden komplett verwertet

Und was passiert mit dem Eiweiss? Ein Teil davon wird von Schwiegertochter Anni für den Hofladen verarbeitet. Das meiste geht an Gaby Rohrer, die Schwiegertochter der Schwester von Maria Rohrer. Sie stellt damit «Obwaldner Wölkli» her, ein duftiges Gebäck aus Meringue.  Alle Eier werden also komplett verwertet. Gaby Rohrer ist gelernte Confiseurin und Konditorin und lebt mit Mann und vier Kindern in Flüeli-Ranft. «Ich habe Freude am Backen», sagt sie.

Sie teilen sich die Eier: Maria Rohrer (rechts) benötigt das Eigelb für ihren Eierkirsch, Gaby Rohrer das Eiweiss für ihre «Obwaldner Wölkli».

Sie teilen sich die Eier: Maria Rohrer (rechts) benötigt das Eigelb für ihren Eierkirsch, Gaby Rohrer das Eiweiss für ihre «Obwaldner Wölkli».

Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 28. April 2020)

Alle drei bis vier Wochen bestellt Bio-Familia bei der 30-Jährigen nach. Wichtig sei, dass das Schaumgebäck frisch ist. Aufs Mal stellt sie 80 Säckchen à 45 Gramm her. Zwei bis zweieinhalb Stunden müssen die Meringue bei 90 Grad backen. Nur so blieben sie durch und durch weiss, verrät die Fachfrau. In der heimischen Küche arbeitet sie mit normalen Haushaltsgeräten. «Ich bin froh, dass ich frisches Eiweiss verwenden kann und nicht pasteurisiertes oder Eiweisspulver», erklärt sie. «Es ist ausserdem super, dass so das ganze Ei genutzt werden kann und kein Foodwaste entsteht», freut sich Gaby Rohrer.

Produzenten müssen flexibel liefern können

Einige Kriterien müssten Produzenten erfüllen, wenn sie Ware für GuOW herstellen möchten, betont Denise Küchler, die Leiterin des Fabrikladens. «Sehr zentral ist die Lieferfähigkeit- und Flexibilität», betont sie. «Wir sind darauf angewiesen, dass ein Produzent bei grosser Nachfrage flexibel mit den Bestellmengen umgehen kann. Meistens brauchen wir in der Weihnachtssaison besonders viele GuOW-Produkte mit mehrmals wöchentlicher Lieferung, falls nötig.» Auch müsse eine Rezeptur hieb- und stichfest sein.

In den Anfängen wurden die Produkte als zweite Sortimentsgruppe mit den Familia-Broten an bis zu 3000 Kunden in der Schweiz verschickt, mit steigenden Porto-Kosten lohnte sich der Versand immer weniger. Wiederverkäufer bekundeten ihr Interesse, die Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen, ein Lagerraum wurde zum ersten Fabriklädeli umfunktioniert. Die Unterstützung beim Bezug von Verpackungsmaterial wie Gläser, Flaschen, Beutel und das Drucken einheitlicher Etiketten in der internen Druckerei erleichterte den Landfrauen den Einstieg bei GuOW.

Bis zu 70 Spezialitäten sind heute im Sortiment, einige davon saisonal. Neuerdings werden die rund 70 Spezialitäten der Obwaldner Landfrauen auch über einen Online-Shop von Bio-Familia vertrieben. Mit der Eröffnung des Ladens am neuen Standort in Sachseln im Sommer 2018 habe sich dieser sehr erfreulich entwickelt, betont Denise Küchler. Die grössere Verkaufsfläche und erweiterten Öffnungszeiten würden aber auch höhere Kosten mit sich bringen. «Das Label GuOW ist ein soziales Engagement der Bio-Familia zur Förderung der Obwaldner Landwirtschaft. Mit den Produkten können wir aber keinen Gewinn erwirtschaften», hält Denise Küchler fest.

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