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ALPNACH: «Angenehm und alles sauber»

Die Asylbewerber haben ihre erste Nacht in der Unterkunft Alpnach verbracht. Drei junge Männer aus Pakistan schildern ihre Eindrücke.
Roger Rüegger
Hamza Gheni, Faisal Hameed und Ali Naveed (von links) sind drei der Asylbewerber, die seit Dienstag in Alpnach wohnen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Hamza Gheni, Faisal Hameed und Ali Naveed (von links) sind drei der Asylbewerber, die seit Dienstag in Alpnach wohnen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Die Nebelschwaden hängen noch tief über Alpnach. In der Asylunterkunft trottet gegen 9 Uhr einer der 22 Bewohner, die am Vortag eingezogen sind, über den Kiesplatz. Zwei Kinder sind bereits etwas aufgeweckter, sie rennen von Gebäude zu Gebäude und rufen einander offenbar lustige Sachen zu. Ein junger Mann aus Senegal schreitet auf den Zaun zu, der die Unterkunft umgibt. Er begrüsst uns mit einem Händedruck, ohne seinen Namen zu verraten. In gebrochenem Englisch erzählt er, dass er gut geschlafen habe und sich im Verlauf des Tages das Dorf ansehen wolle. Mehr sagt er nicht.

«Einige schnarchen»

Zur gleichen Zeit treten vier Securitas-Angehörige ihren Dienst an, langsam werden auch die anderen Bewohner munter. Drei Männer aus Pakistan verlassen gemeinsam die Unterkunft und spazieren der Kleinen Schliere entlang. Wir begleiten sie eine Weile und lassen uns erzählen, wie sie ihre erste Nacht und den Morgen erlebt haben. «Wir sind zwölf Männer aus verschiedenen Ländern in einem Raum. Das ist für mich gut so, auch wenn einige schnarchen», sagt Faisal Hameed, ein 27-jähriger Mann, der aus Pakistan flüchtete, weil er um sein Leben fürchtet. Er hat eine 19-jährige Freundin und mit ihr zusammen ein 18 Monate altes Kind. Sein Problem ist, dass die Frau aus einer anderen Kaste ist als er und er deswegen von ihrer Familie nicht akzeptiert wird. «Ihr Vater würde mich umbringen, wenn er mich erwischen würde», ist der Mann überzeugt. Er war sechs Monate in Deutschland und eine Weile in Österreich untergebracht, wie er erzählt. Zuvor wohnte er, wie alle Bewohner des Zentrums, in einer Unterkunft in Chiasso. In Alpnach sei es «angenehm und alles sauber», allerdings habe er dies zuerst auch in Chiasso so erlebt. «Aber die Toiletten waren mit der Zeit nicht mehr so angenehm, weil nicht alle Bewohner dieselbe Vorstellung von Sauberkeit haben.» Er hofft, dass er in der Schweiz bleiben kann und vielleicht irgendeinmal seine Freundin und sein Kind wiedersehen wird. «Nach Pakistan gehe ich auf keinen Fall zurück.»

Zu Hause «keine Sicherheit»

Auch sein Landsmann Hamza Gheni (24) kann sich eine Rückkehr nicht vorstellen. «In meinem Land gibt es keine Sicherheit. Bei euch braucht man sich nicht zu fürchten», sagt der Mann, der seit 20 Tagen in der Schweiz ist. Zuvor war er mit seinem Kollegen Ali Naveed (30) in einem Asylcamp in Ungarn. «Jeden Tag Auseinandersetzungen» «Das war ein riesengrosses Lager. 2500 Leute verschiedener Nationalitäten sind dort untergebracht», sagt er, und Ali ergänzt: «Dort gab es jeden Tag Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen. Araber, Leute aus Afrika, dem Kosovo, Iraner und aus Afghanistan, alle waren durchmischt. Eines Tages wurde einer umgebracht, man lebte eigentlich in ständiger Angst.»

Die Unterkunft in Alpnach sei kein Vergleich dagegen. Allein dass sie drei Mahlzeiten im Tag erhielten, sei schon wie im Paradies, sagen die Männer. In Ungarn habe man am Abend nichts mehr bekommen. Und auch die Betreuung sei unvergleichlich. «Die Sicherheitsleute und die anderen Menschen in der Unterkunft sind alle sehr freundlich mit uns. Sie fragen nach, wie wir uns fühlen. Das war in Chiasso auch so, aber in Ungarn interessierte das niemanden.»

Frau und Kinder wiedersehen

Auch diese beiden Männer wollen auf keinen Fall zurück in ihre Heimat. «Es ist mein grösster Wunsch, hier zu bleiben und meine Frau und meine zwei Kinder wiederzusehen», sagt Hamza. Wie er das anstellen will, wisse er nicht. Denn nach Pakistan zurück, um sie zu holen, könne er nicht. «Es gibt einige Leute, die mich töten werden, wenn ich zurück bin», sagt er mit ausdruckslosen Augen. Ein Lichtblick für die Männer ist der nächste Freitag. Dann würden sie mit dem Zug nach Zürich fahren, wo ein Freund von Hamza wohnt. «Er lebt und arbeitet seit 16 Jahren in der Schweiz.» Die drei Männer haben hier in Alpnach keine Probleme. Dass sie ihr Zimmer mit derzeit zwölf fremden Leuten teilen müssen – und es demnächst wohl noch mehr sind –, oder dass die Toiletten vielleicht nicht so sauber bleiben, wie sie sie am ersten Tag angetroffen haben, darüber denken sie nicht einmal nach. Sie möchten nur friedlich leben und ihre Familien wiedersehen.

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