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Abwasser: Kernser Gemeinderat prüft neue Lösung

Das Abwasser der Sarneraatal-Gemeinden wird von einem Zweckverband in Alpnach geklärt. Eine Ausnahme bildet das Wasser des Dorfs Melchtal und des Ferienorts Melchsee-Frutt. Das möchte der Gemeinderat ändern – auch aus Umweltschutzgründen.
Markus von Rotz
Die Abwasserreinigungsanlage unterhalb des Dorfes Melchtal. (Bild: Pius Amrein, 17. April 2019)

Die Abwasserreinigungsanlage unterhalb des Dorfes Melchtal. (Bild: Pius Amrein, 17. April 2019)

Fast unscheinbar liegt die Abwasserreinigungsanlage (ARA) eingangs Dorf an der Melchaa. Seit 1971 wird dort das Abwasser für 800 Einwohner und Gäste des Wallfahrtsorts gereinigt. Im Winter ist es das Dreifache: Bei Hochbetrieb auf Melchsee-Frutt kommt so viel Abwasser, wie wenn im Einzugsgebiet 2500 Personen leben würden. Seit 1988 ist die Frutt angeschlossen.

Im Februar habe der Kernser Gemeinderat dem Entsorgungszweckverband Obwalden ein Übernahmegesuch gestellt, sagte Gemeindepräsident André Windlin an der jüngsten Gemeindeversammlung. Dieser Verband reinigt die Abwässer der sechs Gemeinden im Sarneraatal in seiner ARA neben dem Flugplatz Alp­nach. Engelberg hat eine eigene. «In diesem Zusammenhang steht auch die Frage im Raum, ob die ARA Melchtal weiter betrieben werden oder ob eine Leitung talauswärts gebaut werden soll, um sie an der ARA Sarneraatal anzuschliessen», so Windlin weiter. Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Zweckverbands, bestätigt die Verhandlungen. Man hoffe, 2019 einen Entscheid fällen zu können. Doch noch sind Fragen offen, und der Wechsel müsste von der Kernser Gemeindeversammlung und den Verbandsdelegierten genehmigt werden. «Rechtlich betreten wir Neuland», sagt Amgarten. Das mache die Situation nicht einfach. Denn der Verband betreibt nur den Hauptsammelkanal Lungern–Alpnach, die Zufluss­kanäle finanzieren die Gemeinden als Teil ihres Netzes.

5,2 Kilometer lange Leitung nötig

Würde die ARA Melchtal aufgegeben, bräuchte es eine 5,2 Kilometer lange Leitung bis St. Ni­klausen. Für diese wird gemäss externen Gutachtern mit Kosten von 3,5 bis 5 Millionen Franken gerechnet. Sie enthielte auch ein Pumpwerk, weil das Gefälle zwischen den zwei Ortsteilen «eine der grossen Herausforderungen» ist, wie André Windlin es formuliert. Gegenstand der Abklärungen eines externen Ingenieurbüros ist auch die Frage der Finanzierung. Diese wäre eigentlich Sache der Gemeinde. Doch Amgarten sagt: «Die Gemeinde Kerns könnte allenfalls dem Verband einen Antrag für eine Beteiligung stellen.» Das sei aber noch sauber zu klären, weil die anderen Gemeinden ihre Leitungen auch selber finanziert hätten. Laut Amgarten könnte der Zweckverband auch die heutige ARA mit eigenem Personal weiterbetreiben. Allerdings stünden in den nächsten Jahren hohe Erneuerungskosten im Melchtal an. Aktuell stellt die Gemeinde dafür ein 44-Prozent-Pensum.

Laut Windlin und Amgarten hätte das Ganze noch andere Aspekte: Die umgebaute ARA Alp­nach muss in naher Zukunft auf die vierte Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen wie Medikamentenrückstände erweitert werden. Zudem würde die Reinigungsleistung besser und die Melchaa abwasserfrei. Die ARA im Melchtal ist zu klein und muss nicht aufgerüstet werden. «Vom Umweltgedanken her könnte dieses Problem fürs Melchtal durch Abgabe an den Verband auch gelöst werden», sagt Windlin. Zudem produziert die ARA in Alp­nach aus dem Fäulnisprozess Gas, aus welchem der Flugplatz in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme gewinnt.

Idee schon vor über 30 Jahren geprüft

Schon 1984 war eine Leitung nach St. Niklausen geprüft worden. Sie hätte 2,6 Millionen gekostet. Eine Sanierung war aber günstiger und die Reinigungswerte damals nicht zu beanstanden. Auch geprüft wurde eine 10 Kilometer lange Leitung im Stollen des Elektrizitätswerks Obwalden Melchtal–Kaiserstuhl. Dieser ist aber heute wie damals kein Thema mehr. Laut Windlin ist entscheidend, dass die Rechnung langfristig aufgeht. Auch die neue Leitung bringe samt Pumpen Unterhaltskosten. «Die Spezialisten berechnen uns das Ganze bis ins Jahr 2080», sagt Amgarten.

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