600 JAHRE NIKLAUS VON FLÜE: Zeitkapsel bleibt 100 Jahre im Boden

Mit der Auflösung des Vereins «600 Jahre Niklaus von Flüe» wurde auf dem Dorfplatz Flüeli eine Zeitkapsel eingeweiht. Darin liegen 2602 Botschaften und Gedanken aus der ganzen Schweiz, entstanden in der Begegnung mit Bruder Klaus.
DIe Zeitkapsel auf dem Dorfplatz im Flüeli-Ranft wird vorsichtig in ihren zukünftigen Standort eingelassen. (Bild: Franziska Herger (Sachseln, 12. Mai 2018))

DIe Zeitkapsel auf dem Dorfplatz im Flüeli-Ranft wird vorsichtig in ihren zukünftigen Standort eingelassen. (Bild: Franziska Herger (Sachseln, 12. Mai 2018))

«Ein eigenartiges Gefühl, etwas einzuweihen, bei dessen Öffnung keiner der hier Anwesenden dabei sein wird», sagte Regierungsrat Franz Enderli am Samstag an der Einweihungsfeier der Zeitkapsel aus dem Experiment «Niklaus von Flüe – Unterwegs». Erst in 100 Jahren soll die Kapsel wieder geöffnet werden, die mit einem Kran ganz langsam und vorsichtig in einen Schacht auf dem Dorfplatz Flüeli eingelassen wurde. Die Kupferkugel ist gefüllt mit 2602 persönlichen Gedanken und Botschaften, die Menschen aus der ganzen Schweiz im mobilen Pavillon des «Unterwegs»-Projekts aufgeschrieben haben.

Öffnung erst zum 700. Geburtstag

Der Pavillon machte im letzten Sommer anlässlich des Jubiläumsjahrs zum 600. Geburtstag von Niklaus von Flüe in allen 26 Kantonen der Schweiz halt und legte dabei über 7000 Kilometer zurück (wir berichteten). Besuchern bot er die Gelegenheit, dem Eremiten und Nationalheiligen in Stille und Einsamkeit zu begegnen. Was ihnen dabei durch den Kopf ging, werden erst unsere Nachfahren zum 700-Jahr-Gedenken an Bruder Klaus erfahren.

«Für mich war es ein sehr tiefes Erlebnis, im Pavillon alleine und auf Augenhöhe vor der Figur von Bruder Klaus zu stehen», erzählte Franz Enderli, Präsident des Trägervereins «600 Jahre Niklaus von Flüe.» Auch er hat eine Nachricht in die Kugel gelegt, gleich wie der Sachsler Gemeindepräsident Peter Rohrer. «Vielleicht kommen meine Gross- oder Urgrosskinder in 100 Jahren und schauen, was ich geschrieben habe», überlegte Rohrer.

In der Kapsel befinden sich neben den Botschaften auch schriftliche Dokumentationen des Gedenkjahres, eine aktuelle Ausgabe der Obwaldner Zeitung sowie ein Brief an die Zukunft. «Möge bei der Öffnung im Jahre 2117 Niklaus von Flüe auch unserer Nachwelt als Vorbild für tiefe Spiritualität, friedvollen Ausgleich und persönliche Verantwortung erscheinen», heisst es darin. Der Sachsler Pfarrer Daniel Durrer und Pfarrer Michael Candrian von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Obwalden segneten die Kapsel in einem ökumenischen Akt.
Die Bronzekugel wird mit Plexiglas abgedeckt und beleuchtet. Die Gemeinde Sachseln ist damit beauftragt, ihr ein Jahrhundert lang Sorge zu tragen. «Wir werden das den künftigen Gemeinderäten so auftragen», betonte Peter Rohrer.

Bruder Klaus schweizweit in Erinnerung gerufen

Gleichzeitig mit der Einweihung löste sich der für das Gedenkjahr verantwortliche Trägerverein auf, dem der Kanton, die Gemeinde Sachseln, die Bruder-Klausen-Stiftung, die Kirchgemeinde Sachseln sowie die Verbände römisch-katholischer und evangelisch-reformierter Kirchgemeinden Obwalden angehörten. Die Rechtsnachfolge tritt die Bruder-Klausen-Stiftung an und übernimmt auch die erarbeiteten Projekte. Franz Enderli schaute zufrieden auf das Jubiläumsjahr zurück: «Unsere Projekte fanden eine unglaubliche Resonanz. Es ist uns gelungen, Bruder Klaus schweizweit wieder in Erinnerung zu rufen. Was will man mehr?»

Franziska Herger

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