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ALPNACH: Sie sind mit Gottes Segen unterwegs

Einmal im Jahr segnet Pfarrer Thomas Meli Autos und Besitzer. Den Segen versteht er weniger als Schutzschild, sondern vielmehr als Sensibilisierung für die Fahrer.
Christoph Riebli
Pfarrer Thomas Meli bei der Segnung eines Fahrzeuges auf dem Schulhausplatz in Alpnach. (Bild Corinne Glanzmann)

Pfarrer Thomas Meli bei der Segnung eines Fahrzeuges auf dem Schulhausplatz in Alpnach. (Bild Corinne Glanzmann)

Christoph Riebli

«Was hat der Segen gebracht?» Mit dieser grundlegenden Frage sah sich Pfarrer Thomas Meli vor vielen Jahren konfrontiert. Die weibliche Stimme am anderen Ende des Telefons gehörte der Frau eines verunfallten Töfffahrers. Dieser habe sich kurz zuvor mit seinem Gefährt von ihm segnen lassen, erzählt Meli im Gespräch. Noch am selben Abend hatte es dann auf der Strasse gekracht. «Die Segnungen und Sakramente unterstützen uns, wir bleiben aber handlungsverantwortlich», mahnt der Seelsorger seit dieser Erfahrung, «es ist keine Zauberei. Trotz dem Segen können Unfälle passieren.»

Szenenwechsel: Pfarrer Meli steht auf dem mit Autos zuparkierten Schulhausplatz in Alpnach. Um ihn herum besammeln sich an die 60 Personen. Auf dem Programm steht die alljährliche Fahrzeugsegnung – eine Tradition, wie sie in der näheren Umgebung keine andere Gemeinde pflegt. Für viele Einheimische und auch ganz wenige Nidwaldner und sogar Luzerner ist es ein Ritual geworden, das immer am Mittwoch Mitte Mai stattfindet.

Weder Vergoldung noch Pflege

Auch vor den Versammelten mahnt Meli, dass die Segnung mit Weihwasser die Fahrzeuge weder vergolde noch besonders pflege. «Die Segnung betrifft nicht die Fahrzeuge, die sind tote Materie. Sie betrifft uns und unseren Fahrstil.» Dass man dennoch Autos segne, zeige, «wie wichtig die Fahrzeuge für unsere Existenz geworden sind». Und dann bittet der Pfarrer den «lieben Gott»: «Schenke allen Reisenden eine gute Heimkehr.»

«Darum geht es schliesslich», betont die 54-jährige Alpnacherin Daniela Mathis, «um die Hilfe von oben!» Mit dabei hat sie ihre Schwester aus Nidwalden, nicht aber ihr Auto: «Den Vierräder bringe ich am Abend zur Segnung. Jetzt bin ich mit dem Velo hier.» Und auch dem Drahtesel und seiner Besitzerin spricht Pfarrer Meli den persönlichen Segen zu – wie er es an jenem Mittwoch einmal nachmittags und für die Berufstätigen auch einmal abends tut.

«Er spricht unsere Sprache»

Alle Anwesenden erhalten nebst einem warmen Händedruck des Pfarrers – er begrüsst praktisch alle Anwesenden mit Vornamen – ein Helgeli des heiligen Christopherus in die Hände gedrückt. Der Schutzpatron der Reisenden soll den Gesegneten Sorge tragen. Nicht nur passiv: «Man muss im Verkehr manchmal wieder auf gute Ideen kommen. Dabei kann ein solches Helgeli oder auch ein Rosenkranz im Auto helfen.» Thomas Meli weiss, wovon er spricht: «Ich fahre manchmal selbst etwas ruppig», gesteht er.

Allgemein scheint es, der Pfarrer verstehe die Leute und sie ihn: «Er spricht unsere Sprache», meint etwa Koni von Atzigen lobend. Der Alpnacher Landwirt im Ruhestand hat seinen Bührer-475-Traktor zur Segnung mitgebracht, sein «Schmuckstück», wie er selbst sagt. Für den 74-Jährigen gehört der Glaube zur Familientradition, auch der allsonntägliche Kirchgang. «Dass man heil wieder heimkommt», das verspricht er sich von der Segnung seines Gefährts. «Bei der Arbeit kann man nicht immer an den ‹Kirchturm› denken», ergänzt er schmunzelnd, «mit der Segnung hilft jetzt noch jemand mitdenken.»

Ein Bedürfnis der Leute

Thomas Niederberger aus Kerns hat gerade Ferien und vor zwei Wochen ein neues Auto gekauft. Der gebürtige Alpnacher war schon seit über zehn Jahren nicht mehr an einer Autosegnung: «Es ist nicht selbstverständlich, dass man heil wieder zu Hause ankommt. Ich mache im Jahr rund 25 000 Kilometer, beruflich wie privat», sagt der 44-Jährige. Mit ihrem Töffli steht Erika Wallimann in der Schlange. Die 16-Jährige verspricht sich von der Segnung «mehr Sicherheit auf der Strasse». Gerade als Töfflifahrerin könne sie diesen Schutz brauchen.

Übrigens: Im Juni segnet Pfarrer Meli die 36 Alpnacher Alpen. «Es geht nicht darum, was ich will. Die Bedürfnisse der Leute sind wichtig», so seine Einstellung.

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