ALPNACH: Handwerkliche Druckkunst lebt weiter

Verlag und Verlagszirkel von Martin Wallimann sind aufgelöst. Die handwerkliche Druckerei aber wird in seinem Sinn weiter­geführt.

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Von links: Charlie Lutz und Walter Wyrsch schauen sich mit Lukas Wallimann eine Druckplatte seines Vaters an. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Von links: Charlie Lutz und Walter Wyrsch schauen sich mit Lukas Wallimann eine Druckplatte seines Vaters an. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Romano Cuonz

Man spürte es: Walter Wyrsch Politiker und Freund von Martin Wallimann – fiel es schwer, nach dem kurzen Dasein des «Verlagszirkels Verlag Martin Wallimann» auch noch den letzten Akt zu vollziehen. Im Alpnacher Verlagsraum des vor einem Jahr verstorbenen Druckers und Verlegers stellte Wyrsch den Antrag, den Zirkel aufzulösen und das restliche Vermögen von 212 Franken der Obwaldner Kantonsbibliothek zu überweisen. Der Beschluss fiel dann einstimmig.

Lukas Wallimann: Gute Lösungen

«Die erste Generalversammlung, an der Martin Wallimann noch voll Hoffnungen dabei war, war ein schöner Anlass», erinnerte sich Wyrsch. Schon die zweite GV aber sei nach dem unfassbaren Tod Wallimanns nur noch traurig gewesen. Die dritte aber müsse nun dazu dienen, etwas abzuschliessen, was man sich ganz anders gedacht habe. Im letzten Vereinsjahr, so Wyrsch, habe man vor allem die Familie Wallimann begleitet und Projekte wie den literarischen Silvester, die schon am Laufen waren, unterstützt. «Die Arbeit im Verlagszirkel war sehr menschlich und kulturell bereichernd», bilanzierte Wyrsch.

Die letzte GV fand vor ausgeräumten Bücherregalen statt. Martin Wallimanns Sohn Lukas kam darauf zu sprechen. Er zeigte sich erleichtert darüber, dass nach der bereits zuvor erfolgten Auflösung des Verlags für Autorinnen und Autoren eine sehr gute Lösung gefunden werden konnte. «Auf den 1. Januar 2015 haben wir unsere gesamten Bestände an die ‹edition bücherlese› von Judith Kaufmann in Hitzkirch verkauft», eröffnete er. Selbst ein letzter, noch von Martin Wallimann vorbereiteter Lyrikband des Autors Hansjörg Schertenleib werde die neue Verlegerin übernehmen und realisieren. Beim Verkauf schon bestehender Bücher wird Judith Kaufmann die Honorarverpflichtungen übernehmen. Die Rechte an den Texten aber fallen an Autorinnen und Autoren zurück. Besonders freut sich Lukas Wallimann darüber, dass Martin Wallimanns Verlagsarchiv und die Dokumentation voraussichtlich im Literaturarchiv der Nationalbibliothek in Bern Aufnahme finden wird. «Das wäre wohl ganz im Sinn und Geist meines Vaters gewesen», sagte er.

Charlie Lutz: Druckerei neu beleben

«Es wäre jammerschade, wenn man nach dem Ableben von Martin Wallimann die hervorragenden grossen und kleinen Druckmaschinen einfach verschrotten und das Know-how und die Tradition des Meisters leichtfertig aufgeben würde», sagte der bekannte Obwaldner Künstler und Druckgrafiker Charlie Lutz. Einem solchen Szenario wolle eine kleine Projektgruppe von Künstlern mit dabei etwa Andrea Röthlin, Christian Kathriner, Christoph Amrhein, Heinz Anderhalden, Jo Achermann und Lukas Wallimann – Einhalt gebieten. «Unser Ziel ist es, die Tradition der handwerklichen Druck- und Buchkunst mit Elan und Leidenschaft weiter zu betreiben», stellt Lutz in Aussicht.

Man wolle in Alpnach ein kleines Zentrum der grafischen Künste ohne kommerzielle Absichten eröffnen. Ein Ort der Begegnung, an dem Kunst und Handwerk an Kunstschaffende, interessierte Leute und vor allem auch Schüler vermittelt würden. «Ganz im Sinn und Geist von Martin Wallimann», bekräftigte Lutz. Die Miete der Räumlichkeiten wird vorläufig für ein Jahr vom KunstTreff 13 übernommen. Weil in Alpnach schon bald wieder gedruckt werden soll, gehen Fachleute in den nächsten Tagen und Wochen daran, die Maschinen zu revidieren und für die Produktion neuer, feiner Editionen fit zu machen.

HINWEIS

Werkstatt Martin Wallimann, Alpnach. Interessierte können sich über die E-Mail-Adresse druck@werkstatt-mw.ch informieren. Website: www.werkstatt-mw.ch