ALPNACH: «Wir alle waren einfach begeistert von der Sache»

Idealisten nehmen die handwerkliche Druckerei des 2014 verstorbenen Martin Wallimann wieder in Betrieb. Am kommenden Wochenende kommt es zur ersten Druckbegegnung mit dem bekannten Tessiner Künstler Davide Cascio.

Romano Cuonz
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Christoph Amrhein freut sich, dass die alten Druckmaschinen wieder in Betrieb sind. Bild: Romano Cuonz (Alpnach, 6. März 2017)

Christoph Amrhein freut sich, dass die alten Druckmaschinen wieder in Betrieb sind. Bild: Romano Cuonz (Alpnach, 6. März 2017)

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Im Februar 2014 verstarb völlig unerwartet der Obwaldner Ver­leger, Kulturförderer und Kunstdrucker Martin Wallimann (*1958). Bald schon bangte man auch um den Fortbestand sei­- ner handwerklich betriebenen Druckwerkstatt im alten Alpnacher Postgebäude. Zu seiner Zeit hatte Martin Wallimann mit seinem Schaffen den Buch- und Kunstdruck nachhaltig geprägt und stets auch auf breitester Ebene gefördert. Dank wertvollen­ alten Druckerpressen und den von ihm noch beherrschten traditionellen Techniken waren im Verlauf der Jahre grafische Werke von teils internationaler Ausstrahlung entstanden.

Nach Wallimanns Tod wandten sich die Hinterbliebenen an befreundete Obwaldner Institutionen und Kunstschaffende. Ihre Bitte: Man möge doch die Druckwerkstatt erhalten und weiterbetreiben. Für Christian Kathriner, Charlie Lutz, Heinz Anderhalden, Jo Achermann und Christoph Amrhein stand ausser Frage, dass man da in irgendeiner Weise Hand bieten müsste. Schon bald einmal gründete das Quintett die Interessengemeinschaft Werkstatt Martin Wallimann. Ihr erklärtes Ziel: die Tradition handwerklicher Druck- und Buchkunst mit Elan und Leidenschaft weiterzubetreiben. «Wir alle fühlten einfach Begeisterung für die Sache, und dies noch ohne zu wissen, wo die Reise hingeht», gesteht Christoph Amrhein. Die Suche nach möglichen Sponsoren und Interessenten hat sich gelohnt. Mit Idealismus und vielen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden haben die Künstler in den letzten drei Jahren die Maschinen – namentlich die grosse Zylinder-Buchdruckmaschine – so justiert, dass man mit ihnen wieder frappierende Resultate erzielen kann. Genau wie zu Zeiten von Martin Wallimann. Bereits haben einheimische Künstler davon profitiert und wieder erste Projekte realisiert. Bei «Kunst macht Schule» beispielsweise können Schülerinnen und Schüler die Werkstatt unter fachkundiger Anleitung benutzen und dabei Künstlern und der Kunst begegnen.

«Druckbegegnung» steht bevor

«Unser Ziel ist es nun, für die handwerkliche Druckerei ein Betriebskonzept zu erarbeiten», erklärt Christoph Amrhein. «Ein kleines Kompetenzzentrum und Labor für experimentelle Aktivitäten soll es werden.» Amrhein weiss aber nur zu gut: «Ein wirtschaftlich rentabler Betrieb ist unmöglich, wir sind schon glücklich, wenn wir das Geld für die Miete aufbringen.» Mit diesem Ziel haben nun die Initianten sogenannte Druckbegegnungen zum experimentellen grafischen Schaffen lanciert. Eingeladene Künstler – man denkt an vier bis fünf pro Jahr – erhalten Gelegenheit, in Begleitung mit dem Werkstatt-Team ungewöhnliche Druckexperimente zu realisieren. «Das Ergebnis wollen wir mit einer Atelierausstellung und bei einem Künstlergespräch jeweils öffentlich machen», stellt Amrhein in Aussicht. Erster Künstler ist am kommenden Wochenende der in Lugano geborene und in Paris lebende Davide Cascio. Der Konzeptkünstler stellt seinen Obwaldner Auftritt unter den Titel «Riverrun».

Sozusagen als Dank für die Einladung stellen die Künstler die in Alpnach in Kleinstauflagen kreierten Druckgrafiken zur Verfügung. Die will man dann einem ausgesuchten Kreis von Sympathisanten exklusiv zugänglich machen. «Mit solchen Naturalgaben und dank nichtkommerziellem Denken und viel ehrenamtlicher Tätigkeit sollte es gelingen, die Alpnacher Werkstatt Martin Wallimann wieder in Betrieb zu nehmen», hofft Amrhein.

 

Hinweis

Druckbegegnung mit Davide Cascio in der Werkstatt Martin Wallimann (Brünigstrasse 28, Alpnach). Offene Werkstatt, Vernissage und Künstlergespräch: 11. März ab 19 Uhr. Ab 12. März ist das Werk für drei Monate in der Aussenvitrine des Hurni-Hauses an der Hof­strasse 6 in Sarnen zu sehen. Internet: www.werkstatt-mw.ch