Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Alpnacherin kann trotz Rollstuhl mit dem Gleitschirm abheben

Bei einem Gleitschirm-Absturz hat sich Angela Fallegger den Rücken gebrochen. Ihr Partner hat den Unfall miterlebt. Mit Kämpfergeist hecken die beiden Neues aus, um die Grenzen der Behinderung zu überwinden.
Janine Messerli, Schweizer Paraplegiker-Stiftung
Dank einer speziellen Konstruktion kann die an den Rollstuhl gebundene Angela Fallegger wieder Gleitschirmfliegen.Bild: Astrid Zimmermann/PD

Dank einer speziellen Konstruktion kann die an den Rollstuhl gebundene Angela Fallegger wieder Gleitschirmfliegen.Bild: Astrid Zimmermann/PD

Angela Fallegger (28) protestiert, als der Physiotherapeut in der Rehabilitation im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil sie für Schwimmübungen zum Kinderbecken führt. Schliesslich hat sie das Brevet als Rettungsschwimmerin und zwei gesunde Arme. Sie will ins richtige Schwimmerbecken. «Als er mich dann ins Wasser herabliess, war ich verdutzt. Mein Kopf und meine Beine tauchten sofort unter, während mein Hintern wie eine Boje an der Wasseroberfläche schwamm.» Angela Fallegger lacht herzhaft über sich selbst. Der Therapeut half ihr rasch heraus. Mittlerweile schwimmt sie wieder so gut, dass sie sich im Wasser sicher fühlt. Das ist wichtig, denn die Paraplegikerin segelt fürs Leben gern.

Viele halten sie für verrückt, weil sie weiterhin Gleitschirm fliegt und segelt. Aber sportliche Aktivitäten bleiben für sie ein grosses Bedürfnis: «Der Unfall war mit enormen Schmerzen und vielen Rückschlägen verbunden. Ich habe diesen Kampf nicht umsonst gekämpft. Ich möchte meine zweite Chance nutzen und die Dinge tun, die noch möglich sind – und ein bisschen Adrenalin gehört einfach dazu.»

Absturz aus siebzehn Metern

Es geschah vor drei Jahren. Angela Fallegger hatte sich mit zwei Kolleginnen zum Fliegen verabredet. «Die Thermik war gut, wir konnten lange in der Luft bleiben», erzählt sie. «Als wir zur Landung ansetzten, muss ich ein kurzes Blackout gehabt haben. Das nächste Bild, an das ich mich erinnere, war ein Heu-Transportseil vor mir. Ich manövrierte, mein Schirm schoss nach vorne und es riss mich in hohem Bogen darüber hinweg. Dann sackte ich in die Tiefe.»

Beim Absturz hatte sie eine Höhe von etwa siebzehn Metern, erklärt ihr Partner Patrick Aggeler. Er ist Fluglehrer an der Gleitschirmschule Emmetten und hat den Unfall beobachtet. Auf der Unfallstelle spürte Angela Fallegger bereits, dass ihr Rücken gebrochen war und sie innere Blutungen hatte. Als Pflegefachfrau konnte sie ihre eigene Diagnose stellen, das gab ihr ein kleines Stück Kontrolle über die dramatische Situation zurück.

Es folgten drei acht- bis zehnstündige Operationen. Der zertrümmerte Rückenwirbel wurde durch einen künstlichen ersetzt, das gebrochene Becken mit Schrauben stabilisiert, der offene Beinbruch und der Fuss operiert.

Wieder als Pflegefachfrau tätig

Den Alltag meistert Angela Fallegger in ihrer barrierefrei umgebauten Wohnung in Alpnach heute weitgehend selbstständig. Von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung erhielt sie einen Direkthilfebeitrag für den Umbau ihres Autos. So konnte sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. «Zuerst bekam ich die Nachricht, dass ich wohl nicht mehr in meinem Beruf arbeiten kann. Das hat mich zutiefst getroffen.» Dann stand das Thema einer Umschulung im Raum. Doch Angela Fallegger hatte Glück und konnte dank der Unterstützung ihres Teams wieder ihren angestammten Beruf als Pflegefachfrau aufnehmen.

Freund Patrick Aggeler ist ein Tüftler. Er konzipierte den Flug-Rollstuhl für ihre Tandemflüge und den Umbau des Segelschiffs. «Patrick ermöglicht mir dadurch sehr viel», sagt Angela. Verschworen hecken die beiden Tricks aus, um der Behinderung ein Schnippchen zu schlagen. Viele Liebesbeziehungen zerbrechen an so einem Unfall. Wie schaffen es die beiden, weiterhin gemeinsam glücklich zu sein? «Miteinander reden ist wichtig – auch über Frustrationen und Rückschläge», sagt Patrick Aggeler. «Dann denken wir an die schlimmsten Tage zurück und schätzen, was wir schon alles gemeistert haben.»

Wenn Angela Fallegger an die Zukunft denkt, sagt sie: «Mein grösster Wunsch ist, dass sich mein Körper stabilisiert und ich einen geregelten Tagesablauf erreiche. Und dass wir dann einfach geniessen, was wir zusammen haben.»

Dieser Artikel erschien im Gönner-Magazin «Paraplegie» der Schweizer Paraplegiker-Stiftung.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.