ALPNACH: 70 Jahre «Cäcilia» mit Hochs und Tiefs

Sein Jubiläum feiert der Kirchenchor Cäcilia am Sonntag mit einem grossem Konzert. Bis heute erlebte der Verein Krisen und Höhepunkte.

Marion Wannemacher
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Rund dreissig Mitglieder hat der Alpnacher Kirchenchor Cäcilia derzeit. (Bild Robert Hess)

Rund dreissig Mitglieder hat der Alpnacher Kirchenchor Cäcilia derzeit. (Bild Robert Hess)

Marion Wannemacher

Kurt Hess freut sich. «Gestern hatten wir Probe mit Musik und allen 85 Sängern – es ist sensationell.» Was schenkt sich ein Kirchenchor zum 70-Jahr-Jubiläum? Der Kirchenchor Cäcilia führt die Messe in D-Dur Op. 86 von Antonín Leopold Dvorák auf – gemeinsam mit der Kantorei Sachseln und mit den 28 professionellen Musikern der Camerata Musica Luzern. Als Solisten unterstützen Madelaine Wibom (Sopran), Rea Claudi Kost (Alt), Hans-Jürg Rickenbach (Tenor) und Marc-Olivier Oetterli (Bass) die Chorsänger. «Die Emotionen beim Gloria und bei der Kreuzigung, es handelt sich ja um die Geschichte von Jesus – das geht einem sehr nah», sagt OK-Präsident Kurt Hess.

«Ein aufgestellter Chor»

«Wir sind ein bunt gemischter, aufgestellter Chor.» So präsentiert sich der Kirchenchor auf der Webseite der Gemeinde Alpnach unter der Rubrik Vereine. Rund 30 Mitglieder zählt «Cäcilia» mittlerweile. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt bei rund 50 Jahren, bei den Männern zwischen 65 und 70 Jahren. Die meisten Mitglieder sind aus Alpnach, es gibt aber auch Sänger aus Sarnen und Luzern. Eigentlich gehe es dem Chor gut, findet Hess. «Wie bei vielen Chören haben wir das Problem, dass unter den Sängern Männer fehlen.» Viele seien halt in der Jodlerszene engagiert. «Zudem hat ein Kirchenchor mit dem Klischee zu kämpfen, dass ein paar Leute sonntags in der Kirche singen.» Grundsätzlich singen die Mitglieder vom Kirchenchor Cäcilia zwar in der Kirche, aber: «Wir singen nicht irgendwas, sondern klassische Stücke, sehr schwierige Musik.» Zum Repertoire gehören Kirchenliedsätze, Choräle, Motetten und Messen aus verschiedenen Epochen der Musikgeschichte, aber auch Spirituals.

Grundsätzlich hat sich das Image des Kirchenchors in 70 Jahren stark verändert. Der Chor ging 1945 aus dem Cäcilienverein hervor. In den 50er-Jahren beispielsweise gehörte es zum guten Ton, Mitglied zu sein – wer Rang und Namen hatte, war im Chor. Damals bestand der Chor aus fast 70 Mitgliedern, der Cäcilienverein führte gar Operetten auf. In den 60er-Jahren geriet der Verein in eine Krise. Neue Klubs und Vereine konkurrenzierten mit dem Kirchenchor ebenso wie die Erfindung des Fern­sehers. Plötzlich wurde nicht mehr am Freitag-, sondern am Mittwochabend geprobt, denn freitags gab es ein spannendes Fernsehprogramm. Einem neuen Leiter, Albert Späni, gelang es, die Sänger neu zu motivieren. Mit dem Chor ging es wieder aufwärts. Zum 50-Jahr-Jubiläum wurde die anspruchsvolle Mozart-Messe in G-Dur, KV 140, einstudiert. Das Niveau von «Cäcilia» stieg.

Ein Chor steht und fällt mit seinem Leiter. Seit 2007 ist Josef Kost Chorleiter in Alpnach. Er ist Dozent an der Musikhochschule Luzern. Kurt Hess sagt über ihn: «Er ist sehr stark und kann jedem mehr beibringen. Sehr wichtig sind ihm Aussprache und Betonung. Manchmal denkt man, es ist doch gut gewesen, wenn jemand vorsingt. Er ist streng mit uns, das ist aber richtig.» Bei den Proben würden aber auch Witze erzählt. Hinterher geht man zusammen einen trinken. «Das Menschliche und das Gemütliche wollen wir nicht vergessen», so Hess.

Organistin verunfallte kürzlich

Für die Jubiläumsaufführung hat sich der Chor richtig ins Zeug legen müssen. Dvoráks Messe in D-Dur Op. 86 zählt zu den grossen Kirchenmusikwerken. Knappe drei Wochen vor dem Konzert hatte Organistin einen Unfall. Josef Kost konnte einen guten Ersatz finden. Ein Jahr lang war das OK am Vorbereiten. «Es ist eine wahnsinnige Arbeit», sagt Hess, «aber was an Echo zurückkommt, ist grossartig. Die Leute sind enorm begeistert.»

Hinweis

Jubiläumskonzert: Sonntag, 22. November, 17 Uhr in der katholischen Kirche Alpnach (Türkollekte).