Frédéric Füssenich holte den Strongman-Run nach Engelberg 

Für Frédéric Füssenich endet Mitte März eine zehnjährige Ära als Direktor von Engelberg-Titlis-Tourismus. Vor seinem Wechsel zu den Rigi-Bahnen blickt er auf zahlreiche denkwürdige Momente zurück.

Matthias Piazza
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Frédéric Füssenich, der abtretende Direktor von Engelberg-Titlis-Tourismus, in seinem Büro.

Frédéric Füssenich, der abtretende Direktor von Engelberg-Titlis-Tourismus, in seinem Büro.

Bild: Corinne Glanzmann (Engelberg, 4. Februar 2020)

Sein Büro ist mit Werbeplakaten geschmückt, die Engelberg als Tourismusort aus verschiedenen Epochen zeigen. Frédéric Füssenich hat die letzten 10 Jahre dieser rund 150-jährigen Engelberger Tourismusgeschichte mitgeprägt. Mitte März endet sein Job als Tourismusdirektor von Engelberg-Titlis-Tourismus (ETT). In seine Fussstapfen tritt Andres Lietha (54).

Frédéric Füssenich wird Geschäftsführer der Rigi-Bahnen (wir berichteten). «Es war damals meine absolute Traumstelle», blickt der 45-jährige gebürtige Engelberger auf die zu Ende gehende Ära zurück. Zusammen mit seinem 23-köpfigen Team war er für die Vermarktung der Tourismusdestination Engelberg-Titlis verantwortlich, sei es mit dem Internetauftritt, mit dem Lancieren von Events oder neuen Angeboten. Er spricht von einer tollen Zeit mit vielen spannenden Begegnungen und Projekten. «In einem umkämpften Tourismusmarkt konnten wir gemeinsam die Marke Engelberg stärken.»

Idee löst Stirnrunzeln beim Verwaltungsrat aus

Besonders stolz ist er auf den Strongman-Run. Dieser jährliche Extrem-Hindernislauf findet seit 2013 in Engelberg statt und hat sich zu einem beliebten Anlass mit über 7000 Läufern entwickelt. Es brauchte zu Beginn Überzeugungsarbeit. «Die Idee, eine solch verrückte Veranstaltung, die zuvor dreimal auf dem Waffenplatz in Thun stattfand, nach Engelberg zu holen, löste beim Verwaltungsrat Stirnrunzeln aus.» Doch er konnte schliesslich mit dem Argument der grossen regionalen Wertschöpfung und der Steigerung des Bekanntheitsgrades überzeugt werden.

Die Premiere im Sommer 2013 stand allerdings unter keinem guten Stern. «Es regnete tagelang. An der Krisensitzung stand die Durchführung wegen Hochwasser auf der Kippe», erinnert sich Frédéric Füssenich an die bangen Momente zurück. «Hätten wir die Durchführung abgesagt, hätte Engelberg den Strongman-Run verloren», befürchtete er. Martin Odermatt, der Verantwortliche für Naturgefahren und ehemaliger Talammann von Engelberg, entschied schliesslich, dass der Anlass stattfindet, sollte es bis 10 Uhr aufhören zu regnen. Das Wunschszenario der Verantwortlichen traf ein.

Dass Tourismusdirektoren in bestimmten Ländern ein hohes Ansehen haben, erlebte er, als er mit dem Verkaufsleiter der Titlis-Bahnen, Tobias Matter, in Südkorea eingeladen war, um für Engelberg-Titlis zu werben. «Wir wussten nicht, was uns erwartet. Wir staunten nicht schlecht, als uns eine südkoreanische Regierungsdelegation am Flughafen die Aufwartung machte und uns eine Polizeieskorte mit Blaulicht in die Innenstadt chauffierte.» Selbst das Fernsehen sei anwesend gewesen. Unvergessen bleibe auch die südkoreanische Mentalität mit dem dauernden freundlichen Nicken.

Gut mag sich Frédéric Füssenich auch noch an den 15. Januar 2015 erinnern, als die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs für den Euro aufhob. Für Touristen aus dem Euroraum (sie machen rund 30 Prozent aus) wurde damit der Aufenthalt in Engelberg auf einen Schlag um über 20 Prozent teurer. «Wir schraubten nicht an den Preisen herum. Das war ein mutiger, aber richtiger Entscheid. Unser Produkt hat seinen Preis. Wir dürfen uns nicht unter unserem Wert verkaufen.» Dank dem Fokus auf den Heimmarkt, Skandinavien und internationale Märkte, stehe Engelberg besser da als vor der Krise.

Hotelschliessungen machten ihm Bauchweh

Trotz Rekordergebnis bei den Hotelübernachtungen war 2018 kein einfaches Jahr. Gleich drei Hotels im mittleren Preissegment gingen zu: «Hotelschliessungen machen weh, sie sind Gift für die touristische Wertschöpfung.» Er bedauert die Entwicklung, dass gewisse Immobilienbesitzer mit der Umnutzung von Hotelzimmern zu Wohnungen das schnelle Geld wittern. So werden aus den rund 40 Hotelzimmer des ehemaligen Hotels Edelweiss 13 mehrheitlich Viereinhalb- und Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnungen. Die Gemeinde sei gut beraten, mit der Ortsplanungsrevision entsprechende Schranken zu setzen. Freude bereite ihm das Hotel Titlis Palace. Das erste Fünfsternehotel in Engelberg soll in rund einem Jahr eröffnet werden. «Das neue Segment schafft einen Mehrwert für die gesamte Destination», ist Frédéric Füssenich überzeugt.

Positiv gegenüber steht er der Idee eines Schneeparadieses Titlis-Frutt-Hasliberg. Mit neuen Bahnen sollen die drei Skigebiete miteinander verbunden werden. «Damit hätten wir eine bessere Auslastung unter der Woche. Darauf zu verzichten, wäre eine vertane Chance.» Engelberg werde ohne Schneeparadies allerdings nicht untergehen.

Overtourism war auch am Titlis in aller Munde, als sich im vergangenen Jahr ein Zuger Politiker über zu viele Touristen dort beklagte. Frédéric Füssenich relativiert. «Einen touristischen Dichtestress wie in Barcelona oder Venedig haben wir in Engelberg nicht.» Und die Investitionen der Titlis-Bahnen in die neue Bergstation und die übrigen Erneuerungen zielten ja nicht auf eine Erhöhung der Gästezahlen ab, sondern auf eine qualitative Verbesserung.

«Kein Entscheid gegen Engelberg»

Die Aufgabe als Tourismusdirektor habe ihm viel Freude gemacht, aber es sei schon seit längerem sein Wunsch, bei einer erfolgreichen Bergbahn an vorderster Front zu wirken. «Dass es jetzt bei der Königin der Berge geklappt hat, freut mich sehr. Es ist in diesem Sinne kein Entscheid gegen Engelberg – sondern einer für die Rigi», begründet Frédéric Füssenich seine Motivation, das 240-köpfige Unternehmen zu leiten.

Im Dezember 2018 wurde beschlossen, die Luftseilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad und die Zahnradbahn Vitznau– Rigi zu erneuern. Besonders das Seilbahn-Projekt stösst bei einigen Anwohnern auf Widerstand. Diese Opposition gegen das Projekt müsse man ernst nehmen und den konstruktiven Dialog suchen. Bei dem Ersatz der Seilbahn aus den 1960er-Jahren gehe es primär um Qualitätssteigerung.