800 Kilo schwere Sarner Maria kehrt aus Schönheitskur zurück

Die Marienstatue ist seit Freitag zurück auf ihrem Platz auf dem Dach der Sarner Dorfkapelle. Was lange niemand wusste: Sie stand fast ungesichert auf dem Sockel. Eine Metallkonstruktion sorgt nun für sicheren Halt.

Marion Wannemacher
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Vor der Neupositionierung auf dem Kapellendach segnete Pfarrer Bernhard Willi die Maria-Statue. (Bilder: Marion Wannemacher (Sarnen, 17. Mai 2019))

Vor der Neupositionierung auf dem Kapellendach segnete Pfarrer Bernhard Willi die Maria-Statue. (Bilder: Marion Wannemacher (Sarnen, 17. Mai 2019))

Marienstatue kehr heim.  Bild Marion Wannemacher (Sarnen, 17. Mai 2019)

Marienstatue kehr heim. Bild Marion Wannemacher (Sarnen, 17. Mai 2019)

Da schwebt sie über den Köpfen der Sarner. In hellgrauem sauberem Sandstein, mit 2,1 Metern nicht gerade klein und mit 800 Kilo eine eher schwere Dame. Auf ihren Heiligenschein muss Maria zunächst noch verzichten, denn an ihrem Kopf befindet sich eine Seilsicherung. Nach wenigen Augenblicken ist sie heil auf dem Podest angekommen. Mit der Posaunengruppe der Musikschule Sarnen, Grussreden und Segnung wurde die Marienstatue am Freitag Abend feierlich wieder in Empfang genommen und auf der Sarner Dorfkapelle installiert. Zwei Jahre sei sie zur «Schönheitskur» weg gewesen, erklärte Brigitte von Flüe, die Präsidentin der katholischen Kirchgemeinde Sarnen in einem Grusswort, das sie an die Mutter Gottes richtete.

Krönender Abschluss der Sanierungsarbeiten von 2017

«Was hast du alles gesehen in der langen Zeit da oben?», fragte sie diese. Und zählte verschiedene Ereignisse auf, wie den Bau des Rathauses 1730, die öffentliche Bestrafung und Zurschaustellung von Verbrechern am Pranger vor 150 Jahren oder den Aufbruch vieler Obwaldner Familien Mitte des 19. Jahrhunderts nach Südamerika. Die Kirchgemeindepräsidentin erinnerte an die Landsgemeinde, die nach 350 Jahren 1998 zum letzten Mal abgehalten worden sei, oder an das Hochwasser 2005, und schilderte das heutige alltägliche Treiben rund um den Dorfplatz.

Nach der Segnung durch Pfarrer Bernhard Willi wurde die Statue mit einem Kran vorsichtig aufs Dach der Kapelle gehievt und dort befestigt. Damit finden die Sanierungsarbeiten ihren krönenden Abschluss. Das Architekturbüro Mennel hatte 2017 die Aussenfassade und den Turm der Kapelle «Maria Lauretana» renoviert. Sie wurde 1657 erbaut und diente bis vor wenigen Jahren als Landsgemeindekapelle. Im Chorraum sind die Wappen aller Landammänner Obwaldens bis in die Achtzigerjahre verewigt.

Zwei Jahre lang stand die Statue im Atelier von Bildhauer Vitus Wey in Sursee. Wie desolat der Zustand der Statue noch vor zwei Jahren war, schildert Wey auf Anfrage. «Äusserlich waren nur ein paar Risse auf der Sandsteinskulptur erkennbar. Doch auf den zweiten Blick stellte sich heraus, dass es sich um eine Schalenbildung handelte, das heisst, dass sich grosse Partien vom Kern abgelöst hatten.»

Die Rückkehr zog einige Schaulustige an.

Die Rückkehr zog einige Schaulustige an. 

Als Gründe vermutet der Fachmann, der auch an den Restaurierungsarbeiten des Luzerner Löwendenkmals beteiligt war, eine «thermische, hygrische Dehnung». Das bedeutet das Eindringen von Regenwasser in den Stein bis zu einer gewissen Tiefe. Wo er feucht werde, dehne sich der Stein aus, allerdings nicht im Kern. Das gleiche Phänomen zeige sich auch bei Wärme. Auch habe Salz der Skulptur zugesetzt, das von Zementmörtel stamme, mit dem die Figur früher einmal geflickt worden sei. Er habe den Zement sorgfältig entfernt, wobei zum Vorschein gekommen sei, dass die Statue aus zwei Teilen bestehe, mit einer horizontalen Fuge in Bauchnabelhöhe.

Von wann die Statue überhaupt stamme, kann Vitus Wey nicht sagen. Faltenwurf und Schuhwerk des unteren Teils liessen auf das erste Viertel bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schliessen. «Möglich ist, dass der obere Teil viel älter ist.» Er suche noch nach Hinweisen in Quellen wie Archiven, erklärte Wey und richtete am Festakt einen Appell an die Besucher. Falls jemand etwas darüber wisse, möge er sich an die Kirchgemeinde wenden.

Maria musste mit Kranenhilfe nach oben gehoben werden.

Maria musste mit Kranenhilfe nach oben gehoben werden. 

Spannend ist auch folgendes Detail: Nach Angaben von Christoph Bitterli, dem Verwalter der Kirchgemeinde Sarnen, habe die Marienstatue offensichtlich völlig ungesichert auf ihrem Sockel gestanden, ebenso wie die Pylonen, die Kegeltürme über den Eingangssäulen. Künftig wird eine Metallkonstruktion den Sockel mit der Statue verbinden.

Bildhauer Vitus Wey zeigt sich erleichtert

Auf die Frage, was es für ein Gefühl sei, die Maria nun wieder auf ihrem Dach zu sehen, sagte Vitus Wey erleichtert: «Ich bin sehr froh, dass alles gut gegangen ist und ich den anspruchsvollen, spannenden Auftrag ausführen durfte.»

Schon fast am Ziel angelangt.

Schon fast am Ziel angelangt.