Der Engelberger Abt blickt mit Augenzwinkern zurück

Abt Christian Meyer löste mit seinen Anekdoten aus 900 Jahren Engelberger Klostergeschichte viel Heiterkeit aus.

Franziska Herger
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Gebannt und amüsiert lauschte das Publikum den Ausführungen des Abts. (Bild: Beat Christen, Grafenort, 18. November 2019)

Gebannt und amüsiert lauschte das Publikum den Ausführungen des Abts. (Bild: Beat Christen, Grafenort, 18. November 2019)

«Was haben wir zu feiern?» Diese Frage stellte Abt Christian Meyer an seinem Vortrag zu 900 Jahren Kloster Engelberg immer wieder. Eine schwierige Frage, gebe es doch in der langen Geschichte der Benediktinerabtei auch vieles, das man lieber unter den Teppich kehren würde. Denn, so der Abt, «wo Menschen sind, ‹tätschts und chlöpfts›, auch wenn sie fromm sind». Bestes Beispiel ist die Tatsache, dass Abt Christian eigentlich nicht der 59., sondern der 62. Abt des Klosters ist. Nummer zwei bis vier waren jedoch «so hundsliederlich», wie es der Abt formulierte, dass sie offiziell nicht mitgezählt werden.

Mit weiteren Anekdoten aus der Geschichte des Klosters brachte der Abt die rund 150 Zuhörer, die sich im Herrenhaus Grafenort drängten, immer wieder zum Lachen. Etwa über die Spannungen um den Standort des Tochterklosters Mont Fébé in Kamerun. Die Frage, ob Mönche mit der Nähe zu einer Stadt umgehen können oder man sie mitten im Busch ansiedeln sollte, löste eine Streitwelle aus. Schliesslich wurde das Kloster 1964 gegründet – in der Hauptstadt Yaoundé.

Christus war stets der Angelpunkt

Oder die Geschichte über den Schüler, der 1596 die Edelsteine aus dem heute 800 Jahre alten Heiligen Kreuz von Engelberg kratzte, um sie dann im Zuge einer Verfolgungsjagd in die Engelbergeraa zu werfen. «Schon dazumal war die Jugend verdorben», war der augenzwinkernde Kommentar des Abts.

Doch trotz all den Auseinandersetzungen habe es immer eine Mitte, einen Angelpunkt gegeben, nämlich Christus, betonte Abt Christian Meyer. Darauf stützt sich auch das Leitmotiv des Jubiläumsjahres «Hören – Suchen – Gestalten». Ein Mönch solle immer wieder hören, wo er gebraucht werde, führte der Abt aus. «Und suchen, denn ein Mönch hat den Herrgott nicht im Hosensack, er muss immer wieder hinterfragen, was Gott hier in Engelberg von ihm will.» Daraus fliesse dann die Gestaltung, wie sie in den 900 Jahren Klostergeschichte stattgefunden hat.

Fundament des Lebens im Kloster ist die Regel des heiligen Benedikts. In 73 Kapiteln werden die Mönche etwa angehalten, in allem das richtige Mass zu halten und den anderen höher als sich selbst zu achten. Ob es den heiligen Benedikt gegeben hat, wie alle paar Jahre wieder angezweifelt werde, sei ihm «eigentlich wurscht», so der Abt. «Die Regel hat eine ganz tiefe Spiritualität.» Er erinnerte auch an die Wirkung Engelbergs in der Welt, mit Blick auf die zahlreichen von der Abtei ausgehenden Klostergründungen in der Schweiz, den USA und Kamerun.

Jubiläumsveranstaltungen in 11 Orten der Schweiz

So zeigte sich der Abt schliesslich überzeugt, ja, es gebe etwas zu feiern: Nämlich das Kloster, mit den Mönchen und den Leuten aus dem Dorf, die 900 Jahre lang einen wesentlichen Teil der Geschichte des Engelbergertals geschrieben hätten und noch weiterschrieben. «Feiern soll man immer wieder, das tut allen gut.»

Die Grundidee des Jubiläums sei daher die Begegnung. So finden im Jubiläumsjahr denn auch nicht nur in Engelberg Jubiläumsveranstaltungen statt, sondern in zahlreichen Orten in der Schweiz mit einer Verbindung zum Kloster, etwa in Buochs, Kerns, Lungern und Stans, aber auch beispielsweise in Brienz und Urdorf. «Es wird sehr abwechslungsreich», freute sich Abt Christian Meyer.