Alphütte auf der Alp Ämsigen soll modernisiert werden

Die Korporation Alpnach beantragt einen Projektierungskredit in der Höhe von 60'000 Franken für den Neubau der Alphütte Ämsigen. Die Wohn- und Produktionsräume sollen dadurch getrennt werden.

Robert Hess
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Visualisierung der neuen Alphütte Ämsigen (Bildmitte) mit dem bestehenden Stall (rechts) der Kreuzungsstation Ämsigen der Zahnradbahn Alpnachstad-Pilatus Kulm.

Visualisierung der neuen Alphütte Ämsigen (Bildmitte) mit dem bestehenden Stall (rechts) der Kreuzungsstation Ämsigen der Zahnradbahn Alpnachstad-Pilatus Kulm.

Visualisierung: PD

Hunderttausende aus aller Welt sehen und fotografieren die Hütte, den Stall und den Holzschopf der Alp Ämsigen auf ihrer Fahrt mit der Zahnradbahn Alpnachstad–Pilatus Kulm. Diese grosse Aufmerksamkeit verdankt die Alp Ämsigen ihrer Lage unmittelbar bei der gleichnamigen Kreuzungsstation der steilsten Zahnradbahn der Welt.

Als Fotosujet der Pilatusbahn-Gäste würde die auf 1359 Meter über Meer gelegene Alphütte wohl noch viele Jahre genügen. Die Korporation Alpnach als Eigentümerin der Alphütte räumt ihr denn auch «einen hohen repräsentativen Charakter ein», schreibt sie in der Botschaft an die Korporationsbürger vor der Urnen-Abstimmung vom 23. Juni für die Projektierung eines Neubaus. Der «ländlichen Idylle in Ämsigen», so heisst es weiter, ständen aber unzeitgemässe Wohn- und Arbeitsverhältnisse für die Älpler gegenüber. «Heute wird im gleichen Raum gekäst, gekocht und gewohnt.» Auch die sanitären Anlagen genügten nicht mehr und der Käsekeller sei unpraktisch.

Produktion des Alpkäses beibehalten

«Die Alpung von Milchvieh und die Verarbeitung der Milch zu hochwertigem Alpkäse sind im Interesse der Landwirtschaft, der Korporation, des Tourismus sowie der Konsumenten und sollen deshalb zukunftsfähig entwickelt werden», hatte Korporationspräsident Walter Hug bereits 2016 an einer Infoveranstaltung zur Zukunft der Korporationsalpen betont. In diesem Sinn soll in Ämsigen auch künftig Alpkäse produziert werden. Die Realisierung des Vorhabens erfordert aber die Erneuerung der Infrastruktur für das Wohnen und Käsen auf der Alp Ämsigen, schreibt der Korporationsrat in seiner Botschaft. Insbesondere müssten die Wohn- und Produktionsräume konsequent getrennt werden.

950'000-Franken-Kredit für die Chretzenalpen

(rh) Die rund 800 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Korporation Alpnach haben am 23. Juni über ein zweites «Alpgeschäft» zu entscheiden. Der Korporationsrat beantragt einen Kredit von 950'000 Franken für das Strukturverbesserungsprojekt «Verstromung der vier Chretzenalpen» sowie den Neubau einer Transformatorenstation. Die vier Alpen unterhalb des Matthorns werden während rund 120 Sömmerungstagen mit 74 Kühen sowie Jungvieh bestossen. Die Milch wird in der Käserei bei der vorderen unteren Chretzen zu Alpkäse verarbeitet.

Heute wird der Strom für die Käserei und die Alpbetriebe mit Stromaggregaten hergestellt, wofür jährlich rund 4500 Liter Dieselöl benötigt werden. Nicht wirtschaftlich wäre die Stromversorgung mittels Fotovoltaikanlagen, schreibt der Korporationsrat. Die Anlagen würden nur während vier bis fünf Monaten jährlich genutzt und es bestehe keine Möglichkeit, überschüssigen Strom in ein bestehendes Netz einzuspeisen.

Im vergangenen Jahr hat der Korporationsrat drei Architekturbüros eingeladen, aufgrund eines Studienauftrags mit entsprechenden Vorgaben ein Wettbewerbsprojekt einzureichen. Dabei sei ein «ausgewogenes Kosten-/Nutzenverhältnis» zu berücksichtigen. Ende September 2019 wurde die Eingabe der Seiler Linhart Architekten, Sarnen/Luzern, als Siegerprojekt erkoren. Dieses Büro hatte bereits den neuen Forstwerkhof der Korporation projektiert.

Am 23. Juni haben die Korporationsbürger an der Urne über einen Kredit von 60'000 Franken für die Projektierung des Neubaus der Alphütte Ämsigen zu entscheiden. Voraussichtlich im Mai 2021 würde der Projektkredit vorgelegt. Bei einem Ja der Korporationsversammlung könnte der Neubau im Sommer 2022 erstellt werden.

Das Siegerprojekt plant einen Neubau der Alphütte, und zwar praktisch am gleichen Standort des bestehenden Gebäudes. Der zweigeschossige Neubau sieht einen «Sockel» als Produktionsteil sowie ein Haupt-Wohngeschoss vor. Das neue Gebäude soll ein relativ steiles Zeltdach mit auskragendem Vordach auf allen Seiten enthalten. Erhalten bleiben soll der bestehende Holzschopf etwas abseits der Alphütte. Er wird mit einem WC ergänzt. Künftig soll das Gebäude als Lager, Verkaufsstelle sowie als Besenbeiz genutzt werden.