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ALPNACH: Viel Sympathie für Tempo 30 im Dorf

Einen Grossaufmarsch erlebte der Gemeinderat zum Thema A8-Vollanschluss und flankierende Massnahmen im Dorf. Es gab einige Fragen, teils mit Skepsis angereichert, aber keine offensichtliche Ablehnung.
Markus von Rotz
Die Brünigstrasse in Alpnach: Ab hier ist Tempo 30 geplant. (Bild: Corinne Glanzmann (24. Mai 2016))

Die Brünigstrasse in Alpnach: Ab hier ist Tempo 30 geplant. (Bild: Corinne Glanzmann (24. Mai 2016))

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Einen solchen Aufmarsch an einer Gemeindeversammlung gab es schon lange nicht mehr. Und am Mittwoch war es ja «nur» ein Infoabend – an die 170 Personen füllten den Singsaal von Alpnach. Der Gemeinderat hatte eingeladen, damit sich das Volk über den Vollanschluss und die Folgemassnahmen auf der Brünigstrasse im Dorf informieren lassen kann, über welche es am 10. Juni abstimmt. Baudirektor Josef Hess, Gemeinderätin Regula Gerig und Kantonsingenieur Jörg Stauber sowie Verkehrsplaner Guido Gisler hatten nach der 40-minütigen Präsentation einiges an Detailfragen zu beantworten und auch einiger Skepsis zu begegnen. Wir haben vor zwei Wochen ausführlich über die Vorlage berichtet und beschränken uns darum auf die neuen Informationen und die Ergänzungen aufgrund dieser öffentlichen Fragerunde.

  • Laut Josef Hess soll der Verkehr im Dorf von heute 10700 auf 5700 Fahrzeuge pro Tag sinken. Auf der Hofmättelistrasse dürfte er von 6100 auf 10500 Fahrzeuge zunehmen. Dieser Mehrverkehr bringe rund 3 Dezibel mehr Lärm, die aber laut Hess durch den lärmarmen Belag wieder geschluckt werden sollten.
  • Der Kreisel Industriestrassewird wohl asphaltiert, man diskutiere aber auch eine Beton-Variante, weil Asphalt beim grossen Druck durch schwere Fahrzeuge in warmen Jahreszeiten stark leiden könne, sagte Josef Hess.
  • Die gelben Streifen beidseits der Brünigstrasse werden 60 Zentimeter breit. Sie sollen laut Guido Gisler die Strasse optisch schmaler erscheinen lassenund den Verkehr gegen die Mitte der Fahrbahn zwingen und ihn so langsamer machen. Die Streifen werden laut Gerig in einem besonderen Belag ausgeführt, dass sie für Velofahrer bei Nässe keine Rutschgefahr darstellen. Weil das Dorf für Zubringer-Lastwagen und den übrigen Verkehr bei einem Unfall auf der A8 weiterhin offen bleibenmuss, «können wir keine Blumentöpfe aufstellen», meinte sie weiter.
  • Auf die Mittelinsel nördlich der Schlierenbrücke wird man dorfeinwärts neu nur noch mit 50 statt 80 km/h zufahren dürfen, in Richtung Stad sind ab dort statt 80 wohl nur mehr 60 km/h erlaubt, was laut Gerig vor allem die Sicherheit für die vielen landwirtschaftlichen Einfahrten erhöhen soll. Dies unter dem Vorbehalt, dass die Polizei Ja sagt.
  • Bei der Schlierenbrücke ist kein Fussgängerstreifen geplant, weil man laut Gerig davon ausgeht, dass der Übergang dort dank Tempo 30 übersichtlicher und sicherer wird und die Polizei eher weniger als mehr Streifen wolle. Genau wegen der Freizeitsportler oder Waldkindergarten- und Spielgruppenkinder habe man hier die Tempo-30-Strecke verlängert.
  • Zu reden gaben die «Schwellen» vor den Fussgängerstreifen und der Tafel-Wald mit Tempo-30-Anzeigen. Die «Schwellen» spüre man weder als Auto- oder Velofahrer noch als Postautopassagier oder Fahrer eines Schneepflugs stark, sagten Stauber und Gerig. Stauber betonte, die «Rampen» seien vor allem optisch wirksam, sie stiegenauf einer Länge von zwei Metern nur sechs Zentimeter. Es brauche einen «Tafelwald», weil man sich für eine Tempo-30-Strecke und nicht eine -Zone entschieden habe. Darum müsse bei jeder Einmündung einer Nebenstrasse erneut eine Tafel stehen, sagte Gerig. Das könnte sich ändern, falls aus einem Quartier der Wunsch nach einer Tempo-30-Zone käme. Gisler betonte, nur Tafeln aufzuhängen genüge aus Erfahrung nicht, weil die Autofahrer sonst schnell wieder vergässen, dass sie langsamer fahren müssten. Es brauche auch optische/bauliche Massnahmen.
  • Der Umweltverträglichkeitsbericht des Bundes schreibt Tempo 30 und das Lastwagenfahrverbot laut Gerig ausdrücklich vor, genau so wie Markierungen auf der A8, die darauf hinweisen, dass Lastwagen das Dorf umfahren. Der Bund spricht hier laut Gisler von Erhöhung des «Durchfahrtswiderstands».
  • Vom Hofmättlikreisel bis zum Restaurant Allegro wolle man die Situation genau beobachten, sagte Gerig, man habe aber hier Tempo 50 vorerst belassen, weil die Situation übersichtlicher sei als im Dorf und man sich auf das Minimum beschränken wollte.
  • Alt Gemeinderat Max Gasser stören die vielen Betonmischer, die durchs Dorf fahren, an Spitzentagen 20 und mehr. Laut Stauber toleriert der Kanton, dass diese sozusagen als Umfahrungsvariante jetzt teilweise via A8 ins Delli fahren und dort wenden. «Im Moment ist das noch nicht verboten», sagte er, aber aus Sicherheitsüberlegungen forciere man das nicht.

So viel Zeit spart man

In der Botschaft der Regierung an den Kantonsrat ist minutiös aufgelistet, wie viel Zeit Autofahrer sparen, wenn sie später nicht durchs Dorf, sondern über den neuen Vollanschluss fahren. Ziel müsse es sein, so Baudirektor Josef Hess, dass es «vorteilhaft und interessanter ist, auf die Autobahn zu fahren.» In Fahrtrichtung Luzern ist ein Autofahrer nach Realisierung der Massnahmen im Dorf via Vollanschluss 7 Sekunden schneller, obwohl er 835 Meter weiter fahren muss als via Brünigstrasse (gerechnet zwischen Kreisel Hofmätteli und A8-Einfahrt im Stad). In die andere Richtung ist der Gewinn 14 Sekunden. (mvr)

Regula Gerig schloss mit der Bemerkung, der Gemeinderat wolle «eine pragmatische Lösung, aber keinen Luxus und keine Hindernisse in der Strasse». Man könnte später einmal, wenn genug Geld vorhanden sei, die gelben Streifen im Dorf durch Pflastersteine ersetzen. Aber vorerst gehe es jetzt um dieses Paket von zwei Vorlagen, das nur realisiert werden könne, wenn das Volk zweimal Ja sage. Bei einem Nein der Gemeinde zum Kostenanteil am Kreisel (460000 Franken) bliebe der Vollanschluss als Projekt bestehen, aber das Ganze könnte sich zeitlich verschieben und würde sich zudem wohl verteuern. Bei einem Nein zu den Massnahmen im Dorf (465000 Franken) wäre «für uns eine Chance» vertan, weil der Bund dann den Vollanschluss stoppen würde. «Das Bundesamt für Strassen hat genug Projekte, um sein Geld zu investieren», meinte Gerig.

Kein Thema war an diesem Abend, dass beim Bund noch neun Einsprachen zum Vollanschluss hängig sind. Mit einem Entscheid sei nicht vor Mitte 2018 zu rechnen, schreibt die Regierung in ihrer Botschaft an den Kantonsrat, die sie vergangene Woche veröffentlicht hat.

Hinweis

Hier finden Sie unseren ausführlichen Bericht vom 17. April 2018.

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