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Abschieds- und Freudentränen für Melchtaler Schwestern

Wie sich die noch elf Schwestern im Dorf Melchtal verabschieden, stehen Jung und Alt Spalier. Mit ihrer Ankunft in Sarnen ist die Idee eines Benediktinischen Zentrums mit insgesamt 25 Klosterfrauen voll umgesetzt.
Romano Cuonz
Ein Selfie mit Schwestern aus dem Melchtal, die neu ins Kloster in Sarnen einziehen. (Bilder: Pius Amrein, Sarnen, 7. März 2019)

Ein Selfie mit Schwestern aus dem Melchtal, die neu ins Kloster in Sarnen einziehen. (Bilder: Pius Amrein, Sarnen, 7. März 2019)

Der Himmel über den «Geissbergen» ist grau verhangen, als sich die elf Melchtaler Schwestern am frühen Morgen letztmals in ihrer Kirche zum Gottesdienst versammeln. «Eigentlich glaubte ich, dass wir unter uns sein würden», sagt Priorin Daniela Bieri. Aber die Kirche füllt sich bis auf den letzten Platz. Und am Mittag, wie die Schwestern mit dem Extrabus nach Sarnen fahren, stehen Jung und Alt, Gross und Klein Spalier. Das ganze Dorf hinunter.

«Ja, sogar mit Fähnchen winken sie uns zu»,

staunt Schwester Daniela. Viele können ihre Tränen kaum zurückhalten. Dies, obwohl sich alle – Dorfbewohner wie Klosterfrauen – über eine für die Zukunft so gute Lösung freuen. «Ich begreife es kaum, ja mir ist, als würden wir nach einer Weile wieder ins Melchtal heimkehren», sagt die Priorin. Aber diesmal nicht.

Das Loslassen vieler vertrauter und über Jahre lieb gewonnener Dinge ist alles andere als einfach. Und für die elf Frauen, im Durchschnitt über 80, ist «Zügeln» keine Kleinigkeit. Doch jetzt zahlt sich das viele Gute, das sie über Jahre in Schulen und Dorf geleistet haben, aus. Keine bleibt allein. Jede hat eine «Zügelgotte», die ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Edith Planzer-Wey aus Wolhusen etwa umsorgt Schwester Daniela. Wir treffen die ehemalige Schülerin an, wie sie Schachtel um Schachtel auspackt und im Josefshaus das neue Zimmer und das Büro der Priorin sorgsam einrichtet. «Wenn die Schwestern am Abend ihr neues Heim beziehen, soll alles bereit sein», sagt sie. Ein Blick in die hellen, freundlichen Zimmer zeigt: Die «Gotten» leisten ganze Arbeit. Überall auch Blumen oder kleine Überraschungen.

Willkommen beim Jesuskind

Als nun das Postauto am Donnerstag aus dem Melchtal beim Sarner Kloster vorfährt, könnte die Begrüssung kaum herzlicher sein. Wer immer kann, eilt den «Neuen» freudig entgegen. Man kennt sich ja schon. Von Begegnungen und Gesprächen. Zuerst geht es dann in die Kirche, wo Pater Guido Muff die neue Gemeinschaft im Namen des Sarner Jesuskindes willkommen heisst. Er erzählt, wie Jesus bei der Hochzeit zu Kana fürsorglich Wasser in besten Wein verwandelt habe. Und meint dann: «Auch der heutige Tag ist nur zu Stande gekommen, weil es viele fürsorgliche Menschen gab, die sich Gedanken machten, was fürs Wohl von gleich drei verschiedenen Klostergemeinschaften wichtig ist. Was sie gerade jetzt brauchen.» Dafür wolle man dankbar sein.

Mehr wehgetan als geglaubt

«Ich glaubte zuerst, dass mir das Loslassen leicht fallen würde, nun aber hat es doch mehr wehgetan», sagt die Melchtaler Klosterkünstlerin Chantal Hug. Das alte Kloster, das Schulhaus, ihr Atelier und sogar die Berge werde sie schon vermissen. Aber da sei auch Hoffnung. «Ich habe Kisten mit Malutensilien mitgenommen. Es wäre mein Herzenswunsch, wieder mehr künstlerisch tätig zu werden.» Schwester Leonarda Amrein – im Melchtal oft an der Pforte – meint: «Auch wenn mir das Weggehen innerlich Schmerz bereitet, weiss ich, dass es ein guter und nötiger Schritt ist, den wir jetzt machen.»

Zwischendurch zurück zu ihren Bienen

Am meisten vermisst die gebürtige Engelbergerin Cordula Häcki die nahen Berge und die gute Luft. Priorin Daniela versteht sie und verspricht: «Cordula darf noch oft ins Melchtal zurückkehren, um dort die Gräber zu besorgen und zu ihren Bienen zu schauen.» Dass es eine gute Weile braucht, bis alle angekommen sind und das Zusammenleben geregelt ist, weiss auch Sarnens Äbtissin Pia Habermacher. «Ich bleibe mit den Priorinnen Daniela Bieri und Margrith Jegerlehner aus Wikon in ständigem Kontakt, was unser Zusammenleben und Beten betrifft», sagt sie.

Beim gemeinsamen «Zabig» stehen Freude und Dankbarkeit im Vordergrund: Gemeindepräsident Jürg Berlinger heisst die neuen Einwohnerinnen willkommen und schenkt ihnen als symbolisches «Dach» einen Regenschirm in Sarner Farben.

Der grosse Dank der 29 Schwestern geht an alle, die ihnen zum grossen Glück im Alter verholfen haben: Allen voran an die unermüdlichen Initiantinnen vom Luzerner Kloster St. Anna: Generaloberin Heidi Kälin und Schwester Samuel Käppeli, dann Projektleiter Hanspeter Kiser, der sich, je länger es dauerte, desto persönlicher für die Sache und die Schwestern eingesetzt hat. Schliesslich ans Architekturbüro Konstrukt in Luzern, das dieses Projekt mit grosser Sorge zu den traditionellen Bauten und viel Gefühl fürs Wohl der Schwestern fast überall rollstuhlgerecht umgesetzt habe. Freude herrscht bei den Schwestern, weil unter Administrator Markus Koch und Hauswirtschaftsleiterin Marianne Zurkirchen sicher auch punkto leiblichen Wohls alles so gut bleibt oder noch besser – wird.

Vorteil sogar für Jasserinnen

Die Sarner Äbtissin Pia Habermacher, Hausherrin im neuen Benediktinischen Zentrum in Sarnen, strahlt vor Freude. Gebete und Gesänge, die zuvor aus dem Mund von nur noch sechs Schwestern leise und zaghaft gewesen seien, hätten an Volumen zugelegt. «Fast so kräftig tönen sie wie in früheren Zeiten», meint die Äbtissin. Und fügt dann, mit verschmitzten Lächeln hinzu: «Auch neben dem Beten gibt es Gewinne.» Nur ein Beispiel: Die Wikoner Schwester Benedikte Jud sei eine passionierte Jasserin. Im eigenen Kloster habe sie aber keine Kolleginnen mehr für einen Schieber gefunden. «Nun, wir Sarnerinnen lassen unsere neue Kollegin noch so gerne mittrumpfen», versichert die Äbtissin.

Und dann gehts hinein ins neue Heim....

Und dann gehts hinein ins neue Heim....

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