ALPNACH: Bald lädt der Tüftelpark die kleinen Erfinder ein

Was tun gegen den Fachkräftemangel? Im Micro-Park Pilatus in Alpnach öffnet im März ein Tüftelpark seine Türen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche für handwerkliche Berufe zu begeistern.

Adrian Venetz
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Arbeiten mit dem Lötkolben – bald möglich im Tüftelpark in Alpnach. Symbolbild: Pius Amrein

Arbeiten mit dem Lötkolben – bald möglich im Tüftelpark in Alpnach. Symbolbild: Pius Amrein

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Noch stehen die Räume etwas leer und verlassen da, bald aber soll hier Leben einkehren. Im dritten Stock des Micro­-Parks Pilatus an der Industriestrasse in Alpnach entsteht ein Tüftelpark für Kinder und Jugendliche. Jeweils am Mittwochnachmittag und am Samstag können Schülerinnen und Schüler hier unter fachkundiger Anleitung und Aufsicht experimentieren, hämmern, nähen, schleifen, schrauben, bohren, löten – was das Herz begehrt. Am Mittwoch, 8. März, soll es mit dem Tüfteln losgehen.

«Es geht darum, die Freude an der Technik zu wecken», sagt Emmanuel Hofer, Geschäftsleiter des Micro-Parks Pilatus und des Tüftelparks. Die Initiative da­zu kam von der Obwaldner Unternehmerin Christiane Leister. Beim Verein Micro-Park Pilatus stiess sie auf offene Ohren. So wur­de im Dezember der Trägerverein Tüftelpark Pilatus gegründet.

Junges Team und pensionierte Helfer

Die Idee ist nicht neu: In der Schweiz – zum Beispiel auch in Luzern und Zug – gibt es bereits solche Werkstätten, in denen Kinder nach Lust und Laune tüfteln können. «In vielen Branchen hat man Mühe, Nachwuchs zu finden», erklärt Hofer das Engagement. «Mit dem Tüftelpark wollen wir das Interesse an handwerklichen und technischen Berufen fördern.» Auch im kantonalen Umsetzungsprogramm zur Neuen Regionalpolitik (NRP) werden der Fachkräftemangel und mögliche Lösungsansätze zum Thema gemacht. Entsprechend stiess die Idee auch beim Kanton auf Gehör. Bei der Suche nach einer operativen Leitung für den Tüftelpark wurde man im gleichen Haus fündig. Das Start-up-Unternehmen 2point engineering GmbH wird diese Aufgabe übernehmen. Der gelernte Polymechaniker und Ingenieur Samuel Friedrich wird mit seinem Team jeweils mittwochs und samstags die tüftelnden Kinder unter ihre Fittiche nehmen. Unterstützt werden sie dabei von ehrenamtlichen Helfern – etwa von pensionierten Elektrikern und Mechanikern. «Die Kinder sollen aber möglichst selbstständig arbeiten und ihre eigenen Wünsche einbringen können», sagt Samuel Friedrich. «Wir schreiben ihnen nicht vor, was sie zu tun haben. Wir unterstützen sie bei der Umsetzung ihrer Ideen.» Geplant ist, dass die Kinder in einem kurzen Einführungskurs die Grundregeln des Tüftelparks kennen lernen – dann kann es bereits losgehen. Neben dem «freien Tüfteln» werden jährlich auch Kurse angeboten, die 1 bis 2 Tage dauern.

Der Tüftelpark – dies betonen Samuel Friedrich und ­Emmanuel Hofer explizit – soll nicht nur Buben anlocken. Natürlich sei man sich bewusst, dass das technische und mechanische Handwerk traditionellerweise eher «typisch» männliche Interessen anspreche. Angedacht ist deshalb, dass man bestimmte Kurse oder Thementage nur für Mädchen organisiert. Ein starres Programm mit fix vorgegebenen Themenbereichen gibt es im Tüftelpark nicht. Wie gross wird das Interesse am Tüftelpark sein? Welche Themen interessieren die Kinder am meisten? Welche Werkbänke oder Geräte sind besonders beliebt? «Antworten auf solche Fragen werden wir erst mit der Zeit herausfinden. Wir wollen flexibel darauf reagieren können», erklärt Samuel Friedrich.

Und das Beste an der ganzen Geschichte: Der Tüftelpark steht den Kindern kostenlos zur Verfügung. «Während der Öffnungszeiten kann man kommen und gehen, wann man will», so Friedrich. Geplant ist lediglich, dass sich die Kinder beziehungsweise deren Eltern an den Kosten fürs Verbrauchmaterial beteiligen.

Hinweis

www.tueftelpark-pilatus.ch

 

Mit Schulen zusammenarbeiten

Idee Den Tüftelpark zum Leben erweckt haben vier Personen, die eng mit dem Verein Micro-Park Pilatus verbunden sind: Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker, OKB-Direktor Bruno Thürig, Christiane Leister, Inhaberin und Verwaltungsratspräsidentin der Leister AG, sowie Emmanuel Hofer, Unternehmer und Micro-Park-Geschäftsleiter. Präsident des Vereins Tüftelpark Pilatus ist der Sachsler Unternehmer Jost Ettlin. Somit wird er neben dem Micro-Park auch den Tüftelpark als Präsident führen.

Finanzierung für vier Jahre gesichert

«Wichtig ist uns eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Unternehmen», sagt Emmanuel Hofer. Die Finanzierung ist für vier Jahre gesichert. Man rechnet mit jährlichen Ausgaben von gut 150000 Franken. Verschiedene Förderbeiträge von Unternehmen und Stiftungen speisen die Kasse des Tüftelparks. Auch der Kanton beteiligt sich mit NRP-Beiträgen. Namhafte Beiträge kommen von der Leister-Stiftung und der Breisacher-Stiftung. Die zwei Räume mit insgesamt 110 Quadratmetern werden vom Micro-Park kostenlos zur Verfügung gestellt. (ve)