ALPNACH: Das einst verpönte Alphorn ist «voll im Trend»

Alphorn- und Büchelklänge, Jodelgesang sowie einen überraschenden Auftritt ganz junger Musiker erlebten die Besucher am Sonntagnachmittag in der katholischen Kirche in Alpnach.

Birgit Scheideggerredaktion@obwaldnerzeitung.ch
Drucken
Teilen
Das Alphorntrio Bärgmandli – diesmal mit Koni Häcki, Hans und Daniel Scheuber (von links). (Bild: Birgit Scheidegger (Alpnach, 6. November 2016))

Das Alphorntrio Bärgmandli – diesmal mit Koni Häcki, Hans und Daniel Scheuber (von links). (Bild: Birgit Scheidegger (Alpnach, 6. November 2016))

Die Unterwaldner Alphornbläservereinigung hatte für ihr Konzert ein facettenreiches Programm zusammengestellt. Bereits der erste Vortrag mit dem Auftritt von 24 Alphörnern war ein musikalisches Highlight und begeisterte vor allem durch den perfekten Klang in der grossen Kirche. Auffällig war auch, dass die Vereinigung sehr viele junge Bläser in ihren Reihen hat. «Das Alphorn war früher verpönt, heute liegt es auch bei den Jungen voll im Trend und lebt wieder auf», erklärte Vorstandsmitglied Jolanda Murer. «Es ist Musik, die von Herzen kommt und mit der Heimat verwurzelt ist.»

Mit zehn Jahren bereits komponiert

Das erklärt auch, warum die Vereinigung keinerlei Nachwuchsprobleme hat. Ganz im Gegenteil. «Alphorn ist zwar ein schwieriges Instrument, aber wir zeigen dem Nachwuchs spielerisch die richtige Atemtechnik, sodass er Freude am Spiel hat», betont Präsident Hans Scheuber. «Wenn man die jungen Spieler richtig abholt, dann bleiben sie auch.» Seine Söhne Pirmin und Daniel begannen mit ihrem Spiel bereits im Alter von acht und neun Jahren und komponierten als Zehnjährige ihr erstes Alphornstück. Mit ihrem Vater treten sie regelmässig als Alphorntrio Bärgmandli auf.

Am Sonntag kamen die Besucher in den Genuss der «Scho­rieder Älplerchilbi» aus der Feder der Gebrüder. Wie erfolgreich der Nachwuchs ist, zeigte sich auch beim Auftritt des Alphorntrios Bergkristall, das sich aus Pascal Barmettler, Sandro Christen und Jonas Wolfisberg zusammensetzt. Die drei 17- bis 19-Jährigen gewannen 2014 den Prix Walo in der Sparte Volksmusik. «In unserer Vereinigung sind die drei die jüngsten Spieler», sagt Hans Scheuber. Was die Älteren an Erfahrung einbringen, wird von den jüngeren Bläsern als ­frischer Wind umgesetzt.

Dass das Alphorn nicht nur in der Natur einmalig klingt, sondern auch in einer Kirche, zeigten die diversen Auftritte am Sonntag. Die Töne perlten bis in die letzten Reihen, und es war ein Genuss zuzuhören. Doch nicht nur die Ohren wurden verwöhnt. Die Fahnenschwinger zeigten gekonnt und für einmal ohne Einfluss von störendem Wind ihre Kunst. Beeindruckend war auch der Auftritt der Solojodlerin Bernadette Müller-Frunz mit Alphornbegleitung von André Mathis. Noch einen Tick schwieriger als das lange Horn ist die Technik des Büchels, bekannt vor allem in der Zentralschweiz.

Nachwuchsgäste auch im Gesangsbereich

Am Sonntag war das Trio Astelhorn mit der Komposition «Bock- und Seitensprünge» von Hermann Studer zu hören. Doch nicht nur das Alphorn gehört in die Sparte Volksmusik. Als weitere Gäste hatte die Unterwaldner Alphornbläservereinigung das Tschiferli-Cheerli sowie eine Nachwuchsformation der Musikschule Giswil-Lungern eingeladen. Das 1993 als Hobbychörli Bärgfriedä von acht Frauen der Bäuerinnenschule Giswil gegründete Tschiferli-Cheerli ist bekannt durch glockenreine Gesänge und Juize. In Alpnach war unter anderem der «Bätruef-­Juiz» ein Ohrengenuss.

Auch ein Höhepunkt war der Auftritt der Nachwuchsformation von Peter Berchtold. Beim Stück «Dini Seel ä chli la bambälä lah» konnten sich die Besucher sprichwörtlich zurücklehnen und musikalisch verwöhnen lassen. Die vier jungen Schwyzer- und Handörgeler zwischen 10 und 14 Jahren, Schüler der Musikschule Giswil-Lungern, zeigten mit Lehrer Peter Berchtold ein sauberes und fehlerfreies Spiel. Und wie bei der Unterwaldner Alphornbläservereinigung zeigte sich, dass der Nachwuchs Freude an der Volksmusik hat. Abgeschlossen wurde das wunderbare Konzert am Sonntag mit dem Auftritt von 24 Alphornbläsern und -bläserinnen, die noch einmal die Kirche mit dem Hörnerklang füllten.

Birgit Scheidegger