ALPNACH: Die Felsen-Katze der Luzerner Soldaten wird aufgefrischt

Beim Renggpass wurden im Zweiten Weltkrieg Festungen für militärische Zwecke errichtet. Die Kenn­zeichen auf den Felsen werden nun restauriert.

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Kennzeichnung im Fels: Hier war ein Luzerner HD-Baudetachement am Werk (HD steht für «Hilfsdienst»). (Bild: pd)

Kennzeichnung im Fels: Hier war ein Luzerner HD-Baudetachement am Werk (HD steht für «Hilfsdienst»). (Bild: pd)

In Pilatusnähe liegt auf dem Lopper der Bergsattel Rengg auf einer Höhe von 886 Metern über Meer, einst ein vielbegangener Passübergang von Luzern und Nidwalden nach Obwalden. Vor dem Bau der Seestrasse im Jahr 1861 entlang dem Lopper war dieser alte Römerweg die einzige Landverbindung mit dem Brünig. Gleichzeitig war der Renggpass für die Obwaldner das Tor zum Mittelland. «Deshalb hatte der Renggpass strategische Bedeutung und war mit einer Letzi- und Brustwehrmauer befestigt», erklärt der Alpnacher Oberst Bruno Bommeli, ehemaliger Kommandant der Festungszone 2. «Die Mauer dürfte zwischen ausgehendem 13. und beginnendem 15. Jahrhundert errichtet worden sein. Die Letzi hatte eine Länge von rund 250 Metern. Die heute zerfallenen Trockenmauern waren wohl nicht über einen Meter hoch.»

Früher in Geheimhaltung

Zwischen 1940 und 1942 erstellte die Armee im südlichen Aufstieg zum Renggpass fünf Felsunterstände. Dazu Oberst Bommeli: «Dank den heute teilweise noch vorhandenen Truppenzeichen und Kantonswappen kann auf die Erbauer geschlossen werden. Die Unterstände waren ohne Türen und Ausrüstung. Mit einer einzigen Ausnahme wurden die Anlagen per 30. Juni 1986 aufgehoben und damit der Geheimhaltung nicht mehr unterstellt.»

Erinnerung an den Aktivdienst

Im Anstieg zum Renggpass von Alpnach nach Hergiswil wurde von Luzerner Truppen eine grosse, mit dem Schweizerkreuz und den Farben des Kantons Luzern versehene Katze in den Kalkfels gehauen, um zu zeigen, wer an dieser Stelle Aktivdienst geleistet hat. Es war üblich, dass die bauende Truppe auf der Felswand ihre Kennzeichen festhielt. Die Katze ist das Symbol der «Katzenstrecker», wie die Luzerner bis heute bezeichnet werden. Die Truppe wollte ihre Herkunft damit dokumentieren.

Kälte und Wasser

Nicht nur die Luzerner haben an dieser Stelle ihre Zeichen hinterlassen, auch Aktivdienstleistende aus den Kantonen Bern, Tessin, Ob- und Nidwalden haben sich mit den Kantonswappen im Fels des Renggpasses verewigt, wie Bruno Bommeli zu berichten weiss. «Durch das Wasser, das bei nasser Witterung über den Felskopf fliesst, wurde eine Kalk-Sinterschicht auf die Felszeichen getragen, so dass sie je länger je mehr unkenntlich wurden.» Aber auch die Kälte habe am Stein genagt: So haben sich kleinere und grössere Stücke gelöst, insbesondere das Berner Wappen muss mit einem speziellen Kleber mit dem Felsen verbunden werden, damit es nicht durch die Witterung abgesprengt wird. «Die aufgetragenen mineralischen Farben haben mit der Zeit ihre Leuchtkraft verloren und müssen neu aufgetragen werden. Damit diese Zeugen des ‹Reduits› erhalten werden können, bedürfen sie dringend einer fachmännischen Restaurierung», führt Oberst Bommeli aus.

Kosten: 14 000 Franken

Für die Restaurierung der «Katze» und der anderen verschiedenen Wappen und Inschriften konnte ein bekannter und in Fachkreisen ausgewiesener Restaurator verpflichtet werden. Es handelt sich um René Egert, der ein Restaurierungsatelier in Domat/Ems betreibt. Die diesbezüglichen Kosten werden mit rund 14 000 Franken ausgewiesen. Die Finanzierung erfolgt durch eine Sammelaktion bei verschiedenen Organisationen, Körperschaften und privaten Spendern.

Bei den Arbeiten geht es um das Reinigen des Felsens, das Entfernen der Kalksinterschichten, das Freilegen und Reinigen der Katze, der Wappen und der Inschriften sowie das Retuschieren der Farbtöne nach dem Original mit Mineralfarben.

Aller Voraussicht nach werden diese Arbeiten Anfang Juni aufgenommen werden. Sie werden rund drei Wochen dauern, und dann werden die Symbole auf dem Felsen in neuem Glanz erstrahlen.

Markus Villiger

Hinweis

Routenbeschreibung Renggpass Start: Kieswerk Niderstad, Ziel: Bahnhof Hergiswil. Marschzeit: gut 2 Stunden. Distanz: 4,730 km. Aufstieg: 454 m, Abstieg: 442 m.