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ALPNACH: Sie stürmen die Gipfel der Anden

Sechs Gipfel über 5500 Meter wollen drei Obwaldner in den Anden bezwingen. Am Donnerstag sind sie nach Peru abgereist.
Philipp Unterschütz
Matthias Meister, Romeo Imfeld und Bruno Bäbi (von links) und 180 Kilo Gepäck machten sie bereit für die peruanischen Anden. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Meister, Romeo Imfeld und Bruno Bäbi (von links) und 180 Kilo Gepäck machten sie bereit für die peruanischen Anden. (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

Acht Taschen sind gepackt, gut 180 Kilo schwer – Matthias Meister (26) und Bruno Bäbi (29) aus Alpnach sowie Romeo Imfeld (43) aus Stalden sind bereit für ihre Ferien. Wobei in ihrem Fall der Begriff Ferien eine ambitiöse Tour bedeutet. Sie haben sich vorgenommen, in einem Monat im südamerikanischen Peru sechs Gipfel zu besteigen. Alle zwischen 5500 und knapp 6800 Meter hoch, darunter der höchste Gipfel des Andenstaats, der Huascarán (6768 Meter).

«Es hat dort viel weniger Leute, es ist weniger überlaufen als im Himalaja. Zudem herrschen dort jetzt ideale Verhältnisse für Berg- und Klettertouren», erklärt Bruno Bäbi. Er und Matthias Meister kennen Peru bereits von früheren Touren. Sie wissen, was sie in der Hochgebirgsregion Cordillera Blanca erwartet. «Eine fantastische Natur und Bergwelt mit Stimmungen, die man nur da sieht. Und der Reiz, ans sportliche Limit zu gehen», sagt Matthias Meister.

Trennung am Berg ist unmöglich

Die drei Freunde kennen sich gut, waren schon oft gemeinsam unterwegs, sind erfahrene Berggänger und Kletterer. Alle drei sind Mitglied der Sektion Sarneraatal der Alpinen Bergrettung Schweiz. Sie betonen denn auch, wie wichtig die Freundschaft und das Vertrauen für eine solche Expedition sind. «Zum einen hockt man da sehr aufeinander, zum anderen ist man auf den Touren aufeinander angewiesen, da ist eine gute Kommunikation untereinander sehr, sehr wichtig», meint Bruno Bäbi. Und Matthias Meister ergänzt: «Es darf nie einen Gruppenzwang geben. Wenn einer ein Risiko sieht, müssen wir darüber reden und gemeinsam entscheiden.»

Man müsse zwar schon eine gewisse Entschlossenheit haben und dürfe nicht sofort aufgeben, aber die Sicherheit müsse vorgehen. «Wir müssen vorher entscheiden, ob wir alle gemeinsam gehen. In der Wand kann man sich nicht mehr trennen», betont Matthias Meister. Jeder muss also mit sich selber ehrlich sein, ob er sich am jeweiligen Tag fit genug für die geplante Tour fühlt.

Ganz ohne fremde Hilfe

Die drei Obwaldner haben sich trotz ihrer vielen gemeinsamen Touren in der Schweiz noch zusätzlich für ihr Abenteuer vorbereitet. «Letzten Herbst haben wir mit zusätzlichem Training angefangen», erzählt Romeo Imfeld. «Wir sind einmal pro Woche von der Stöckalp auf die Melchsee-Frutt gelaufen, jeder mit einem Zusatzgewicht von 15 Kilo. Durch sehr zügiges Tempo haben wir das anstrengender gemacht.» Dazu kamen zusätzliche Klettertouren und Trainings im privaten Kletterraum. Dabei ging es den drei Gipfelstürmern nicht nur um die Bergbesteigungen. Weil sie ab den Basislagern auf Träger oder Bergführer verzichten, haben sie bis in die Hochlager auch einiges an Gepäck zu schleppen. Rund 20 Kilo pro Mann. «Wir wollen selbstständig sein, das macht den Reiz und das Erlebnis grösser», erklärt Matthias Meister. Und Romeo Imfeld bringt es auf den Punkt: «Ich gehe lieber selbstständig auf einen 6000er, als mit Sauerstoff und Träger auf einen 8000er.» Auf ihrer letzten Tour in Peru gingen Meister und Bäbi mit einem einheimischen Führer und mussten sich ausser um ihre persönliche Kletterausrüstung um nichts kümmern.

«Diesmal war auch eine präzise Vorbereitung gefragt», sagt Bruno Bäbi. «Wir müssen uns genaustens überlegen, was wir wohin mitnehmen, wie schwer das Material ist, welche Lebensmittel wir brauchen. Diese sollten möglichst wenig Gewicht haben und schnell zu kochen sein, sonst müssen wir wieder mehr Brennstoff mittragen.» Im Gepäck haben sie deshalb Esswaren wie Stocki, Polenta und Päcklisuppen. Aber auch ein Fondue ist dabei. «Das gibts vielleicht an Matthias’ Geburtstag, den er auf der Tour feiert. Aber wohl mit Kartoffeln, weil da kaum Brot erhältlich ist», lachen Bruno und Romeo.

Der Gipfel ist erst die halbe Tour

Für ihre Sicherheit wollen sie das Menschenmögliche tun. «Wir haben den Gipfel erst erreicht, wenn wir wieder im Camp sind», betont Romeo Imfeld. «Wenn man oben ist, hat man ja erst die Hälfte geschafft», ergänzt Bruno Bäbi. «Man kann nicht auf dem Gipfel abschalten und denken, jetzt haben wir es geschafft. Man muss die Konzentration behalten. Der Abstieg wird oft unterschätzt.»

Sie würden deshalb auf einem Gipfel auch nicht einen Plausch veranstalten, sondern sich jeweils schnell wieder an den Abstieg machen. Mehr als einige Fotos lägen da nicht drin. Diese wollen sie regelmässig auf ihrer Website zeigen, wo sie ein Reisetagebuch führen. Aussenstehende können so ihre Expedition in Peru miterleben.

Hinweis

Bilder und Reisetagebuch finden sich unter rmbperu.jimdo.com

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