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Alles noch offen bei den Nationalratswahlen in Obwalden

Mit fünf Kandidaten wollen so viele Obwaldner wie noch nie in den Nationalrat. Das Gedränge in der Mitte könnte der SVP zu Gute kommen.
Franziska Herger und Markus von Rotz
Das Obwaldner Regierungsgebäude in Sarnen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 28. August 2019)

Das Obwaldner Regierungsgebäude in Sarnen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 28. August 2019)

So viele Kandidaten wie dieses Jahr haben sich in Obwalden noch nie für einen Sitz im Nationalrat beworben. Mit Peter Krummenacher (überparteilich), Monika Rüegger (SVP), Marco De Col (FDP), Luke Gasser (parteilos) und Mirjam Hostetmann (Juso) haben die Obwaldnerinnen und Obwaldner eine ungewohnt grosse Auswahl. Obwohl – seit der stillen Wiederwahl von Adalbert Durrer im Jahr 1999 gab es immer Kampfwahlen, wie ein kleiner Rückblick in die jüngere Geschichte zeigt.

2003 gewann Adrian Imfeld (CVP) mit 6831 Stimmen gegen Adrian Halter (SVP, 3469). 2011 nahm der nun zurücktretende Karl Vogler (CSP) als überparteilich unterstützter Kandidat mit 8896 Stimmen dem Amtsinhaber Christoph von Rotz (SVP, 6739) den Sitz ab. Und hielt ihn 2015 mit 9911 Stimmen gegen einen weiteren SVP-Kandidaten, den heutigen Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler (5227).

Ähnlich viele Kandidaten wie in diesem Wahljahr waren es aber nur im Jahr 2007, als Christoph von Rotz als erster Obwaldner SVP-Nationalrat in die Grosse Kammer einzog. Das Ergebnis war allerdings knapp: Mit 4523 Stimmen lag er nur wenig vor CVP-Kandidat Patrick Imfeld (4462). Abgeschlagen dann Luke Gasser bei seinem ersten Versuch, das Nationalratsamt zu erlangen (3095), und Beat von Wyl (SP, 1589).

Marco De Col, FDP, Kerns, Berufsschullehrer, 1966. Motivation: «Mein Interesse an einer intakten Gemeinschaft in einem gesundem Lebensraum motiviert mich. Im Dienste Obwaldens will ich mich für eine starke Zukunft einsetzen.»Marco De Col, FDP, Kerns, Berufsschullehrer, 1966. Motivation: «Mein Interesse an einer intakten Gemeinschaft in einem gesundem Lebensraum motiviert mich. Im Dienste Obwaldens will ich mich für eine starke Zukunft einsetzen.»
Mirjam Hostetmann, Juso, Sarnen, Gymnasiastin, 1999. Motivation: «Obwalden hat die Wahl. Für eine konsequente solidarische, feministische, ökologische Politik für die 99 Prozent.Mirjam Hostetmann, Juso, Sarnen, Gymnasiastin, 1999. Motivation: «Obwalden hat die Wahl. Für eine konsequente solidarische, feministische, ökologische Politik für die 99 Prozent.
Luke Gasser, parteilos, Kägiswil (ursprünglich aus Lungern), Bildhauer, 1966. Motivation: «Ich bin überzeugt, dass in der kommenden Legislaturperiode wichtige Weichen gestellt werden müssen und ich will mich aktiv daran beteiligen.»Luke Gasser, parteilos, Kägiswil (ursprünglich aus Lungern), Bildhauer, 1966. Motivation: «Ich bin überzeugt, dass in der kommenden Legislaturperiode wichtige Weichen gestellt werden müssen und ich will mich aktiv daran beteiligen.»
Monika Rüegger, SVP, Engelberg, Metallbauplanerin, 1968. Motivation: «Nach 10 Jahren Kantonsratserfahrung bin ich motiviert, Obwalden in Bern zu vertreten. Bürgernah – für eine unabhängige und wettbewerbsfähige Schweiz.»Monika Rüegger, SVP, Engelberg, Metallbauplanerin, 1968. Motivation: «Nach 10 Jahren Kantonsratserfahrung bin ich motiviert, Obwalden in Bern zu vertreten. Bürgernah – für eine unabhängige und wettbewerbsfähige Schweiz.»
Peter Krummenacher, CVP, Sarnen, Winzer und Jurist, 1964. Motivation: «Die vielen politischen Baustellen (Sozialwerke, Europa, Umwelt) motivieren mich. Ich will mit anpacken für konstruktive und zukunftsträchtige Lösungen.»Peter Krummenacher, CVP, Sarnen, Winzer und Jurist, 1964. Motivation: «Die vielen politischen Baustellen (Sozialwerke, Europa, Umwelt) motivieren mich. Ich will mit anpacken für konstruktive und zukunftsträchtige Lösungen.»
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Nationalratskandidaten Obwalden

Wiederholt sich das Szenario von 2007?

Es war ein gutes Resultat für Luke Gasser, und es verpflichte, meinte der Musiker, Autor, Künstler und Filmemacher damals. Er werde sich nicht von der Politik verabschieden. Manch einem CVP-Politiker dürfte dieses Versprechen mulmige Gefühle beschert haben. Wurde Gassers Kandidatur doch als Grund genannt, warum die CVP Obwalden 2007 erstmals seit 1848 in keinem der beiden Räte in Bern mehr vertreten war. Der Lungerer, der sich klar als Mitte-Politiker sieht, habe die Stimmen gespalten und damit Patrick Imfeld, der nur 61 Stimmen hinter Christoph von Rotz lag, den Sitz gekostet.

Könnte sich die Situation von 2007 am 20. Oktober wiederholen? Die CVP hat diesmal selber keinen Kandidaten aufgestellt, unterstützt aber offiziell den Winzer und Juristen Peter Krummenacher. Der Sarner ist CVP-Mitglied, wurde aber von einem überparteilichen Komitee portiert. Er selber schien die Möglichkeit zumindest in Betracht zu ziehen, als er kurz nach Bekanntwerden der Kandidaturen von Gasser und Mirjam Hostetmann am Rande der CVP-Parteiversammlung sagte: «Die beiden neuen Kandidaten werden die SVP keine einzige Stimme kosten. Für die anderen wird es offensichtlich kein Spaziergang.»

Neben Peter Krummenacher als Mittekandidat muss sich der frühere Kernser Gemeinderat Marco De Col behaupten. Die FDP nominierte ihn Mitte Juni mit nur einer Gegenstimme. Der gelernte Bäckermeister ist heute als Berufsschullehrer tätig. Er gibt sich sehr volksnah: Mit einer Tür-zu-Tür-Kampagne ist er in den Gemeinden unterwegs und will mehr über die Anliegen der Obwaldner erfahren.

Als diejenige, die von dem Gedränge in der Mitte profitieren könnte, erschiene in diesem Szenario Monika Rüegger von der SVP. Der Engelbergerin ist jedoch unter Umständen nicht die Unterstützung ihrer ganzen Partei sicher. Der Sarner Gemeindevizepräsident Peter Seiler hatte schon seit längerem Interesse an einer Nationalratskandidatur bekundet. Die Geschäftsleitung der SVP jedoch stellte nur Parteipräsidentin Rüegger auf, worauf an der Nominationsversammlung im Juni über ein Drittel der Anwesenden verlangte, über beide möglichen Kandidaten abzustimmen. Nach Ablehnung des Antrags wurde Rüegger jedoch praktisch einstimmig nominiert.

Nur eine Kandidatin hat Parlamentserfahrung

Als Option für Links-Wähler, denen soziale Anliegen und der Umweltschutz wichtig sind, sieht sich die erst 19-jährige Sarnerin Mirjam Hostetmann. Die Präsidentin der erst kürzlich wiederbelebten Obwaldner Juso wird nun auch offiziell von der Mutterpartei SP unterstützt. Man könne es sich angesichts des Verzichts der SP auf eine eigene Kandidatur nicht leisten, die Gymnasiastin nicht zu unterstützen, hiess es an der Mitgliederversammlung.

Würden Rüegger oder Hostetmann gewählt, hätte Obwalden erstmals eine weibliche Vertretung in den eidgenössischen Räten. Parlamentserfahrung hat einzig die SVP-Kandidatin mit zehn Jahren im Kantonsrat. Mirjam Hostetmann kandidierte vergangenes Jahr erfolglos für den Kantonsrat, damals noch für die CSP. Marco De Col war neun Jahre lange Gemeinderat in Kerns. Luke Gasser schaffte 2008 den Einzug in den Sarner Gemeinderat nicht, beziehungsweise verzichtete nach dem ersten Wahlgang. Peter Krummenacher war Präsident der Rechnungsprüfungskommission in Kägiswil und sitzt im Beirat der Standort Promotion Obwalden. Er wie De Col hatten überdies 2018 die Wahl in den Kantonsrat nicht geschafft.

Die fünf Kandidaten wollen entsprechend ihrer Position auf dem politischen Spektrum für ganz unterschiedliche Themen eintreten: Mirjam Hostetmann setzt etwa auf die Senkung von Treibhausgasemissionen, für Luke Gasser sind unter anderem die Konsequenzen der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen im Zuge der Digitalisierung wichtig. Peter Krummenacher will sich für eine Kostenbremse im Gesundheitswesen einsetzen, Marco De Col will gezielter in das duale Bildungssystem investieren und Monika Rüegger ist für eine Sicherung der AHV durch ein gleiches, leicht erhöhtes Rentenalter für Mann und Frau.

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