ALPNACH: Nachbar vertreibt die probenden «Schränzer»

Seit Jahren proben die Städerschränzer beim Bahnhof. Auch am Sonntag. Das brachte ihnen eine Reklamation ein. Für ihren Präsidenten unverständlich.

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Städerschränzer bei einem Auftritt vor der Pfarrkirche Alpnach. (Bild: Markus von Rotz)

Städerschränzer bei einem Auftritt vor der Pfarrkirche Alpnach. (Bild: Markus von Rotz)

Matthias Piazza

Ein Besuch der Kantonspolizei Obwalden beendete vergangenen Sonntagnachmittag jäh den intensiven Probebetrieb der Alpnachstader Guuggenmusig Städerschränzer. Ein Nachbar hatte sich über den Lärm beschwert, den eine Guuggenmusig naturgemäss verursacht. «Die Polizisten klärten uns über die Reklamation auf und empfahlen uns abzubrechen», erzählt Präsident Emanuel Gisler. «Wir proben seit über zehn Jahren in diesem Industriequartier, in einer Halle beim Bahnhof Alpnach, Reklamationen gab es bis anhin nie», empört er sich. Wohl sei ihm bewusst, dass mit der regen Bautätigkeit in den vergangenen Jahren immer mehr Leute im «Lärmradius» wohnten. «Was ich aber nicht verstehe: Wieso suchte der Nachbar nicht das direkte Gespräch mit uns? Dann hätten wir bestimmt zusammen eine Lösung gefunden, mit der alle leben könnten.» Offenbar habe dieselbe Person sich auch wegen der abendlichen Proben am Donnerstag beschwert.

Schon für den Ball ausgewichen

Gisler bedauert, dass dem Kulturgut Guuggenmusig nicht mehr Toleranz entgegengebracht werde. «Auch unsere befreundeten Vereine spüren immer mehr Ablehnung. Es wird immer schwieriger, ein Probelokal zu finden, weil die Vermieter etwa Angst vor Reklamationen haben.» Auch fürs vereinseigene Fest habe man bereits nach Sarnen ausweichen müssen. Ein Kränzchen windet er hingegen der Gemeinde Alpnach. «Sie unterstützt uns sehr und stellt uns auch die alte Militärküche zu einem guten Preis als Vereinslokal zur Verfügung.»

Den Leuten sei wohl die soziale Rolle von Guuggenmusigen zu wenig bewusst. «Die Hälfte unserer Mitglieder ist im Jugendalter. Wir leisten also sozusagen aktive Jugendarbeit.» Den Probetermin zu verlegen ist laut Gisler keine Option. «Es ist nahezu unmöglich, für rund 60 Mitglieder einen zweiten passenden Abend unter der Woche zu finden. Auch am Samstagnachmittag sind die meisten Leute schon verplant. Der Sonntagnachmittag hingegen ist ideal, der Probenbesuch hoch.»

Vorübergehend haben die Schränzer nun nach Kägiswil gezügelt, ins Industriegebiet. Hier absolvieren sie die restlichen Sonntagsproben bis zur Fasnacht 2016. «Niemand der angefragten Nachbarn hat ein Problem damit», hält er fest. Das könne allerdings nur eine Übergangslösung sein. «Als Städerschränzer suchen wir ein Probelokal in Alpnach.» Eine Lösung zeichnet sich offenbar ab. «Möglicherweise finden wir eine geeignete Lokalität beim Flugplatz Alpnach – das wäre ideal.»

Grundsätzlich erlaubt bis 22 Uhr

«Wir wurden am Sonntagnachmittag wegen einer Ruhestörung gerufen», bestätigt Martin Kathriner, stellvertretender Leiter der Obwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Er sagt, grundsätzlich dürften Musikinstrumente von morgens 6 bis abends 22 Uhr gespielt werden, auch sonntags. «Fühlt sich jemand dabei in seiner Ruhe gestört, kann er Strafanzeige bei der Polizei einreichen. Sie nimmt den Tatbestand vor Ort auf und übergibt den Fall der Staatsanwaltschaft. In einem solchen Fall prüft diese, ob der Tatbestand der Ruhestörung erfüllt war.» Eine solche Anzeige sei zumindest bis jetzt nicht eingegangen.

Anders sieht es bei Lärm zwischen 22 und 6 Uhr morgens aus. Hier liegt ein Offizialdelikt vor. Bei einfachen Fällen kann die Polizei direkt mit einer Ordnungsbusse nach kantonalem Strafrecht mit 120 Franken büssen. Komplexere Fälle werden der Staatsanwaltschaft rapportiert. «Wie üblich in solchen Fällen suchen wir jedoch zuerst mit den ‹Lärmverursachern› das Gespräch.»

Hinweis

Am Samstag, 7. November, feiern die Städerschränzer, die heuer 50 werden, ab 17.30 Uhr ihren Schränzerball in der Reithalle Sarnen. Weitere Informationen: www.staederschraenzer.ch