Abschlussarbeit
Diese Obwaldner Maturandinnen möchten «etwas Sinnvolles tun, nicht nur Arbeit abliefern»

Mit ihrer Abschlussarbeit für die Berufsmatura am Berufs- und Weiterbildungszentrum Obwalden sorgten Simone Reinhard und Irina Bucher für Aufsehen – und sammelten gleichzeitig für einen guten Zweck. Dank ihrer Kleidergalerie können Kinder in Sambia die Schule besuchen.

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(pd) «Ein Flohmarkt ist doch keine Maturaarbeit.» So reagierten mehrere Personen, als Simone Reinhard und Irina Bucher von ihrer Idee des BM-Abschlussprojekts erzählten. Doch das habe sie nur noch mehr angestachelt. Das Endprodukt war denn auch deutlich mehr als ein konventioneller Flohmarkt.

Irina Bucher (links) und Simone Reinhard.

Irina Bucher (links) und Simone Reinhard.

Bild: PD

Aber der Reihe nach: Für Simone (21) aus Alpnach und Irina (20) aus Sarnen, die gerade die einjährige Vollzeit-Berufsmatura absolvieren, war schnell klar, dass ihre gemeinsame BM-Arbeit nicht einfach eine theoretische Abhandlung werden durfte, die anschliessend in einem Regal verstaubt. Ihr Projekt sollte Hand und Fuss haben – und darüber hinaus einen guten Zweck erfüllen. Eine Boutique mit gebrauchten Kleidern könnte passen, dachten sie und machten sich an die Arbeit. Zuerst musste ein Flyer her, um die Menschen zum Kleiderspenden aufzufordern. Die Werbung wurde auch via E-Mail und Social-Media-Kanäle gestreut. Das wirkte. Die zahlreich eingehenden Kleidungsstücke mussten nun sortiert und zum Verkauf aufbereitet werden. Parallel dazu sollte jeder Arbeitsschritt genau dokumentiert werden.

3378 Franken für Kinder in Sambia

Mitte März kam dann der grosse Event. Die gesammelten Kleider – über 600 Stück, in meist ausgezeichneter Qualität – wurden unter die Leute gebracht. Da sich in der Galerie Hofmatt in Sarnen coronabedingt nur 13 Personen gleichzeitig aufhalten durften, verteilten Simone und Irina den Kleiderverkauf auf zwei Tage. Ein Verkaufsziel setzten sie sich nicht. «Uns war wichtig, dass jedes Kleidungsstück ein zweites Leben bekommt und nicht im Abfall landet», sagt Irina. Insgesamt kamen am Samstag und Sonntag 153 Besucherinnen und Besucher.

Noch erfreulicher: Sie kauften 350 Kleidungsstücke, was den Initiantinnen letztlich 3378 Franken einbrachte. Das Geld spendeten die jungen Obwaldnerinnen der Organisation «African Impact», die Simone Reinhard von einer kürzlichen Reise nach Tansania her kannte. «Konkret unterstützen wir damit ein Projekt in Sambia, das Kindern aus armen Familien die Schulbildung ermöglichen soll», erzählt die Alpnacherin. Und was passierte mit den Kleidern, die in der Galerie liegen blieben? «Die schenkten wir dem Asylzentrum Glaubenberg und anderen Flüchtlingen in Obwalden.»

Präsentation zum Abschluss

Im Gespräch wird schnell klar: Die BM-Arbeit war für Simone und Irina eine Herzensangelegenheit. Sie betonen aber gleichzeitig, dass sie das Projekt ohne Unterstützung kaum hätten stemmen können. Das Ladenlokal beispielsweise bekamen sie von der Galerie Hofmatt in Sarnen zur Verfügung gestellt. Die Kleiderbügel offerierten umliegende Läden und Restaurants. Befreundete Schreiner fertigten für die beiden jungen Frauen sogar einen speziellen Holz-Kleiderständer. Dankbar sind sie auch jenen Leuten, die in der Galerie zwar keine neuen Kleider fanden, aber trotzdem etwas für die gute Sache spendeten.

Ist also demnächst mit einer Zweitauflage der Kleidergalerie zu rechnen? Diese Frage, die ihnen in den letzten Wochen gefühlte 100-mal gestellt worden sei, können Simone und Irina nicht schlüssig beantworten. «Aber eher nicht, so schön das Ganze auch war», so die Tendenz der beiden. Heute Mittwoch findet am BWZ Obwalden noch die Präsentation der diesjährigen BM-Abschlussarbeiten statt. Und dann möchten sie das Thema beiseitelegen und sich ihrer beruflichen Weiterentwicklung widmen. Beide planen demnächst in Bern zu studieren, Simone Multimedia Productions, Irina Soziale Arbeit.