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ALPNACH: Geschichtenerzählerin Annie Infanger sorgt für «Frauenfondue» voller Sagen

Die Geschichtenerzählerin Annie Infanger hat Mystisches und Schauriges zum Anlass des Frauenforums Obwaldens gebracht. Die Sagen kamen beim Publikum ausserordentlich gut an.
Silvia Embacher
Die Engelbergerin Annie Infanger erzählt Sagen aus allen Teilen Obwaldens. (Bild: PD)

Die Engelbergerin Annie Infanger erzählt Sagen aus allen Teilen Obwaldens. (Bild: PD)

Silvia Embacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Mystische Klänge erfüllen den Saal, wenn Annie Infanger ihre Sagen erzählt. Mit ungewöhnlichen Instrumenten wie einer Sansula – ein mit Geissfell bespanntes Lamellophon – untermalte die Geschichtenerzählerin aus Engelberg ihren Vortrag und schaffte es, die Zuhörerinnen dabei in eine andere Welt zu versetzen.

Über 60 Frauen haben sich am vergangenen Sonntag im Landgasthof Schlüssel in Alpnach zum Frauenfondue «Fäden ziehen», das alljährlich vom Frauenforum Obwalden organisiert wird, eingefunden. Und sie waren begeistert von den Sagen, die Annie Infanger mit Leidenschaft und im Engelberger Dialekt erzählte. Sie tat dies frei, und ohne abzulesen. «Ich lerne die Sagen nicht auswendig, sondern versetze mich in die Geschichte, so als würde sie gerade passieren», erklärte die Engelbergerin ihre Technik.

Neun Sagen aus allen Teilen Obwaldens waren dabei. Erzählungen wie «der Küfer im Drachenloch», «dr Leychenzug» oder auch «Frau am Pfäischtr», Letzteres eine Kunstsage von Dani Stückli, sind mal mahnend, mal schön, mal schaurig. «Die Menschen haben gerne Sagen», erzählt Infanger. «Bei den Märchen haben viele das Gefühl, es sei alles gelogen. Sagen dagegen haben nicht immer ein gutes, märchenhaftes Ende, dafür starten sie oft mit einer wahren Begebenheit. Man bekommt einen Eindruck, wie es früher etwa gewesen sein könnte.» So erzählt «Wo tüä näh hii», eine Sage, die sowohl aus Kerns als auch aus Sachseln bekannt ist, von Grenzsteinen, die versetzt worden sind, um das eigene Land zu vergrössern.

Anregung der Fantasie

Die Begeisterung für Geschichten fesselte Infanger schon als Kind. Damals hatte sie jeweils einem Auslandschweizer, der bei ihnen auf der Alp im Sommer aushalf, beim Erzählen zugehört. «Unerlaubterweise, ich hätte eigentlich im Bett sein müssen», meinte Annie Infanger schmunzelnd. «Und es waren heftige Geschichten, nichts für Kinder.»

Spontan Erzählerin geworden

Die Liebe zum Schaurigen ist ihr geblieben. Ihren Kindern hatte sie später jeden Abend eine Geschichte erzählt und empfahl dies auch den anwesenden Frauen, da es die Fantasie der Kinder anrege. Ihre Rolle als Erzählerin fand sie unverhofft: Als jemand krank ausfiel, sprang sie spontan ein und erzählt seitdem Schauriges und Schönes für Gross und Klein.

Dass die Frauen den Abend genossen haben, ist sich Veronika Wagner, Kantonsrätin aus Kerns und Mitorganisatorin des Anlasses, sicher: «Ein gemütlicher Geschichteabend ist ein guter Ausgleich zum sonst oft stressigen Alltag.» Die Kantonsrätinnen luden dieses Jahr zum Frauenfondue ein und offerierten zum Abschluss selbstgemachte Desserts. Danach wurden die Frauen mit einem «Guetnachtgschichtli» zum Thema Hoffnung von Annie Infanger auf den Heimweg geschickt. Ein passendes Ende für einen sagenhaften Abend.

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