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ALPNACH: Sie gibt Hoffnung trotz schwerem Schicksal nicht auf

Siril Wallimann erzählte an der Lichtweg-Veranstaltung der Pfarrei ihre Geschichte. Das Schicksal der blinden jungen Frau zog die Besucher in seinen Bann.
Patricia Helfenstein-Burch
Siril Wallimann (Bild: PD (Obwaldner Zeitung))

Siril Wallimann (Bild: PD (Obwaldner Zeitung))

Patricia Helfenstein-Burch

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Der Weg zum Pfarreizentrum Alpnach ist von Lichtern gesäumt. Das Dorf glänzt festlich und stimmt auf Weihnachten ein. Und plötzlich wird es dunkel. So sieht die Hauptdarstellerin des Abends den Saal – dunkel! Auf dem linken Auge bereits seit frühester Kindheit erblindet, verlor Siril Wallimann 2016 innerhalb einer Woche auch 95 Prozent ihrer Sehkraft auf dem rechten Auge. Acht Wochen später erblindete die Alpnacherin vollständig.

An der am Donnerstagabend von der Pfarrei Alpnach organisierten Lichtweg-Veranstaltung erzählt die 21-Jährige ihre ganz persönliche und sehr berührende Geschichte. Mit dem Lied «Was wirklich bleibt» von Christina Stürmer beginnt Siril Wallimann ihren Vortrag. Tränen laufen aus ihren blinden Augen. Die 160 Besucher lauschen dem Lied, und da und dort wird ein Taschentuch gezückt.

Bereits im frühsten Kindesalter schlug das Schicksal mit der Diagnose Retinoblastom – einem bösartigen Tumor der Netzhaut – zu. Siril Wallimann erhielt direkt nach der Geburt diverse Chemotherapien. Dann folgten wöchentliche und später monatliche Bestrahlungen in Lausanne, um den Krebs zu besiegen. Nach fünf Jahren galt das kleine Mädchen als geheilt. Durch die starken Behandlungen verlor sie jedoch ihre Sehkraft auf dem linken Auge komplett. Umso mehr schätzte sie ihr Augenlicht auf dem rechten Auge. «Dank der uneingeschränkten Sehkraft auf dem rechten Auge konnte ich ein ‹normales Leben› einer jungen Frau führen», erzählt Siril Wallimann. «Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte ich die Lehre als Kauffrau. Während meiner Lehrzeit wuchs in mir immer mehr der Wunsch, Psychologin zu werden. Um meinem Ziel näher zu kommen, begann ich im Sommer 2015 mit der Berufsmaturität.»

Der Krebs schlägt erneut zu

Im Februar des vergangenen Jahres dann das Unfassbare: Siril Wallimann verlor das Augenlicht auch noch auf dem rechten Auge. Der Krebs war wieder da und hatte sich diesmal nicht hinter dem Auge, sondern beim zweiten Zeh im rechten Fuss ausgebreitet. Dieser Krankheitsverlauf ist sehr aussergewöhnlich und weltweit erst der zweite Fall. «Mein Augenlicht habe ich aufgrund meiner Antikörper verloren. Sie haben, anstatt den Krebs zu bekämpfen, meine Netzhaut irreparabel geschädigt», erklärt sie. Es wurde sofort mit der Chemotherapie begonnen, da sich der aggressive und bösartige Krebs auf der rechten Körperseite lebensgefährlich ausgebreitet hatte. «Vermutlich würde ich heute nicht mehr leben, wenn nicht die Erblindung als Indikator eingetreten wäre», meint sie und gewinnt selbst diesem traurigen Kapitel noch etwas Positives ab. Wieder folgten unzählige Behandlungen mit enormen Ne­benwirkungen. Im vergangenen März erhielt sie den ersehnten Bescheid: Die Krebsaktivität hatte sich eingestellt.

«Was wirklich bleibt», singt Christina Stürmer in ihrem Lied. Was bleibt Siril Wallimann? Es bleibt ganz viel, nämlich tiefe Dankbarkeit für ihre Familie, ihren Freund und alle, die ihr auf dem steinigen Weg geholfen haben. Es bleibt die Hoffnung, dass es eventuell irgendwann mal eine Therapie geben wird, die ihr das Sehen wieder ermöglicht.

Im Frühling beginnt sie ihr Studium

Bis dahin stemmt sie ihr Schicksal mit bewundernswerter Kraft. Bei der Sehbehindertenhilfe (SBH) in Basel lernt sie die Blindenschrift und den Umgang mit verschiedenen Hilfsmitteln. Im kommenden Frühjahr beginnt sie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften den Bachelorstudiengang für angewandte Psychologie.

Siril Wallimann ist fest überzeugt, dass sich die Forschung weiterentwickeln wird, damit seh­behinderten Menschen geholfen werden kann. Sie hat ein Spendenkonto eingerichtet und hofft, mit dieser finanziellen Unterstützung Spezialisten aus anderen Ländern beiziehen oder sich einer Operation unterziehen zu können. Nicht alle der teilweise sehr teuren Behandlungen werden von den Schweizer Krankenkassen übernommen.

Eine erstaunliche Frau, die an der Lichtweg-Veranstaltung zeigte, dass auch das Leben als blinde Person lichtvoll sein kann.

Hinweis

Das Spendenformular finden Sie unter: www.siril-wallimann.ch

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