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Ärzte schlugen auf dem Älggi Klimaalarm

Rund 80 Personen gelobten an der 1. Nationalen Landsgemeinde fürs Klima, gegen die Bedrohung gemeinsam ins Feld zu ziehen.
Romano Cuonz
Sozusagen als Landammann der 1. Nationalen Landsgemeinde fürs Klima amtierte der Umweltschutzarzt Toni Reichmuth (im Vordergrund).Bild: Romano Cuonz (Älggialp, 1. August 2019)

Sozusagen als Landammann der 1. Nationalen Landsgemeinde fürs Klima amtierte der Umweltschutzarzt Toni Reichmuth (im Vordergrund).Bild: Romano Cuonz (Älggialp, 1. August 2019)

«Wenn wir die Klimakrise noch rechtzeitig lösen wollen, müssen wir alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte global, national, kantonal und lokal bündeln und jetzt beherzte Taten folgen lassen», rief der Steiner Arzt Toni Reichmuth in die Runde. Wie ein Landammann stand er im Mittelpunkt der Schweiz, auf der Älggialp, im Ring. Um ihn herum hatten sich rund 80 Klimaaktivisten zur landesweit ersten Landsgemeinde fürs Klima versammelt.

Die alten Eidgenossen hatten am 1. August 1291 ihr Bündnis gegen die Gefahr, die ihnen von Seiten der Habsburger Landvögte drohte, noch mit einem Eid besiegelt. Die Umweltaktivisten, die am heutigen Nationalfeiertag aufs Älggi gekommen waren, gaben im Moment, wo die Sonne am höchsten stand, ihrem «Schock über die tiefe und globale Klimakrise» Ausdruck. Und dies vorerst einmal mit einem fünfminütigen Schweigen.

Forderungen speziell für die Alpen

«Wir sind schockiert, weil wir die Klimakrise als unglaubliche Bedrohung für uns Menschen und alles Leben sehen», sagte Reichmuth. Er hatte zusammen mit Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz (AefU) und für soziale Verantwortung zur Verhütung eines Atomkrieges (PSR/IPPNW) zu dieser landesweit grössten Manifestation auf dem Lande eingeladen. Rund ein Dutzend Ärzte waren denn auch zur Landsgemeinde aufs Älggi gekommen. Nach der eindrücklichen «Schockstarre» eröffnete Toni Reichmuth die Landsgemeinde, indem er verkündete: «Wir haben in demokratischen Diskussionen vereinbart, dass wir die Ziele der Klimabewegung der jungen Generation solidarisch übernehmen.»

«Unsere ländlichen Gegenden und namentlich die Alpen sind durch den Klimawandel fast noch mehr bedroht als die urbanen Gebiete», gab Toni Reichmuth zu verstehen. Deshalb habe man auch diesen Ort mit Symbolcharakter für eine erste Klima-Landsgemeinde gewählt.

Nach Hin und Her auf Klimagerechtigkeit geeinigt

Darauf gab Reichmuth der Jugend das Wort. Simone Wochner, eine Primarlehrerin aus Uster, sagte zu den Anwesenden: «Ich setze mich mit der Klimastreikbewegung für eine Zukunft der kommenden Generationen auf unserem Planeten ein». Mit dieser Bewegung gelte es jetzt, Druck auf Regierungen auszuüben. Gegen ihren Vorschlag, an dieser Landsgemeinde doch die Ziele der heutigen Klimajugend zu übernehmen, gab es kein Veto. Viel mehr grossen Applaus!

Dabei geht es um drei grosse Ziele, die auch der Obwaldner Student Robin Studer wortkräftig unterstützte: Die Versammelten wollen den Notstand unseres Klimas als Krise anerkennen, wahrnehmen, und lokal, national und global alles priorisieren, was eine Lösung erfordert. Im Weiteren steht die Klimalandsgemeinde für «Nettonull» punkto CO2-, Treibhausgas-, Methan-, Ozon- und Lachgasausstoss bis 2030 ein. Schliesslich einigte man sich – nach einigem Hin und Her im Vorfeld – auf eine Klimagerechtigkeit im umfassenden Sinne. Reichmuth dazu: «Wer unser Klima schon arg geschändet hat, muss früher und schneller zurückbuchstabieren als jene fünf bis sieben Milliarden, die noch immer wenig Lebensqualität erreicht haben.»

Sachseln begrüsste die Aktivisten

Sachselns Vizegemeindepräsident Florian Spichtig überbrachte der Klimalandsgemeinde den Gruss der Gemeinde. «Sachseln war die erste Gemeinde der Schweiz, die 1993 einen Wärmeverbund realisierte, und alle Obwaldner Dörfer sind Energiestädte», betonte er.

Auch wenn man an diesem Tag auf dem Älggi nicht wie einst auf dem Rütli einen Eid geschworen habe, hoffe er doch von ganzem Herzen auf eines: dass man den Worten wirklich Taten folgen lasse. Vorgenommen haben es sich die 80 Frauen und Männer. Nach langen Märschen über verschiedene Berge, Mitternachtsfeuern, Musik und Sonnenaufgangszeremonien – und eben der Landsgemeinde als Höhepunkt – ging’s mit vielen guten Vorsätzen im Rucksack wieder zurück ins urbane Unterland.

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