ALPNACHSTAD: Kleinigkeiten machen oft grosse Freude

Gäste lieben es, wenn man sie überrascht. Über dieses und weitere Geheim­rezepte tauschte man sich an einem Workshop auf der Gästival-Seerose aus.

Romano Cuonz
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Überraschung: Ursula Oehy (Mitte) und Mariella Lienhard von der Hoch­schule Luzern präsentieren Markus Bolliger, Geschäftsleiter Obwalden Tourismus, das Ergebnis der Umfrage. (Bild Romano Cuonz)

Überraschung: Ursula Oehy (Mitte) und Mariella Lienhard von der Hoch­schule Luzern präsentieren Markus Bolliger, Geschäftsleiter Obwalden Tourismus, das Ergebnis der Umfrage. (Bild Romano Cuonz)

«Gemäss einer sorgsam erhobenen Umfrage geben Gäste der Region Zentralschweiz punkto Gastfreundschaft die Note 6,2 auf einer Skala mit dem Maximum von 7», erklärte Ursula Oehy, Kommunikationsmitarbeiterin in einem Gästival-Projekt der Hochschule Luzern. Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren rund 40 Obwaldner Tourismus-Leistungsträger: Vertreter von Hotels und Restaurants, Ferienwohnungsvermieter, Anbieter von Aktivitäten oder Leute von «Friendly Hosts». Alle sind sie auf die Seerose gekommen, um an einem Workshop von Obwalden Tourismus zum Thema Gastfreundschaft miteinander zu diskutieren.

Touristiker mit «schlechtester» Note

Ihr Erstaunen über die ­ausgezeichnete Note war denn auch gross. Kein Wunder: In der gleichen Umfrage hatte sich unsere Bevölkerung die Note 5,6 gegeben. Die Touristiker selber aber gar nur eine 4,7. Trotz der guten Einschätzung durch die Gäste forderte Markus Bolliger, Geschäftsleiter Obwalden Tourismus, die Teilnehmer auf, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen. Für den Gast müsse man immer noch mehr tun. Und was dieses «Mehr» nun sein könnte, darüber wurde lebhaft und engagiert diskutiert. Auch tauschten die Tourismus-Anbieter wertvolle Erfahrungen miteinander aus.

Erlauben, nicht verbieten

«Wir von der Bruderklausenstiftung Sachseln haben gute Erfahrungen da-mit gemacht», proklamierte Remo ­Rainoni, «wenn wir den Gästen nicht ständig sagen, was verboten ist, sondern auf Tafeln, Schildern, Drucksachen und auch in Gesprächen vielmehr darauf hinweisen, was alles sie dürfen.» Mit Verena Theiler von «Friendly Host» zusammen plädierte er dafür, dass man die Gäste, wenn immer möglich, in ihren eigenen Sprachen begrüssen müsste. Auch zu Schweizern mit andern Dialekten solle man Brücken schlagen. Dankbar angenommen würden Insider-Tipps für oft kleine Sachen, die man Prospekten kaum entnehmen könne.

Kleine Überraschungen

Manuela Gugger-Käslin, Ferienwohnungsanbieterin auf Melchsee-Frutt, sprach den Älplern ein Lob aus. Wanderer seien verblüfft, wenn ihnen auf den Wegen Einheimische freundlich ihre Köstlichkeiten anpriesen und Kindern sogar gratis etwas zum Trinken gäben. «Das bewegt viele zum Wiederkommen», sagte sie. Federica Birve brachte zwei Beispiele, wie Anbieter von Aktivitäten ihre Gäste bei der Stange halten können. «Kanuverleiher überraschen ihre Gäste, wenn sie die Boote zurückbringen, mit einem Gratiseintritt in die Badeanstalt», erzählte sie. Da sei einem ein Lächeln gewiss. Oder, mit einem Blick auf den Winter: «Wir haben in Stalden Schlittenhunde und fordern die Gäste auch auf, ihnen das Futter zu geben. Wenn sie dann sehen, wie die freundlichen Tiere erst fressen, wenn auch der Gast am Tisch ist, sind sie erstaunt und erfreut.»

Lieblingsfarben und Humor

Philipp Moll vom Hotel Rössli in Alpnachstad wies darauf hin, dass man nicht sauertöpfisch reagieren dürfe, wenn indische oder chinesische Gäste mit ihrem «Give me!» (Gib mir!) oder «I want» (Ich will) an der Rezeption erschienen. «Ich habe gelernt, mit der interkulturellen Vielfalt lächelnd umzugehen», schmunzelte er. Neben Apéros für Gäste an gleich mehreren Abenden hat das Hotel Wilerbad noch eine besondere Idee. «Wir erkundigen uns bei ihnen nach ihrer Lieblingsfarbe, und beim nächste Aufenthalt hat ihr Zimmer als Überraschung diese Farbe», sagte Matthias Jost. Irene Aufdermauer von Melchsee-Frutt-Tourismus redete einer gesunden Portion Humor das Wort. Als ein Gast reklamierte, weil die Webcam im Winter auf dem Bonistock 30 Grad angab – jemand hatte den Fühler mit einem Feuerzeug bearbeitet –, lud sie ihn ein, die Badehosen einzupacken. Liegestühle stünden bereit! Auch das sei gut angekommen.

Maggie Lagermaat von Giswil Tourismus bereitet zur Freude ihrer Gäste individuelle Routenplänchen mit Höhenmetern, Zeit, Rastplätzen vor. Und Urs Wallimann vom Verein Obwaldner Wanderwege weiss, wie sehr die Gäste die Angaben zu Landschaft, Flora, ­Fauna und Kultur der zehn ausgebildeten Wanderleiter schätzen.

Am Ende der Tagung zog Markus Bolliger ein für Obwalden Tourismus positives Fazit: «Wenn ich die angeregten Gespräche höre und die interessanten Resultate sehe, dann finde ich, dass es sich gelohnt hat.»

Romano Cuonz