ALPNACHSTAD: Sie bespielen bald Instrumente des Zaren

Mit fünf Schülern geht’s im August ans internationale Klavierfestival Grand Piano in Palace nach St. Petersburg.

Birgit Scheidegger
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Mailyn Rebecca Streit mit ihren Schülern Pascal Zurmühle (links) und Schilo Streit, die beide mit ans Klavierfestival reisen. (Bild: Birgit Scheidegger (Alpnachstad, 26. Juli 2017))

Mailyn Rebecca Streit mit ihren Schülern Pascal Zurmühle (links) und Schilo Streit, die beide mit ans Klavierfestival reisen. (Bild: Birgit Scheidegger (Alpnachstad, 26. Juli 2017))

Birgit Scheidegger

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Vor rund einem Jahr mieteten sich Mailyn und Bernhard Streit mit ihrer Klavierakademie im restaurierten Majorenhaus in Alpnachstad ein. Eine erste Bilanz fällt positiv aus: «Wir unterrichten derzeit zu viert rund 60 Schüler zwischen 4 und 76 Jahren aus der ganzen Schweiz», unterstreicht Mailyn Streit, diplomierte Klavierpädagogin sowie Pianistin, Sopranistin, Buchautorin und künstliche Leiterin der Akademie. Zusätzlich wird das pädagogische und pianistische Nachdiplomstudium für Klavierlehrer angeboten.

Basierend auf der so genannten Schneemannmethode entwickelte Streit mit Mypianoline eine innovative und revolutionäre Lernmethode, bei der die Schüler das ganzheitliche Klavierspiel in kürzester Zeit verstehen. «Das Unterbewusstsein lernt in Bildern und Vorstellungen. Dadurch können sich Schüler und Lehrer mit Freude und Leichtigkeit am Instrument ausleben und kommen von Anfang an zu hörbaren Erfolgserlebnissen», erklärt die Klavierpädagogin. «Wir wollen nachhaltige Freude fördern, sodass die Schüler ihr ganzes Leben lang Freude am Klavierspiel haben.» Neben dem Unterricht werden im Majorenhaus regelmässig Klavierkonzerte mit Weltklassik angeboten.

Nach 200 Jahren wieder ein Festival

«Bei einem dieser Konzerte trat Alexander Yakovlev, ein brillanter Vertreter der russischen Klavierschule, auf», erzählt Mailyn Streit. «Von ihm wurde ich dann als Gastprofessorin zum Piano-Festival in St. Petersburg eingeladen, und er hat alles organisiert.» Mit fünf ihrer Schüler sowie einigen Begleitpersonen geht es vom 10. bis 20. August ins russische Museum im Zarendorf, in dem seit 200 Jahren erstmals wieder ein Klavierfestival stattfindet. «Es werden rund 50 Klavierschüler aus der ganzen Welt teilnehmen, um die einmalige musikalische Atmosphäre aufzunehmen», freut sich Mailyn Streit. Die Schüler erhalten als Teil des Festivals die Möglichkeit, mit international bekannten Klavierpädagogen zusammenzuarbeiten sowie an Konzerten teilzunehmen. «Zwei Schüler haben zudem die Gelegenheit, mit einem Kammerorchester zu spielen.»

Ein Schüler ist Pascal Zurmühle aus Kägiswil, der erst seit Februar 2017 Klavier spielt. «Ich freue mich, etwas Neues zu lernen und Tage mit gleichgesinnten Menschen zu verbringen», betont der 28-Jährige. «Beim Unterricht mit den Professoren kann ich in vielerlei Hinsicht profitieren.» Er hatte immer eine Beziehung zur Musik. Trotzdem hatte er bis im Januar nie ein Instrument in den Händen. Erst als er via Facebook von der Klavierakademie erfuhr, meldete er sich zu einer Probelektion an. Wer ihn heute beim Spiel beobachtet und seinen Klängen lauscht, glaubt kaum, dass er erst seit einem halben Jahr spielt.

Ganz anders der sechsjährige Schilo, Sohn von Mailyn Streit und ihrem Mann Bernhard. Er wird wohl als jüngster Teilnehmer auch mitreisen. «Schilo ist mit der Musik aufgewachsen und bereits mit vier Jahren an Schülerkonzerten aufgetreten.» Für seinen Auftritt in Russland übt er jeden Tag. Man merkt seinem Spiel die Begeisterung an. Sagen will er nicht viel, nur dass er ein wenig aufgeregt ist und sich auf die Reise freut. Seine Mutter sagt: «Meinen Schülern so ein einmaliges Erlebnis zu ermöglichen, ist etwas Besonderes, vor allem auch, weil sie die Gelegenheit bekommen, auf antiken Instrumenten des ehemaligen russischen Zaren zu spielen.» Sie verspricht sich neue Impulse und will die Chance nutzen, um ihre Lernmethode, das gehirngerechte Lernen, nach aussen zu tragen. «Alles, was wir hier in Alpnachstad machen, soll mehr Aufmerksamkeit bekommen, von alten Traditionen lösen und den Zugang zum Klavierspiel fördern. Ausserdem wollen wir andere Pädagogen sensibilisieren, diese Methode im Unterricht anzuwenden.» Das Festival und die Sommerakademie Grand Piano in Palace bietet den Teilnehmern neben Unterricht, Konzerten und dem Austausch mit Gleichgesinnten auch ein kulturelles Programm, um die historischen Sehenswürdigkeiten St. Petersburgs zu erkunden. «Das dritte internationale Piano-Festival, das vom 9. bis 19. August 2018 stattfindet, ist übrigens in Alpnachstad geplant», verrät Mailyn Streit.

Hinweis

Nächstes Klavierkonzert im Piano-Salon im Majorenhaus in Alpnachstad am 20. August um 17 Uhr mit Shoko Kawasaki.