ALPNACH: Eine Krippe auf einem besonderen Platz

Jedes Jahr wieder steht eine sehr spezielle Krippe auf der Piazzetta dei Emigranti am Fussweg zum Steinbruch Guber. Wo heute Maria, Josef und ein Hirt aufs Christkind aufpassen, lebten früher Arbeiter, vorwiegend aus Norditalien.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Die Krippe auf dem Einwanderer-Platz am Guber-Hang. (Bild: Markus von Rotz (Alpnach, 18. Dezember 2016))

Die Krippe auf dem Einwanderer-Platz am Guber-Hang. (Bild: Markus von Rotz (Alpnach, 18. Dezember 2016))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@luzernerzeitung.ch

Vielleicht waren die Häuser einfach, manche nannten sie auch «Baracken». Für die Guber-Leute war es die Heimat. Von der Eröffnung des Steinbruchs Guber bis in die Zwanzigerjahre wurden dort Doppelhäuser gebaut für sicher 200 Arbeiter und Saisonniers. «Meine Grosseltern und meine Eltern wohnten da», erzählt Remo Gesiot. Seine Grosseltern stammten aus Belluno aus der italienischen Region Venetien. 1975 wurden die Häuser abgerissen.

Die «Piazzetta dei Emigranti» (Platz der Einwanderer) erinnert heute noch an diese Zeit. 2003 setzten die Amici vom Guber zusammen mit dem Zivilschutz den nicht mehr begehbaren Wanderweg auf den Guber in Stand. Der «Sentiero dei Cavatori» (Steinbrecherweg) war, bis die Strasse 1949 gebaut wurde, der Zugang zum Steinbruch. Sie errichteten einen Grillplatz mit Überdachung, wo damals die Häuser standen. Zurzeit halten an diesem Platz drei hölzerne Gestalten Krippenwache: Maria, Josef und ein Hirt. Geschnitzt hat sie Remo Gesiot «mit der Motorsäge aus Holzträmeln aus der Umgebung», wie der 69-Jährige schmunzelnd erzählt.

«Da kommt ein bisschen Nostalgie auf»

Seit neun Jahren richten die Guber-Amici rechtzeitig zum Advent die Krippe, schmücken sie mit Tannenästen, geben dem Jesuskindlein Heu in die Krippe. «Ja, der Platz bedeutet uns etwas», bekennt Remo Gesiot stellvertretend für die andern. «Da kommt ein bisschen Nostalgie auf.» Zwar sei er selbst viel später auf die Welt gekommen und habe damals nicht in einem solchen Haus gewohnt, wohl aber ganz oben auf dem Guber unter sehr einfachen Bedingungen. Strom gab es, fliessend Wasser aber nur in der Küche. «Das ganze Leben hat sich in dem einen Raum abgespielt», erzählt er. Man habe dort gekocht und sich gewaschen.

Zu Weihnachten war es damals regelmässig ruhig. «Die Saisonniers waren fort und kamen erst mit den Schlüsselblumen wieder zurück», erzählt er. Von Alpnach Dorf aus habe man die Guber-Gemeinschaft offensichtlich besonders eindrücklich wahrgenommen, wenn sich eine Lichterkarawane den Berg hinabbewegte zur Mitternachtsmette an Heiligabend unten im Dorf. «Eine halbe oder drei viertel Stunde runter und eine wieder hoch.»

Weihnachten wurde dann am nächsten Tag in den Familien gefeiert – natürlich mit gutem Essen und einem Christbaum wie heute. Nicht fehlen durfte auf dem Tisch die Polenta und ein feiner Braten – entweder selbst gezüchteter Hase oder Poulet aus dem eigenen Stall. «In jeder Stube gab es selbst geschnitzte Krippen, geschmückt mit Wurzeln und dem, was man eben hatte», erinnert sich der gebürtige Alpnacher.

Nach der Arbeit eine Runde Boccia und ein Glas Roten

Ja, manchmal wünschte er sich, er könnte diese Zeit heute noch den Jungen zeigen – «wenigstens mal für einen Tag», findet Remo Gesiot. Mit einigen «Amici» geht er sicher einige Male hoch zur Piazzetta. Man räumt zusammen auf, richtet Holz für die Allgemeinheit zum Grillieren und spricht im eigenen Dialekt. Nach der Arbeit gibt es eine Runde Boccia und ein Glas Roten. Und dazu sicher manche Anekdote von früher.

Hinweis

Die Piazzetta dei Emigranti liegt in Alpnach in etwa auf halbem Weg zwischen Schoried und dem Steinbruch Guber. Man erreicht den Platz in einer guten halben Stunde ab Schoried, erst auf der Strasse, und dann geht es dem Wanderwegweiser nach links in den Wald und via eine Hängebrücke über die Schliere. Nach einem kleinen Aufstieg durch den Wald steht man plötzlich auf dem Platz.