Alpenverlosung in Kerns – der Zufall entscheidet über die nächsten zwölf Sommer

Die Verlosung von Kernser Alpen findet nur alle zwölf Jahre statt. Über 900 Personen waren beim emotionalen Anlass dabei.

Robert Hess
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Zur Alpenverlosung der Alpengenossenschaft in der Kernser Dossenhalle, fanden sich am Samstag rund 900 Personen ein.

Zur Alpenverlosung der Alpengenossenschaft in der Kernser Dossenhalle, fanden sich am Samstag rund 900 Personen ein.

Bild: Robert Hess

Kerns feierte am Samstag einen wahren «Buiräfyyrtig». Angesagt war die Verlosung von 35 Alpen der Alpgenossenschaft ausserhalb der steinernen Brücke für die Jahre 2021 bis 2032. Diese alle zwölf Jahre stattfindende Verlosung ist für die betroffenen Landwirte «wirtschaftlich und persönlich ein sehr wichtiges Ereignis», schreibt die Alpgenossenschaft in einer Pressemitteilung.

Der Aufmarsch der Alpgenossen, ihren Familien, Freunden und Bekannten sowie Gästen ab morgens um 8 Uhr war denn auch gewaltig. Im Verlauf des Tages bevölkerten über 900 Personen die Dossenhalle, hielten die Festwirtschaft auf Trab und liessen sich von Musik und Jodelliedern unterhalten.

Das Losglück wird mit einem Schnupf gefeiert.
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Alle Vorgänge werden fein säuberlich protokolliert. Verantwortlich dafür sind Alpgenossenschreiber Thomas Bucher und seine Mitarbeiterinnen. Beobachtet von Korporationspräsident Markus Ettlin (hinten links). Rechts stehen die Bewerber für die nächste Alp.
Freude herrscht: Markus Egger (links) hat das Los für die Alp Chlingen gezogen. Er wird sie zusammen mit seinem Neffen Andreas Egger bewirtschaften.
Zur Alpverlosung der «Alpgenossenschaft Kerns ausserhalb der steinernen Brücke» in der Dossenhalle fanden sich rund 900 Personen ein.
Grosser Aufmarsch an der Verlosung!
Viele Familien waren anwesend, wobei sich die Kinder auf ihre Art mit einem Würfelspiel die Zeit vertrieben.
Patrick Durrer hatte mit der Alp Eggi mit Arvi Losglück und drückt seine Freude im Interview mit Tele 1 aus.
Weibel Sepp von Rotz hat die eigentliche Verlosung vorgenommen.
Korporationspräsident Markus Ettlin «dirigiert».
«Herr der Alpen»: Alpvogt Markus Durrer informiert.
Vor der Verlosung prüfen Mitglieder der Verlosungskommission (rechts), ob die Bewerber alle Bedingungen erfüllen.
Weibel Sepp von Rotz bereitet die Alpenverlosung vor.
Weibel Sepp von Rotz bereitet die Alpenverlosung vor.
Kugeln und Nummern.
Weibel Sepp von Rotz erhält eine Kugel.
Der Weibel füllt die Kugeln mit den Nieten und der Glückskugel für die Alp ins Ankenfass...
... wenig später muss er einem Bewerber sagen «Leider hast du nicht die richtige Kugel gezogen.»
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummer.
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummern.
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummern.
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummern.
Ein Mann zieht das Los.
Bauer Hans freut sich.
Eine Frau zieht das Los.
Ein Mann zieht das Los.
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummern.
Ein Mann zieht das Los.
Gäste schnupfen Tabak.
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummern.
Gäste gratulieren Bauer Hans.
Weibel Sepp von Rotz dreht das Rad.
Zettel der ausgelosten Alpen.
Weibel Sepp von Rotz verteilt die Nummern.
Blick in die Halle.
Weibel Sepp von Rotz und ein Bauer.
Gäste studieren die Alpenliste.
Weibel Sepp von Rotz gratuliert.
Zum Programm gehörte auch Darbietungen des Jodlerklubs Fruttklänge.
Zum Programm gehörte auch eine Festwirtschaft mit Speis und Trank.

Das Losglück wird mit einem Schnupf gefeiert.

Robert Hess, Kerns, 30. November 2019

76 wollen eine Alp bewirtschaften

Korporationspräsident Markus Ettlin, Alpvogt Markus Durrer und Alpgenossenschreiber Thomas Bucher und ihre Mitarbeitenden waren für die perfekte Durchführung des Anlasses verantwortlich. Nicht zuletzt für die zahlreichen Gäste, war vor der eigentlichen Verlosung ein Informationsblock programmiert. Von den aktuell 1813 Stimmberechtigten dieser Alpgenossenschaft, haben 120 ein Nutzungsrecht an den Alpen. Diese könnten für insgesamt 2000 Grossvieheinheiten (GVE) Alpungsrechte geltend machen.

Für die Verlosung vom Samstag standen aber nur für rund 700 GVE Alprechte (ohne Alprechte auf Hochalp Aa und Tannalp) zur Verfügung. Fristgerecht hatten sich bis zum 4. November insgesamt 76 Bewerber für die Verlosung der 35 Alpen angemeldet. Eine Kommission prüfte die Erfüllung der in der Alpenverordnung umschriebenen Bedingungen.

Selbstverständlich stand die eigentliche Verlosung der einzelnen Alpen im Vordergrund. Es waren spannende Momente für die Bewerber, ihre Familien, Freunde und auch für die Gäste.

Stefan Windlin und Markus Durrer stellten zu Beginn jeder Verlosungsrunde die einzelne Alp vor. Dabei wurden die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Verbesserungen an Gebäuden, Einrichtungen, Wegen, Wasserversorgung usw. oder auch im Bereich des Tierschutzes erwähnt. Zur Alp Chlingen zum Beispiel meinte Windlin: «Es ist eine schöne Alp, aber etwas stotzig und benötigt viel Handarbeit. Es ist aber auch eine Alp mit guter Aussicht von Engelberg bis Lungern. Da kann man auf einen Fernseher verzichten.»

Ohne Losglück geht es nicht

Haben sich die Bewerber – es waren am Samstag bis zu 35 für eine Alp – bei der Verlosungskommission angemeldet, kann Weibel Sepp von Rotz mit dem Verlosungsakt beginnen. Selbstverständlich wird darauf verzichtet, wenn nur eine Bewerbung vorliegt, wie am Samstag bei der ersten Alp «Lachen». Diese wird wie bisher von der Familie Spichtig geführt.

Bereits um die zweite Alp, die «Bergmatt», bewarben sich 28 Personen in Gruppen mit je zwei Bewirtschaftern. Weibel Sepp von Rotz lässt vorerst die Kugel aus einem Säckli ziehen, die für die Reihenfolge über den Griff nach der Glückskugel im Ankenfass für die Alp entscheidet. Bei der Bergmatt kann bereits der als Zweiter ziehende 34-jährige Ruedi von Rotz jubeln: «Meine Freude ist riesig, mit der Bergmatt geht ein grosser Wunsch in Erfüllung», sagt er später. Er wird die Alp zusammen mit dem gleichaltrigen Ruedi Durrer als zweiten angemeldeten Bewirtschafter führen. Die beiden sind Nachbarn in ihren Betrieben in Siebeneich.

Wo es Sieger gibt, sind die Verlierer nicht fern. So nehmen einige das fehlende Losglück gelassen, andere gehen sichtlich enttäuscht von der Bühne.

Erfüllen sie die Bedingungen, können sie sich für eine der nächsten Alpen anmelden. Und sie haben vielleicht Glück wie Patrick Durrer, der nach zwei Nieten die Alp Eggi mit Arvi zieht. «Eine solche Alp habe ich mir gewünscht», sagt er strahlend.