ALPNACH: Pioniergeist und Abenteuerlust

Von neu erforschten Höhlen, der Entdeckung des Höhlenstrudelwurms und Bärenknochenfunden berichtet der neue Doppelband von Höhlenforscher Martin Trüssel.

Marion Wannemachermarion Wannemacher
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Der Forscher in seinem Element: Martin Trüssel vor einem Höhleneingang.

Der Forscher in seinem Element: Martin Trüssel vor einem Höhleneingang.

Die wirklichen Abenteuer beginnen vor der eigenen Haustür. Wer wüsste das besser als Höhlenforscher Martin Trüssel. Insgesamt fünf Jahre seines Lebens hat er in Höhlen verbracht. Als 16-Jähriger begann er während seiner Lehre als Gärtner die Obwaldner Unterwelt zu erforschen. 1976 waren gerade sieben Höhlen in Obwalden bekannt. Heute sind es 275 mit 65 Kilometern Höhlengängen – dank Trüssel und seinem Forscherteam. Eine spannende Mischung von Abenteuerlust, Ausdauer und Pioniergeist vermittelt der neue Doppelband 4 und 5 «Vom Fuchsloch zur Schrattenhöhle». Heute Freitagabend stellt Martin Trüssel, der hauptberuflich Verlagsleiter ist, sein neues Werk an einer Vernissage im Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft vor.

Von Tieren und alten Knochen

Die Publikation belegt die vergangenen zehn Jahre Höhlenforschung in Obwalden: die Entdeckung des Höhlenstrudelwurms im Kleinen Melchtal sowie eines neuen Stockwerks in der Bettenhöhle (Frutt), der fünftlängsten und sechsttiefsten Höhle der Schweiz. Statt der bisher bekannten 16 Kilometer sind dort nun mittlerweile über 28 Kilometer vermessen. Trüssel listet in einem Inventar die sogenannten Kühlhäuschen in Ob- und Nidwalden auf, bei denen eisige Luft aus dem Boden dringt und zum Teil für das Kühlen der Älplerprodukte genutzt wurde und wird. Er belegt die Erwärmung des Klimas durch ein 22-jähriges Langzeitprojekt und zählt neue Funde von Bärenknochen auf.

«Herzblut und Beharrlichkeit»

«Es ist beeindruckend, dass all diese Aktivitäten nebenberuflich und in ehrenamtlicher Tätigkeit seit 36 Jahren geleistet werden», hebt Regierungsrat Franz Enderli in einem Vorwort zum Doppelband hervor. «Dazu braucht es Herzblut und Beharrlichkeit.»

Prägende Spuren hinterliess die Familiengeschichte der Brüder Trüssel. Denn schon als Kind erforschte Martin mit dem vier Jahre älteren Bruder Clemens Fuchslöcher und kleinere Höhlen. Der Verlust des Vaters durch die Trennung der Eltern und der frühe Tod der Mutter schweisste die vier Brüder Martin, Clemens, Christoph und Pankraz zusammen. «Es ist eine unglaublich wichtige Zeit gewesen», sagt Martin Trüssel heute. Er erinnert sich an eine Weihnacht, welche die vier im Biwak in einer Höhle verbrachten. Und auch heute noch ziehen sie miteinander los, etliche Stunden unter der Erde haben die Brüder gemeinsam verbracht. «Man kennt einander und kann sich vertrauen. Das ist echte Freundschaft.»

Auch an brenzlige Situationen kann sich der Höhlenforscher erinnern: «Wenn man merkt, dass das Seil nicht mehr da läuft, wo es sollte und die Gefahr besteht, dass es sich aufreibt und reisst oder dass es Steinschlag gibt. Oder in der Jugendzeit mit Wassereinbrüchen. Da haben wir sicher Glück gehabt und das als Lebensschule mitgenommen.»

HINWEIS
«Vom Fuchsloch zur Schrattenhöhle» (Doppelband 4 und 5), 78 Franken. HGT-Verlag. Öffentliche Buch­vernissage heute Freitag um 20 Uhr im Hotel Paxmontana, Flüeli-Ranft. Infos: www.neko.ch