ALPNACHSTAD: Leere Halle ist gutes Zeichen

Die Bahn auf den Pilatus nahm gestern vor 125 Jahren den Betrieb auf. Zum Jubiläum wird Besuchern ein exklusiver Blick hinter die Kulissen gewährt.

Primus Camenzind
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Werner Kramer (rechts) führt die Teilnehmer durch die Werkstatt der Pilatus-Zahnradbahn. (Bild Corinne Glanzmann)

Werner Kramer (rechts) führt die Teilnehmer durch die Werkstatt der Pilatus-Zahnradbahn. (Bild Corinne Glanzmann)

Gestern um 10 Uhr morgens in Alpnachstad: Das Passagierschiff legt an, die Zentralbahn macht Halt. Auf dem schmucken Platz zwischen See und Talstation der Pilatus-Zahnradbahn geht ein Alphorn-Oktett in Stellung und heisst die Touristen aus aller Herren Ländern mit seinen Klängen willkommen. So viel darf es schon sein, exakt am Tag des 125-Jahre-Jubiläums! Die Gäste streben allerdings zügig auf den roten Triebwagen zu. Schliesslich steht eine faszinierende Fahrt auf 2073 Meter Höhe bevor.

Für eine Handvoll Männer im vorgerückten Alter gilt das allerdings nicht. Sie lauschen den Worten von Werner Kramer. Er ist Werkstattleiter der Zahnradbahn und wird seinen Gästen einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Bahn ermöglichen. Anstelle einer bequemen Bergfahrt gilt es vorerst, über steile Stiegen den Schiefersteinfelsen hinter der Talstation zu durchsteigen, um zum Depot und zu den Werkstätten zu gelangen.

Spezieller Vergleich mit Gotthard

Bei einer Verschnaufpause auf halbem Weg begründet der 84-jährige Ruedi Risi aus Buochs gegenüber unserer Zeitung seine Teilnahme an der Depotführung: «Ich bin ein grosser Freund von Bergbahnen und habe auch schon bei anderen Unternehmen an Führungen teilgenommen.» Hin und wieder lässt er sich mit seinem Lieblingstransportmittel auch in die Höhe fahren. «Der Atem und die Beine wollen aber schon nicht mehr so, wie ich will», meint er dazu.

Am Ziel angekommen, erhält die Gruppe von Werner Kramer einen Vergleich zu hören, der aufhorchen lässt: «Wenn die Eisenbahn an der Gotthard­rampe mit ihrer maximalen Steigungsleistung gleich viel Höhe gewinnen möchte wie unsere Zahnradbahn bei maximal 48 Prozent, müsste sie 200 Stundenkilometer schnell fahren.»

In der Fahrzeughalle stehen lediglich ein Chassis mit Heizöltank, ein multifunktionales Diesel-Triebfahrzeug für den Winterdienst und Wartungsarbeiten sowie eine rollende Plattform mit aufwendiger Hydraulik für den Einsatz der Schneefräse. «Das muss so sein», betont Kramer, «denn eine leere Halle oder Werkstatt bedeutet, dass alles Rollmaterial auf der Strecke ist und funktioniert.»

Mit Fragen durchlöchert

Es riecht nach Schmiermittel. Die Gleise und Zahnstangen im Depot und auf der gesamten Strecke am Berg werden regelmässig geschmiert. Sie sind deshalb auch nach jahrzehntelangem Befahren noch immer in einwandfreiem Zustand. Kramer beantwortet mit viel Kompetenz Fragen, die ein beachtliches Fachwissen voraussetzen. Der Herausgeber eines Magazins für den öffentlichen Verkehr, weitere von der Bahntechnik begeisterte Rentner sowie ein passionierter Berggänger wollen einiges über die Antriebstechnik und Fahrleistung, den Streckenunterhalt sowie den Winterdienst der Pilatus-Zahnradbahn in Erfahrungen bringen.

Nach etwas mehr als einer Stunde führt der Fussweg wieder steil bergab zum Aperitif im Chalet der Talstation. Ein spannender Ausflug hinter die Kulissen geht zu Ende.

Hinweis

Weitere Depotführungen jeweils freitags um 17.15 Uhr: 13./20./27. Juni; 4./11./18./25. Juli; 8./15./22./29. August; 5./12./19./26. September; 3./10. Oktober. Preis 30 Franken inklusive Apéro riche. Anmeldung erforderlich über Telefon 041 329 11 11 oder info@pilatus.ch