ALPNACH: Reinigung nach holländischem Vorbild

Voraussichtlich 2019 wird die ARA Sarneraatal auf dem neuesten technischen Stand sein. Vollständig erneuert wird der biologische Reinigungsprozess.

Robert Hess
Drucken
Teilen
Rechts neben dem Betriebsgebäude in Alpnach entstehen die neuen Becken. (Bild Robert Hess)

Rechts neben dem Betriebsgebäude in Alpnach entstehen die neuen Becken. (Bild Robert Hess)

Robert Hess

«Verlaufen die Vorbereitungsarbeiten, die Detailprojektierung und die Anpassung der Baubewilligung nach Plan, kann mit dem Bau der zweiten Etappe für den Ausbau der ARA Sarneraatal in Alpnach im März/April 2016 begonnen werden,» erklärt Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Entsorgungszweckverbandes Obwalden, im Gespräch mit unserer Zeitung. «Wir rechnen mit einer Bauzeit von rund drei Jahren.» Dabei gelte es zu berücksichtigen, dass der Betrieb der Abwasserreinigungsanlage während der Bauarbeiten stets aufrechterhalten werden müsse.

40-Millionen-Kredit

Den Baukredit von maximal 40 Millionen Franken für den Ausbau und die Modernisierung der rund 35-jährigen ARA Sarneraatal hatten die Delegierten des Entsorgungszweckverbandes Obwalden bereits Ende 2012 bewilligt. Eine erste Bauetappe, die Aufstockung des bestehenden Betriebsgebäudes, konnte im April 2014 abgeschlossen werden.

Verzögerungen ergaben sich dagegen bei der Realisierung des Hauptprojektes. Es wurden verschiedene Varianten bezüglich Kosten überprüft. Dieses sieht neben der Erneuerung und Erweiterung des biologischen Reinigungsprozesses auch die Anpassung und den Ausbau der übrigen Anlagen auf das Gesamtkonzept des Projektes vor. Mitte Mai 2014 wurde das Baugesuch für den zweiten Ausbauteil eingereicht, Mitte Januar 2015 erteilte der Gemeinderat Alpnach die Baubewilligung unter Auflagen.

Neu mit dem Nereda-Verfahren

Hauptgrund für die weitere Verzögerung nach dem Erhalt der Baubewilligung war eine «sehr sorgfältige Prüfung eines in der Schweiz völlig neuen Verfahrens im biologischen Reinigungsprozess», berichtet EZV-Geschäftsführer Sepp Amgarten. International wird dieses Verfahren schon längere Zeit erfolgreich eingesetzt. Das sogenannte, in Holland entwickelte Nereda-Verfahren stand 2014/2015 im Pilotbetrieb in der ARA Kloten/Opfikon. Mit diesem Pilotbetrieb wollte man den Nachweis erbringen, dass das Verfahren auch mit schweizerischen Abwasserverhältnissen sowie über den Winter einwandfrei funktioniert. Weil die Versuche dort äusserst positiv verliefen, entschied der Verwaltungsrat der ARA Kloten/Opfikon im vergangenen April, das neue Verfahren im geplanten ARA-Ersatz als schweizerische Premiere zu übernehmen.

Für die Baukommission der ARA Sarneraatal lag damit auf der Hand, dieses neue Verfahren ebenfalls genau unter die Lupe zu nehmen, «um uns später nicht einer allfälligen Kritik auszusetzen, wir hätten in unseren neuen Anlagen einen nicht dem neusten Stand der Technik entsprechenden biologischen Prozess eingebaut», erklärt Amgarten.

Nach einem neunmonatigen Evaluationsprozess, in dem sehr viele verschiedene Punkte abgeklärt wurden, hat sich die Baukommission für den Einbau des Nereda-Verfahrens entschieden. Als Vorteile nennt Amgarten «günstigere Investitions- und Betriebskosten, weniger Chemie sowie schnellere Abläufe.» Das ursprüngliche Projekt werde nun angepasst. So genügen beim Nereda-Verfahren drei statt der bisher geplanten vier Becken. Derzeit laufen laut Sepp Amgarten die Detailprojektierung sowie die Anpassung der Baubewilligung.

Laut Firmendokumentation der Nereda wird bei diesem System «das Abwasser auf natürliche Art» aufbereitet, und zwar «mit Hilfe der einzigartigen Eigenschaft der sogenannten aeroben granularen Biomasse». Das System ist von der Technischen Universität Delft (NL) konzipiert worden.

ARA auf grösserer Fläche

Der bis 2019 geplante Ausbau der ARA Sarneraatal in Alpnach wird das Gesicht dieser Anlage – neben dem bereits aufgestockten Betriebsgebäude – vor allem durch die drei neuen Becken verändern. Diese werden, inklusive des technischen Teils, westlich der bestehenden Anlage erstellt. Dort ist auch ein Reserveplatz für eine spätere Realisierung der Anlage zur Elimination von Spurenstoffen vorhanden.

Insgesamt umfasst die Parzelle der Abwasserreinigungsanlage künftig eine Nettofläche von 16 139 Quadratmetern, auf denen die heute bestehende und die neuen Anlagen und Gebäude stehen werden. Erhalten bleiben auf der Anlage die Faultürme zur Gasproduktion, die Schlammentwässerung und Muldenhalle, das Regenbeckengebäude, verschiedene Becken und das bereits umgebaute Betriebsgebäude.