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ALPNACH: Maturaarbeit fasziniert selbst Touristen

Die neue «Dragon Ride» faszinierte Severin Wallimann. So sehr, dass der Maturand davon ein Modell baute. Mit beeindruckendem Ergebnis.
Severin Wallimann baute die Pilatus-Luftseilbahn «Dragon Ride» im Massstab 1:87 nach. (Bild: PD)

Severin Wallimann baute die Pilatus-Luftseilbahn «Dragon Ride» im Massstab 1:87 nach. (Bild: PD)

Matthias Piazza

Langsam fährt die neue Luftseilbahn mit der speziellen Kabine in die Bergstation auf Pilatus Kulm ein, bremst ab, kommt zum Stillstand. Die Rede ist aber nicht von der grossen Seilbahn, die seit Frühling 2015 Touristen und Einheimische von der Fräkmüntegg auf den Pilatus bringt, sondern von einem Modell. Im bekannten Massstab 1:87 baute der Alpnacher Severin Wallimann die «Dragon Ride» nach – inklusive Detailtreue und technische Finessen.

Es ist dies das Ergebnis seiner Maturaarbeit. Rund ein Jahr arbeitete er daran. Die Mühe zahlte sich mehrfach aus. Nicht nur, dass er dafür die Note sechs einheimste. Sein Modell steht seit kurzem in der Talstation Fräkmüntegg – publikumsträchtig neben dem Zugang zur Bahn.

Mit der «richtigen» Bahn auf Gipfel

Auf einem Gütertriebwagen gelangte die Anlage von Alpnachstad auf den Gipfel und von da mit dem grossen Vorbild zur Talstation. «Wir hatten die Anlage noch nicht mal richtig aufgebaut, zückten die Touristen schon ihre Kameras und Handys und machten Fotos. Das war wirklich ein tolles Gefühl, zu spüren, dass die Miniseilbahn auf so grosses Interesse stösst», erinnert sich Severin Wallimann an den grossen Tag Mitte Juni zurück.

Dass der 18-Jährige die Pilatus-Bahn nachbaute, kommt nicht von ungefähr. «Als Alpnacher bin ich mit dem Pilatus und seinen Bergbahnen aufgewachsen.» Sein Vater arbeitet als Betriebsleiter der Zahnradbahn. «Und so bin ich als Kind oft mehrmals am Tag mit den roten Triebwagen hoch- und runtergefahren.» Auch heute noch interessiere er sich für den Pilatus und seine Bahnen, aber auch für die Berge und ihre Bahnen im Allgemeinen.

Als die Pilatus-Bahnen im vorigen Jahr ihre brandneue Seilbahn mit der unverwechselbaren Kabinenform in Betrieb nahm, war für den Technik-Freak klar: Das wird seine Maturaarbeit. «Ich habe schon coole Bergbahnmodelle gesehen, aber noch keines wie den ‹Dragon Ride›».

Der Ehrgeiz packte ihn – erst recht, nach dem Besuch einer Sonderausstellung über Schweizer Bergbahnen. «Zahlreiche Modelle von Seil- und Zahnradbahnen liessen mein Herz höherschlagen. Mit dieser Projektarbeit erfüllte ich mir einen Traum.» Das Konzept überzeugte, es gab grünes Licht für die Umsetzung. Das war im Frühling 2015.

Kabinen aus dem 3-D-Drucker

Nach und nach wurde aus dem nackten Holzgerüst mit zwei Metern Länge und einem halben Meter Breite eine gebirgige Landschaft mit Felsvorsprung und Schlucht, eben so, wie in der Wirklichkeit. Aus dem Internet beschaffte er sich die Höhenkurven, welche er im Massstab 1:800 nachbildete – ein Kompromiss. Diese Landschaft in 1:87 nachzubauen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Die Anlage würde über 20 Meter lang werden», rechnet Severin Wallimann vor. Anderseits wären die Kabinen kaum mehr zu sehen, würde man sie 800-mal verkleinern.

Die nächste grosse Herausforderung liess nicht lange auf sich warten. Die Pilatus-Kabinen gabs nicht im Handel. Das Modell im Handel hatte zwei Titlis-Kabinen. Eigenbau war gefragt. Er beschaffte sich Originalpläne. Damit hatte er die Rohdaten, um an der Hochschule für Technik und Architektur Luzern in Horw auf einem 3-D-Drucker die beiden Kabinenhälften auszudrucken. Auch in einem weiteren wichtigen Punkt musste die Seilbahnanlage modifiziert werden – die Steuerung. Alles, was die Standardsteuerung regelt, ist der Richtungswechsel. «Das heisst, sobald die Bahn am Strom hängt, fährt sie rauf und runter, mit drei Sekunden Abstand dazwischen. Ich wollte aber, dass man einen Knopf drücken kann und die Bahn dann genau eine Fahrt ausführt», erklärt er. Kopfzerbrechen bereiteten ihm auch die Perrons. Die Kabine verlässt die Station, das Schiebeperron wird auf die andere Seite verschoben, sodass die andere Kabine einfahren kann.

Stunden vergingen wie im Flug

Er blickt auf nächtelanges Tüfteln mit seinem Onkel zurück, der ihm als Fachmann bei der Steuerung zur Seite stand. «Wenn wir dachten, wir seien kurz am Ziel, kam noch das eine oder andere dazu. Die Stunden vergingen wie im Flug.» Aufgeben oder beiseitelegen wie bei einem Hobby lag nicht drin. Der unerbittliche Zeitplan der Maturaarbeit hielt ihn auf Trab. Ein Vorteil, wie er findet.

«Ich würde mich jederzeit wieder für diese Arbeit entscheiden», blickt Severin Wallimann auf die anstrengende Zeit der Doppelbelastung zurück, denn die Schule lief ja parallel weiter. Es ging in den Maturaendspurt. Die Matura schloss er übrigens als Bester mit 5,46 ab.

Und die Faszination Pilatus lässt ihn nicht los. «Bis zur Rekrutenschule im Winter arbeite ich als Triebwagenführer bei der Zahnradbahn», erzählt er. Ebenso sicher ist jetzt schon, dass er sich nicht das letzte Mal mit Steuerungen beschäftigte. Er will an der ETH Maschinenbau-Ingenieur studieren.

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