30-Jahr-Jubiläum

Ein Geburtstagsgeschenk fürs Obwaldner «Brocki»: Noch mehr Räume laden in Sarnen zum Stöbern ein

Seinen 30. Geburtstag kann das «Brocki» nicht feiern, dafür übernimmt es neu zusätzliche Räume einer leer stehenden Wohnung.

Romano Cuonz
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Es steht ausser Frage: Obwaldens Seniorinnen und Senioren haben mit kaum etwas anderem eine grössere Erfolgsgeschichte geschrieben als mit ihrem Brockenhaus. Gegründet wurde das «Brocki», wie es Einheimische liebevoll nennen, zur 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft. Den in 30 Jahren erzielten Reingewinn von 140'000 Franken hat man stets an gemeinnützige Institutionen wie etwa den Obwaldner Ferienpass weitergeben. Seit nunmehr acht Jahren leitet der frühere Sarner Hotelier Bruno Bachmann das Brockenhaus als Präsident. Nur etwas bedauert er: «Unser 30. Geburtstag fällt dieses Jahr ausgerechnet in die Coronazeit, da können und wollen wir ihn nicht öffentlich feiern.»

Präsident Bruno Bachmann und Buchhalterin Therese Enz feiern den 30. Geburtstag des «Brocki» Obwalden auf ihre Art.

Präsident Bruno Bachmann und Buchhalterin Therese Enz feiern den 30. Geburtstag des «Brocki» Obwalden auf ihre Art.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 28. Dezember 2020)

Trotzdem hat das «Brocki»-Team – alles in allem 25 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – allen Grund zur Freude. «Das Geschenk, das wir für uns und auch all unsere treuen Kundinnen und Kunden bereitgestellt haben, sind zusätzliche Räume, in denen man ab sofort stöbern kann», freut sich Bruno Bachmann. Danken müsse man dafür vor allem der Familie Egger. «Sie ist es, die dem Brockenhaus in ihrer früheren Weinhandlung von Beginn an Räumlichkeiten in zentraler Lage zur Verfügung gestellt hat», erzählt Bachmann.

Und Therese Enz – sie hat als Buchhalterin die Zahlen im Griff – ergänzt: Als ihr «Brocki» diesen Sommer während fünf Monate schliessen musste und keinen Umsatz erzielen konnte, seien die Besitzer mit dem Mietzins so entgegengekommen, dass sie heute weitermachen können. Mehr noch: Das Brockenhaus erhielt das Angebot, zu seinen bisherigen Räumen noch eine leer stehende Wohnung zu übernehmen. «Uns ist klar, dass wir, um die Miete zu stemmen, jährlich rund 15'000 bis 20'000 Franken Mehrumsatz erzielen müssen», rechnet Therese Enz vor. Doch Bruno Bachmann ist da guter Dinge. Er sagt:

«Dieses Risiko nehmen wir auf uns , damit wir unsere reichen Schätze ab sofort auf zwei Stockwerken neu und übersichtlich präsentieren können.»
Im «Brocki» können auch Kinderaugen erstrahlen: Diese Puppen und Teddys warten auf einen neuen Besitzer.

Im «Brocki» können auch Kinderaugen erstrahlen: Diese Puppen und Teddys warten auf einen neuen Besitzer.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 28. Dezember 2020)

1991, als die IG Alter, das Freizeitzentrum Obwalden und Pro Senectute der Regierung gemeinsam die Gründung eines Brockenhauses vorschlugen, argumentierten sie in ihrem Schreiben: «Wir möchten damit über praktisches Handeln einerseits Begegnungen zwischen Senioren erreichen. Andererseits aber auch mit den übrigen Altersgruppen.» Die damaligen Initiantinnen und Initianten wussten sehr genau, wie das hochgesteckte Ziel zu erreichen war. Und erstaunlich ist: Ihr damaliges sehr kreatives Rezept funktioniert auch heute noch.

Das Obwaldner «Brocki» ist so beliebt wie eh und je. Getragen wird die Non-Profit-Organisation ausschliesslich von Seniorinnen und Senioren. Neben Leuten mit kaufmännischem Talent, sind auch solche mit handwerklichem Können willkommen. Letztere reparieren oder flicken angenommene Kleinmöbel, Haushaltgegenstände, Kleider und, und, und.

Mit den zusätzlichen Platz können die Waren noch übersichtlicher dargestellt werden.

Mit den zusätzlichen Platz können die Waren noch übersichtlicher dargestellt werden.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 28. Dezember 2020)

Das «Brocki» ist zurzeit wieder geöffnet – neu auch am Freitag

Ja, als während des Corona-Lockdowns die Flagge eingerollt werden musste, vermissten viele Leute das für Obwalden einzigartige Angebot. Zurzeit aber funktioniert es wieder: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die älteste Maria Küchler ist 84-jährig die jüngsten sind eben erst im Pensionsalter – stehen am Mittwochnachmittag, am Samstag und neu auch am Freitag auf der Matte. Am Freitag könne man Gegenstände aller Art bringen, sagt Bruno Bachmann. Schränkt aber sogleich ein:

«Wir achten bei jedem Stück
sorgfältig auf Qualität!»

Man wolle die Sachen – zu günstigen Preisen zwar – aber stets mit gutem Gewissen zur Weiterverwendung anbieten. Sorgen bereiten dem «Brocki» die Internetplattformen. «Weil wir nichts entschädigen, versuchen es viele Leute zuerst dort», weiss Bruno Bachmann. Erst, wenn ein Verdienst aussichtslos sei, würden sie im «Brocki» anklopfen. Dennoch ist das Angebot im Brockenhaus riesig. «Mit dem zusätzlichen Platz können wir all unsere Güter übersichtlich präsentieren», sagt Therese Enz, die sich selber am liebsten in der Bücherecke aufhält und dort wahre Trouvaillen anpreist. Es gibt aber auch ein Kleiderzimmer, eine Spielecke für Kinder, einen riesigen Raum mit Geschirr, Haushaltgeräten oder Ziergegenständen jeder Art. Kaum etwas, das man da nicht fände. Entdeckungen kann man im unteren Stock machen, wo vor allem die Männer im Team teils prächtige alte Möbelstücke präsentieren.

Apropos Möbel: Da hat Bruno Bachmann eine hübsche Begebenheit zu erzählen. Ein 95-jähriger Obwaldner, der ins Betagtenheim zog, überliess dem «Brocki» den Wohnungsschlüssel. «Da entdeckten wir unter anderem ein schönes altes Biedermeier-Sofa», erinnert sich Bachmann. Dieses blieb aber nur zwei Tage im Brockenhaus. Dann kauften es zwei junge Männer. Weil das Schnäppchen im Auto keinen Platz fand, trugen sie es zu zweit in einer Art Triumphzug durchs ganze Dorf in ihre Wohnung. So lebt die Idee, die Obwaldner Pioniere 1991 hatten, weiter. Ebenso buntfarbig wie praktisch!

Verkaufszeiten im Brockenhaus Obwalden: Mittwoch, 14–17 Uhr und Samstag, 10–16 Uhr. Neu sind Warenannahme und Verkauf am Freitag von 14–18 Uhr. Mehr Infos unter www.brockenhausobwalden.ch