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ALPNACH: Ein Cowboy, der Angst vor Kühen hatte

Aus dem Auto­lackierer, Cowboy und Schneesportlehrer Christian Odermatt ist diesen Sommer ein Älpler geworden. Der 29-Jährige ist für 100 Tiere verantwortlich.
Christian Odermatt ist derzeit Älpler auf der Alp Älggäu. (Bild: PD)

Christian Odermatt ist derzeit Älpler auf der Alp Älggäu. (Bild: PD)

Es ist kurz nach Mittag auf Älggäu, einer Alp der Korporation Alpnach auf 1574 m ü. M. im Schlierental. Der gebürtige Alpnacher Christian Odermatt kann sich bei einem Kaffee eine kurze Auszeit nehmen von seinem sonst strengen Tagwerk als Älpler. Am einfachen Tisch vor der Hütte berichtet er über sein bisheriges Leben und seine neue Aufgabe in diesem Sommer. Er muss als Alleinälpler von Juni bis gegen Ende September besorgt sein, dass es den rund 95 Rindern, 5 Galtkühen und 2 Pferden – vorerst auf der Alp Schoni und ab Anfang Juli auf Älggäu – gut geht. Das Vieh ist ihm von 13 Bauern aus Obwalden, Nidwalden und dem Aargau anvertraut worden, angestellt ist der junge Mann von der Korporation Alpnach. Sein Chef, der ihn während des Alpsommers mit Rat und Tat unterstützt, ist Alpmeister Simon Niederberger. Und zur Seite steht Christian Odermatt auch seine treue Hündin Anouschka.

«Mordsangst» vor dem Vieh

Der 29-jährige Christian Odermatt kann auf bewegte und interessante Lebensabschnitte zurückblicken. Er hat nach einer kaufmännischen Ausbildung Autolackierer gelernt und diese Berufsausbildung 2007 abgeschlossen. Als sehr guter Skifahrer hat es ihn auch immer wieder auf die Frutt gezogen, wo er bisher während insgesamt acht Wintersaisons als Schneesportlehrer tätig war.

Im Sommer 2008 ergriff ihn das Fernweh, und er reiste in die kanadische Provinz British Columbia, wo er auf einer Ranch erstmals Cowboy-Luft schnupperte. «Das Leben eines Cowboys hat mich seit jeher fasziniert», berichtet Christian Odermatt. «Ich wollte unbedingt einmal selber ein richtiger Cowboy sein.» In seiner Jugendzeit wäre allerdings ein Hindernis für diesen Beruf zu hoch gewesen: «Ich hatte als Kind aus irgendwelchen Gründen eine Mordsangst vor Kühen und Rindern, die ich erst im Alter von 16 Jahren an einer Viehschau ablegen konnte», blickt Odermatt zurück.

12 000 Rinder und Kühe

In British Columbia hatte ihn das Cowboy-Fieber endgültig gepackt. Es zog ihn weiter in die US-Staaten Montana und Oregon, wo er von 2009 bis 2012 jeweils im Sommer das Cowboy-Handwerk erlernte, von morgens früh bis abends spät im Sattel sass und im Team die riesigen Herden betreute. «So arbeitete ich in Oregon auf einer Ranch, die 600 000 Hektaren gross war und auf der 12 000 Kühe und Rinder weideten.»

Chris, wie er auf der Ranch gerufen wurde, hatte die Staaten Montana und Oregon gewählt, weil dort eher der kalifornische Cowyboy-Stil gelebt wird, im Gegensatz zum Texas Style. «In Texas muss alles hart und schnell gehen», berichtet Odermatt, «und das betrifft auch die Art, wie man mit den Kühen, Rindern oder Pferden umgeht.» Der kalifornische Stil sei sanfter, von der spanischen Lebensart geprägt. Man habe mehr Geduld mit den Tieren und arbeite nach dem Motto: «Wenn wir heute nicht fertig werden, machen wir morgen weiter.»

Und den Revolver, gabs den nur im Wilden Westen? «Nein», antwortet Chris, «die Cowboys tragen oft einen Revolver, und zwar einerseits als Selbstschutz vor wilden Tieren wie Bären, Wölfen oder Bergpumas im Weidegebiet und vor allem in den Wäldern. Andererseits muss ein Cowboy auch für Notschlachtungen ausgerüstet sein.» Reich werde man als Cowboy nicht, erzählt er weiter, «doch die paar Dollars kann man fast alle auf die Seite legen, weil es wenig Gelegenheit gibt, sie auszugeben.»

Wieder in die USA zurück?

Als Cowboy brachte Christian Odermatt natürlich gute Voraussetzungen mit, sich als Älpler bei der Korporation Alpnach zu bewerben. Heute kann er die Arbeit auf der Ranch und auf der Alp vergleichen: «Das Leben als Cowboy ist härter, vor allem auch wegen der sehr langen Präsenzzeiten bei den grossen Herden mit Schlafen im Freien usw.» Aber auch das Leben auf der Alp fordert ihn, «denn ich will die Arbeit gut machen. Und mein Leitspruch ist», so fährt er fort, «geht es den Tieren gut, geht es auch mir gut!»

Christian Odermatts Zukunftspläne sind noch nicht gemacht: Zurück zum Beruf des Autolackierers oder wie in den vergangenen Jahren viele interessante Tätigkeiten kombiniert? – «Alles ist offen», antwortet er. Und vielleicht hat auch seine Freundin noch ein Wort mitzureden. Wer weiss?

In unserer Sommerserie «Meine Alp» stellen wir in loser Folge Älpler oder Alpen mit einem besonderen Hintergrund vor. Alle Folgen finden Sie unter

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