Alpnach hofft auf ein Plus in drei Jahren

Das Budget rechnet für 2020 mit einer halben Million Franken Defizit. Am Sonntag wird darüber abgestimmt.

Markus von Rotz
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Am Wochenende befinden die Alpnacher Stimmberechtigten über das Budget für das nächste Jahr. Die SVP lehnt es ab, weil sie keinen Sparwillen erkennen kann. Die anderen Parteien sind für das Budget oder haben sich nicht öffentlich geäussert.

Der Gemeinderat geht von einem Minus von 466'000 Franken in der Laufenden Rechnung aus. Auch 2021 rechne man noch mit einem «relativ hohen Verlust», sagte Marcel Moser bei der Präsentation des Budgets an der letzten Gemeindeversammlung vorige Woche. Ab 2023/24 rechnet der Gemeinderat wieder mit einem ausgeglichenen Budget.

«Durchaus gesund» in Sachen Selbstfinanzierung

Ein Grund für das Minus in den nächsten Jahren sind die hohen Investitionen etwa in den Hochwasserschutz (siehe am Ende dieses Artikels), in Wasser- und Abwasserleitungen, in der Planung des Geissfuss-Steg-Ersatzes oder in den geplanten Kindergarten. Ferner müssen sich die Gemeinden nächstes Jahr neu, wie vom Volk gutgeheissen, an der Zahlung des Kantons in den Nationalen Finanzausgleich beteiligen. Das sind in den nächsten beiden Jahren gut 700'000 Franken, in den Folgejahren wird dieser Betrag aus heutiger Sicht allerdings «merklich» zurückgehen, wie Moser vorrechnete. In Sachen Selbstfinanzierung sei man allerdings «durchaus gesund», sagte Moser. Das Gesetz verlangt, dass eine Gemeinde über zehn Jahre 100 Prozent ihrer Mittel selber erwirtschaften kann. Seit 2017 sei man darüber, 2020 rechnet man mit 104 Prozent. Die Investitionen sollen sich 2020 auf brutto 5.9 und netto 4.3 Millionen Franken belaufen. Anderseits müsse die Gemeinde wegen der neuen kantonalen Praxis 400'000 Franken weniger abschreiben.

Steuerkraft dürfte nicht so schnell ansteigen

Finanzchef Marcel Moser. (Bild: Corinne Glanzmann)

Finanzchef Marcel Moser. (Bild: Corinne Glanzmann)

Ein Grundproblem der Alpnacher bleibt die eher tiefe Steuerkraft. Diese wird aus den in Rechnung gestellten Steuern pro Steuereinheit und Einwohner gemessen. «Wenn Sarnen 100 Franken von einem Steuerzahler einnimmt, sind es bei uns nur 56 Franken», sagte Moser. Das Steuersubstrat im Hauptort sei klar höher. «Und trotzdem kommen wir damit zurecht, müssen aber priorisieren», relativierte Moser, und betonte gleichzeitig:

«Leider ist weiter davon auszugehen, dass die Steuerkraft nicht im gewünschten Masse ansteigen wird.»

Gleichwohl erwartet der Gemeinderataufgrund der vom Volk beschlossenen Steuererhöhung und wegen des natürlichen Wachstums mit 0.9 Millionen Franken höheren Steuereinnahmen.

Moser betonte, Alpnach liege bei den Ausgaben für Verwaltung, Umwelt und Raumordnung sowie soziale Sicherheit im Schnitt aller Gemeinden, bei Bildung und Verkehr habe man gar unterdurchschnittliche Kosten. Über dem Schnitt lägen die Gesundheitskosten, die in Alpnach überproportional wachsen würden. So habe man in der jüngeren Vergangenheit über 115'000 Franken an Krankenkassenprämien von säumigen Schuldnern erfolglos betrieben. Die demografische Entwicklung, die nur moderaten steigenden Einnahmen, die steigenden Schülerzahlen und der stete Anstieg der pflegebedürftigen Personen würden der Gemeinde zu schaffen machen. Der Gemeinderat geht über die nächsten Jahre von einem moderaten Bevölkerungswachstum aus.

Millionenprojekt kommt auch an die Urne

Am 24. November wird auch über den Bruttokredit fürs Hochwasserprojekt Kleine Schliere abgestimmt. Darüber haben wir bereits ausführlich berichtet. Auch hier hat einzig die SVP ihre ablehnende Haltung kundgetan. Es geht um Gesamtkosten von 35 Millionen Franken, an die Alpnach zwischen 6 und 10 Millionen Franken bezahlen muss. Die SVP kritisiert die Kosten. Man müsse sich «ohne unnötigen Luxus» auf Beseitigung der Gefahren beschränken. Finanzchef Marcel Moser sagte an der Gemeindeversammlung bei der Vorstellung der Vorlage, bei einem Nein wären Planungskosten von über 3 Millionen Franken verloren, sämtliche Alternativen zum heutigen Projekt bräuchten mehr Platz, zudem müssten alle Arbeiten sofort gestoppt werden und könnten nicht zeitnah überarbeitet werden.