ALPNACH: Die Sarneraa wird zehn Meter breiter

Ohne Hochwasserschutz unterhalb des Wichelsees kann der Entlastungsstollen nicht in Betrieb genommen werden. Die Etschistrasse wird bergwärts verschoben und die Sarneraa massiv verbreitert.

Markus von Rotz
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Die rote Eichibrücke bleibt bestehen, die Sarneraa wird darunter abgesenkt und davor verbreitert. Die Etschistrasse (Bildmitte unten) wird nach dem Abschluss der Bauarbeiten im Bereich des Wichelsee-Wehrs abgerissen. (Bild: Markus von Rotz/OW)

Die rote Eichibrücke bleibt bestehen, die Sarneraa wird darunter abgesenkt und davor verbreitert. Die Etschistrasse (Bildmitte unten) wird nach dem Abschluss der Bauarbeiten im Bereich des Wichelsee-Wehrs abgerissen. (Bild: Markus von Rotz/OW)

Etwas im Schatten der grossen Aufmerksamkeit für das Hochwasserschutzprojekt zwischen Sarner- und Wichelsee wird das Anschlussprojekt bis zum Alpnachersee geplant. Im Anschluss an die jüngste Gemeindeversammlung in Alpnach vergangene Woche orientierten die Verantwortlichen über die hier geplanten Massnahmen. Die Pläne dafür sollen 2018 öffentlich aufgelegt werden, für Frühling 2019 ist der Baubeginn geplant.

Ein Kernstück des Projekts ist die Umgebung der ARA mit der nahen Eichibrücke. In Flussrichtung vor der ARA sind linksufrig für den Hochwasserfall ein überströmbarer Damm und ein Entlastungskorridor für den Flugplatz geplant. Unterhalb der ARA soll das Wasser gezielt wieder in die Sarneraa zurückgeführt werden. «Das braucht Platz», sagte Projektleiter Christoph Rüedlinger an der Orientierung. Der frühere Mitarbeiter des kantonalen Baudepartements (2010 bis 2014) arbeitet heute bei Basler & Hofmann Innerschweiz AG an diesem Teilprojekt. Er übernahm das Projekt, nachdem der Kantonsrat beschlossen hatte, die Federführung für diesen Abschnitt statt der Gemeinde auch dem Kanton zu übertragen.

Wenig Landverlust dank Wegfall der Etschistrasse

Den nötigen Platz bei der ARA will man schaffen, indem die heutige rechtsufrige Etschi­strasse von der Eichibrücke bis zum Stauwehr des Wichelsees aufgehoben wird. «Dadurch können wir die Sarneraa von 15 auf 25 Meter verbreitern. Weil wir das gegen den Hang hin machen, können wir den Kulturlandverlust minimieren», sagte Rüedlinger weiter.

Die Etschistrasse dient vorerst noch als Baustellenzufahrt. Ihr Ersatz aber wird schon im Herbst 2017 gebaut. Die neue Strecke zweigt von der Polenstrasse zwischen Alpnach und Kerns ab und führt durch den Wald zum Auslaufwerk beim Wichelsee. Ins Trassee der neuen Strasse sollen auch die Leitungen des Elektrizitätswerks Obwalden hochwassersicher verlegt werden und können so «optimale Versorgungssicherheit bereits während des Stollenbaus» sicherstellen.

Die Massnahmen rund um die ARA sind nötig, um den Stollen nutzen zu können. Dieser wird, wenn er in Betrieb ist, die Sarneraa bis zur ARA stärker als bisher belasten und würde für Alpnach eine Gefahr darstellen. «Das Naturreservat des Vereins Sika Sarnafil wird im Lauf der Zeit verschwinden beziehungsweise durch die Sarneraa eingenommen», sagt Roland Christen, Leiter Amt für Wald und Landschaft, auf Anfrage. Die Eidgenössische Heimatschutzkommission habe verlangt, «dass das rechte Ufer der Sarneraa und explizit die Flächen des Naturreservats der natürlichen Dynamik überlassen werden». Die 2010 erstellte Eichibrücke wird laut Christen im heutigen Zustand belassen. Die Sarneraa wird dort um 1,1 Meter abgesenkt. Auch die ARA wird als «unverrückbare harte Randbedingung» betrachtet und gegen Hochwasser geschützt.

Heute nicht mehr bewilligungsfähig

Das ganze Projekt war schon 2010 öffentlich aufgelegen. Mehrere Einsprachen verzögerten es, und durch die 2011 geänderte Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes mit neuen Anforderungen an Gewässerräume wäre es laut Rüedlinger heute «nicht mehr bewilligungsfähig und auch nicht subventionierbar».

Der Abschnitt Wichel- bis Alpnachersee besteht aus zwei Teilen. Jener vom Wichelsee bis zur Wasserrückführung des Kraftwerks Sarneraa umfasst die Massnahmen bei der ARA und unterhalb dieser einen Arealschutz für die Kavernen der Armasuisse sowie den Objektschutz der Flugplatzgebäude. Hier sind auch Ufersicherungen nötig. Die Fortsetzung – Projektteil zwei – bis zum Alpnachersee ist nicht mehr ein Hochwasser-, sondern ein Revitalisierungsprojekt. Dieses wird erst nach 2025, also nach Abschluss des Stollenbaus und der Massnahmen an der Sarneraa, in Angriff genommen.

Hinweis

Seit 17. November liegen die Hochwasserschutzprojekte fürs Sarneraatal bei den entsprechenden Standortgemeinden für einen Monat öffentlich auf.

Markus von Rotz