ALPNACH: Wie Mehl fürs täglich Brot entsteht

Am Schweizer Mühlentag macht heute auch zum ersten Mal die Pfisternmühle mit. Eine Gelegenheit zu beobachten, was alles passiert, bis aus Getreide gebrauchsfertiges Mehl wird.
Philipp Unterschütz
Franz Suter, Geschäftsführer der Pfisternmühle, prüft auf dem Rohrboden die Mehlqualität. (Bild: Corinne Glanzmann (Alpnach, 8. Mai 2018))

Franz Suter, Geschäftsführer der Pfisternmühle, prüft auf dem Rohrboden die Mehlqualität. (Bild: Corinne Glanzmann (Alpnach, 8. Mai 2018))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Der rauschende Bach treibt unermüdlich das Mühlrad und die Mahlsteine an, während der vom Mehl weiss gepuderte Müller die schweren Mehlsäcke zum Abtransport aus der Mühle trägt. Eine romantisch verklärte Vorstellung, die ebenso überholt wie falsch ist. Längst handelt es sich bei den Mühlen in der Schweiz um hoch technisierte, vollautomatische Anlagen. Auch bei der Pfisternmühle in Alpnach-Dorf sind sie im Einsatz: Maschinen, die der Müller als Walzenstühle, Sichter oder Speedmix bezeichnet. Keine Spur von Staub in den Betriebsräumen, und Mehlsäcke lasten auch schon lange nicht mehr auf den Schultern der Müller.

«Mehl ist ein Grundnahrungsmittel, das wir täglich brauchen und konsumieren. Viele Leute wissen aber trotzdem wenig über die Herstellung», erklärt Franz Suter, Geschäftsführer der Pfisternmühle, die von der Wallimann AG betrieben wird. Die einstige Futtermühle ist längst eine Getreidemühle im Lebensmittelbereich geworden. «Bei Führungen sehen wir immer wieder, wie erstaunt die Besucher über die Herstellungsprozesse der verschiedenen Mehle und die Funktionen in einer modernen Mühle sind.» Um sich und den Müllerberuf der Öffentlichkeit zu präsentieren und Einblicke in die Entstehung von Mehl zu geben, macht die Pfisternmühle heute zum ersten Mal am Schweizerischen Mühlentag mit.

Die einzige Mühle in der Zentralschweiz

Über 150 Anlagen nehmen an diesem 18. Mühlentag teil, hinter dem die Vereinigung Schweizer Muhlenfreunde steht und an dem die Mühlen als ein kulturelles Erbe präsentiert werden. Die meisten sind denn auch historische Anlagen, nur eine Handvoll sind wie die Pfisternmühle aktive Produktionsbetriebe. Die Zentralschweiz ist auf der Karte der Anlagen ein weisser Fleck – ausser in Alpnach gibt es weit und breit keine Mühlen. «Das kommt daher, dass hier kein Getreide angebaut wird. In Ob- und Nidwalden ist dafür das Risiko wegen der Niederschlagsmengen viel zu gross», sagt Franz Suter. Die Pfisternmühle mit einer möglichen Stundenleistung von 900 Kilo produziert jährlich 1300 Tonnen Mehl aus Schweizer Getreide. 75 Prozent davon sind dunkle Mehle, knapp 30 Prozent Bio-Mehl. Der grösste Teil davon wird in der Region verarbeitet, ein kleiner Teil auch für die Pizzas im Restaurant Pfistern oder für das Pfisternbrot. Heute wird zudem ein neuer Laden für Privatkunden eröffnet, der eigene Mehle in Kleinpackungen und weitere Spezialitäten anbietet.

Schweizer Müller sind auf der ganzen Welt gesucht

Die Besucherinnen und Besucher haben die Gelegenheit, in geführten Gruppen die verschiedenen Prozesse der Mehlproduktion zu besichtigen. Doch in der Pfisternmühle, in der neben dem ausgebildeten Müllereitechnologen Franz Suter noch ein weiterer Müller und eine Lehrtochter arbeiten, will man auch für den Müllerberuf werben. «Es ist für uns schwierig, Lehrlinge zu finden. Der Beruf ist bei den Jungen einfach nicht mehr bekannt», sagt Franz Suter. Seit längerem sucht man in Alpnach-Dorf vergeblich eine Lehrtochter oder einen Lehrling auf diesen Sommer hin. «Viele junge Leute haben falsche Vorstellungen. Müller sind zwar viel auf den Beinen, aber der Beruf ist nicht strenger als andere.» Hauptsächlich bestehe der Alltag aus Qualitätskontrollen und der Überwachung oder Einrichtung von Einstellungen. «Müller ist ein schöner Beruf, der auch gut bezahlt ist», weiss Franz Suter. Nach dem Lehrabschluss habe man nicht nur etliche Weiterbildungsmöglichkeiten. «Schweizer Müller sind auf der ganzen Welt gesuchte Berufsleute!»

Hinweis

Heute Samstag, 12. Mai, Mühlentag, Pfisternstrasse, Alpnach-Dorf: ab 9 Uhr Brunch im Restaurant Pfistern, 9 – 17 Uhr Mühlenführungen, 10 Uhr Alphornklänge, 11 Uhr Apéro im Mühlenladen. Ab 20 Uhr Schlagerparty im UP.

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