Alpnacher bauen für ihr «Jubifäscht» einen eigenen Turm

Mit einem 16 Meter hohen Turm und einem Dorffest feiern Jungwacht (60 Jahre) und Blauring (50) ihre runden Geburtstage gemeinsam.

Romano Cuonz
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Jedes Kind hat es wohl einmal im Bibelunterricht gehört: Das ehrgeizige Experiment der Menschen zu Babel, einen Turm bis zum Himmel zu bauen, endete in einem heillosen Desaster. Keiner verstand den andern mehr. Wie so ganz anders ist es in Alpnach, wo Blauring und Jungwacht dieser Tage mutig den Bau eines gleich 16 Meter hohen Turms in Angriff nahmen, um damit ihre runden Geburtstage zu feiern. Inzwischen ragt der Turm, den man sogar besteigen kann, aus dem «Sarasani-Zelt». Was dabei so wunderbar ist: Blauringmädchen und Jungwächter verstehen sich auch nach diesem Bau prächtig, wenn nicht sogar noch besser als je zuvor. Die Idee jedenfalls, die beiden Geburtstage – die Alpnacher Jungwacht gibt es seit 60 Jahren und den Blauring seit 50 – mit einem einzigen, gemeinsamen Fest zu feiern, ist bestechend.

Die Alpnacher Jungwacht wurde 1959 von Kaplan Johann Imfeld gegründet. Leiter zogen damals von Haus zu Haus, um den neuen Verein vorzustellen. So kamen 30 Knaben zusammen. 1962 fand dann ein erstes Lager statt. Damals noch in einem Haus. Auch die Scharzeitung «Sender» wurde geboren. Und sie hat bis zum heutigen Tag Bestand. Aufhorchen liess 1963 die flotte Clairongarde der Jungwacht Alpnach. Seit den 1970er-Jahren trifft man sich im Vereinslokal zwischen Pfarrhaus und Bahnhof. Auch haben sich die Jungwächter für ihre Sommerlager Zelte angeschafft. Interessant: Diese teilen sie mit dem Blauring, der sie jeweils in der dritten und vierten Ferienwoche am gleichen Lagerort übernimmt.

Bald zogen die Mädchen nach

«Was die Buben können, gelingt uns Mädchen auch», sagten sich 1968 die jungen Frauen Theres Leupi, Silvia Britschgi und Helen Jöri. In dieser Zeit, in der Mädchen oft noch zu Hause mitzuarbeiten hatten und Jungwacht und Turnverein allein den Buben vorbehalten waren, brauchte es dazu einigen Mut. Bis heute gültige Worte, die Theres Leupi vor 50 Jahren aussprach: «Mädchen sollen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bekommen!»

Mutter Leupi nähte damals gleich 50 hellblaue Blusen als Zeichen der Zusammengehörigkeit. Ab sofort gab es Gruppenstunden, und Mädchen lernten das Kartenlesen oder Morsen. Sport und Basteln erhielten nun den gleichen Stellenwert. Mit Papiersammeln verdiente sich die Blauringschar Geld für die Lagerkasse. In den nächsten 20 Jahren lernten dann Alpnacher Mädchen in Lagern – genau wie die Buben – verschiedene Teile der Schweiz kennen.

Erfahrungen an die Jungen weitergeben

Das Jubiläum mit dem Turm zeigt es deutlich: In Alpnach gibt es zwischen Jungwacht und Blauring eine funktionierende Zusammenarbeit. Ronny Barmettler (gelernter Zimmermann, Scharleiter und OK-Präsident des Jubiläums) betont: «Auch wenn wir getrennt sind, unsere Idee ist die gleiche – auch bei so einem grossen Fest.» Die Jungwachtschar zählt heute 70 Buben und 25 kreative Leiter. Fabian Krummenacher, einst Leiter, heute Jus-Student, fügt bei: «Wir bieten Kindern gute Möglichkeiten, Kameradschaft zu erleben und vor allem auch in die Natur hinaus zu gehen.» Da stimmt auch die Blauringleiterin und angehende Lehrerin Daria Amstutz voll bei. «Wir sind 21 Leiterinnen», sagt sie, «und zählen bis zu hundert Mädchen, von denen aber nicht alle aktiv sind.» Amstutz’ Motivation: «Ich habe als Kind im Blauring viele gute Erfahrungen gesammelt, die will ich jetzt weitergeben, indem ich als Leiterin selber Verantwortung übernehme.»

Am Samstag geht das Jubi-Fäscht von Blauring und Jungwacht im Alpnacher Chilcherli über die Bühne. Ab 13  Uhr Spiel und Spass für Jung und Alt. Um 17.30 Uhr Festgottesdienst und damit Start zur eigentlichen Jubiläumsfeier. Am Unterhaltungsabend – ab 19 Uhr mit Verpflegung aus der Festwirtschaft – werden u. a. Diashows der beiden Sommerlager geboten. Der Barbetrieb ab 20 Uhr schliesslich ist den Älteren (über 16 Jahren) vorbehalten.