ALPNACH: So richtig in Obwalden verliebt

Theo Breisacher und die von ihm gegründete Alpnach Norm feierten 2016 runde Geburtstage. Im Blickpunkt standen aber vor allem seine Aktivitäten in Lungern.

Robert Hess
Drucken
Teilen
Theo Breisacher (oben) bei der Talstation seiner Lungern-Turren-Bahn und (unten) beim Empfang der Bahngondel inmitten der Schulkinder von Lungern im August dieses Jahres. (Bilder: Robert Hess/Pius Amrein)

Theo Breisacher (oben) bei der Talstation seiner Lungern-Turren-Bahn und (unten) beim Empfang der Bahngondel inmitten der Schulkinder von Lungern im August dieses Jahres. (Bilder: Robert Hess/Pius Amrein)

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Aufmerksamkeit weit über die Kantonsgrenzen hinaus erregte der 80-jährige Alpnacher Unternehmer Theo Breisacher dieses Jahr damit, seinen 2015 gefassten Beschluss umzusetzen, die seit Dezember 2012 stillgelegte Bergbahn Lungern–Turren in letzter Minute zu retten. Den Schritt unternahm er mit Tochter Brigitte, seit 2008 Alleininhaberin und CEO der Alpnach-Norm-Gruppe.

Rund 8,5 Millionen Franken investiert Theo Breisacher in die Modernisierung der Luftseilbahn Lungern–Turren, den Bau einer neuen Talstation und ein neues Bergrestaurant auf Turren. Die Bahn fährt seit 1. Mai, das Restaurant soll im nächsten Juli/August eröffnet werden. Breisacher investiert aber nicht nur in die Anlagen, er übernimmt auch die Verantwortung für den Betrieb und trägt das unternehmerische Risiko, wobei er «keine grossen finanziellen Erwartungen» hat.

Nach Bahnabbruch noch schöner geworden

Sein besonderer Wunsch ist, dass künftig möglichst viele Leute die schöne Natur und die Ruhe im Gebiet Turren-Schönbüel beim Verweilen, Spazieren oder Wandern im Sommer und Schneeschuhlaufen und auf Tourenski im Winter geniessen können. «Nach dem Abbruch der Sesselbahn und der Skilifte ist das Gebiet noch schöner geworden», schwärmt Breisacher. Im Bestreben, der Region etwas von seinem unternehmerischen Erfolg zurückzugeben, hatte Breisacher mit seiner Frau Inge bereits 2008 die Breisacher-Stiftung zur Förderung des Handwerks und der Dienstleistungsberufe mit Lehrort in Obwalden und Nidwalden gegründet. Jedes Jahr werden an leistungsstarke junge Berufsleute aus dem Stiftungsertrag Prämien ausgerichtet. Bisher wurden für diesen Zweck über 1,3 Millionen Franken sowie weitere 300 000 Franken an Institutionen ausgerichtet.

Wer aber ist der «Bahnretter» in Lungern? Ein Blick weit zurück: Am 17. Mai 1954 verlässt der damals 18-jährige Theo Breis­acher mit einer einfachen Fahrkarte der Deutschen Bundesbahn und 100 damaligen Deutschen Mark in der Tasche sein Heimatland Richtung Schweiz. Daneben hat der gelernte Schreiner einen Anstellungsvertrag mit seiner ersten Arbeitgeberin, der Möbelfabrik Georg Läubli in Wilen/Sarnen, sowie eine Aufenthaltsbewilligung der Fremdenpolizei Obwalden im Gepäck. Was erwartete der junge Mann damals von seinem Schritt? – «Ganz einfach», sagt er heute, «in Süddeutschland hatte ich einen Stundenlohn von 80 Pfennig, bei der Firma Läubli wurden mir 2.35 Franken pro Stunde zugesichert.» In Wilen erlernte er im gut eingerichteten Betrieb die rationelle Fertigung von Möbelteilen. Bereits zwei Jahre später aber teilte er Läubli mit, er wolle sich beruflich weiterentwickeln und die Firma verlassen.

Sein Weg führte 1956 in den Kanton Zürich, wo er in Ebmatingen erst als angestellter Bau- und Möbelschreiner arbeitete. 1960 machte er sich selbstständig und gründete dort die Firma Holzbau Hegglin – Inhaber Theo Breis­acher. 1964 gründete er die erste Immobilienfirma. 1966 kehrte er nach Obwalden zurück, kaufte die stillgelegte Parkettfabrik Risi in Alpnach und gründete die Möbelfabrik Alpnach AG.

2016 Jahr feierte Theo Breis­acher seinen 80. Geburtstag und das Jubiläum 50 Jahre Alpnach Norm AG. Zur Alpnach-Norm-Gruppe gehören drei Produktionsbetriebe (Schränke, Küchen, Schreinerarbeiten), 12 Filialen mit Ausstellungen und rund 190 Mitarbeiter. «Ich habe in all den Jahren keinen Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen entlassen», sagt Breisacher heute. Bei kleinem Auftragsbestand beschäftigte er die Leute intern zum vollen Lohn etwa für Renovationen oder Reinigungsarbeiten.

Bild: Robert Hess (Obwalden, 15. Dezember 2016)

Bild: Robert Hess (Obwalden, 15. Dezember 2016)