Alt Nationalrat Karl Vogler: «Keiner hat gesagt, endlich tritt er ab»

Es ist das Jahr der grossen Veränderung für Karl Vogler. Nach acht Jahren als Nationalrat startet er in einen neuen Lebensabschnitt. In unserer Neujahrsserie Rückblick/Ausblick äussert er klare Vorstellungen für seine Zukunft.

Philipp Unterschütz
Hören
Drucken
Teilen
Karl Vogler in seiner Anwaltskanzlei.

Karl Vogler in seiner Anwaltskanzlei.

Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 28. August 2019)

Eine «lebensprägende» Zeit ging für Karl Vogler (63) Anfang Dezember zu Ende. Seit 2011 war der Lungerer CSP-Politiker der einzige Obwaldner Vertreter im Nationalrat. «Es ist schon eine starke Zäsur», meint er rückblickend in seinem Büro in Kerns. Man müsse im Nationalrat jederzeit auf alles gefasst und unglaublich präsent sein. «Das macht einem dann aber auch sehr gelassen und abgeklärt. Und man muss vieles aufnehmen und auch schnell wieder wegstecken können.» Dafür brauche es die Fähigkeit mit Niederlagen umgehen zu können. «Es muss immer weitergehen, man braucht die Energie wieder für Neues. Mich haben die acht Jahre im Nationalrat definitiv stärker gemacht.»

Ein zunehmendes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik, musste auch Karl Vogler ab und zu feststellen. Da gab es schon auch mal E-Mails unter der Gürtellinie. «Leider tragen einzelne Politiker auch selber dazu bei, wenn sie beispielsweise ihr Amt für persönliche Interessen missbrauchen. Politiker sollten bei der Übernahme von Verwaltungsratsmandaten sensibler sein, aber auch bei der Umsetzung der Volksaufträge», ist Karl Vogler überzeugt. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist in seinen Augen aber auch nicht bewusst, welchen Wohlstand wir in der Schweiz haben. Und dafür habe die Politik einen grossen Beitrag geleistet. «Ich habe schon etwas Mühe mit Leuten, die ständig gegen die Politik oder unsere Institutionen wettern.» Die oft unverrückbar festgefahrenen Ideologien, die man im Bundeshaus antreffe, werde er gar nicht vermissen. Insbesondere als einzige Stimme eines Kantons dürfe man nicht Anliegen einfach zum Vorneherein ablehnen, nur weil sie aus der vermeintlich falschen politischen Ecke kämen. «Man muss den ganzen Kanton im Fokus behalten.»

An hängigen Vorstössen bleibt er weiter dran

Für seine Zukunft hat er nach der Beendigung seines Mandats im Nationalrat klare Vorstellungen: «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Anfragen für Mandate und Ämter bekomme.» Verwaltungsratsmandate übernehme er weiterhin keine. Nur bei karitativen oder kulturellen Anfragen sage er nicht zum Vorneherein Nein. Seine berufliche Zeit wird Karl Vogler weiter seiner Anwaltskanzlei widmen. Präsident des Vereins Kulturlandschaft Obwalden will er vorerst bleiben, das Präsidentenamt der Kirchgemeinde Lungern möchte er 2020 abgeben. Und selbstverständlich wird er weiter Mitglied der CSP Obwalden bleiben. Er verspüre auch eine gewisse Wehmut. «Die Arbeit als Nationalrat hat mich begeistert und fasziniert.» Und er sei der Obwaldner Bevölkerung überaus dankbar, für das Vertrauen, das sie ihm geschenkt hätte. «Das Gefühl, getragen zu werden, war für mich enorm motivierend.» Viele Briefe, E-Mails und gar kleine Geschenke habe er in den letzten Wochen bekommen, auch von Bundesräten. «Eigentlich ist es selbstverständlich, dass sich Politiker engagieren. Einen Dank dafür habe ich nicht erwartet – schon gar nicht in diesem Ausmass.» Auf die Frage, welche Note er sich selber geben würde, lacht Karl Vogler. «Das überlasse ich anderen. Es hat mir jedenfalls keiner gesagt, ‹endlich tritt er ab›».

Noch sind diverse Vorstösse von ihm hängig, oder Geschäfte, in die er stark involviert war. Damit die Vorstösse weitergeführt werden, hat er sie seinem Kollegen Stefan Müller-Altermatt, CVP Nationalrat aus Solothurn, weitergegeben. «Mit ihm werde ich mich weiterhin rege austauschen. Ich will selbstverständlich, dass damit etwas erreicht wird», sagt Karl Vogler.

Umweltpolitik geht alle an, nicht nur Grüne

Auf die Frage, wie er das neue, grünere und weiblichere Parlament sehe, antwortet Karl Vogler, es sei entscheidend, wie es den Bürgerlichen gelinge, mit den grünen Anliegen umzugehen. «Wenn sie eine ernsthafte grüne Politik betreiben, werden sie an Stärke gewinnen. Ich sage immer, wenn man die Umweltpolitik den Grünen überlässt, werden die Parlamente rot.» Umweltpolitik sei ein urbürgerliches Anliegen und dürfe nicht den Grünen übergeben werden, sondern betreffe schlicht und einfach Jeden und Jede von uns. Es mache ihm Sorge, dass die Bürgerlichen hier zu lange zu nachlässig waren. «Wir haben zu lange gewartet, jetzt stehen wir vor Problemen, die wir kaum mehr lösen können.» Sorgen macht er sich – neben der Klimaerwärmung – insbesondere wegen des alarmierenden Artensterbens, das viele noch gar nicht richtig realisiert hätten.

«Ich bin ein Bauernsohn und war es in meinem Herzen immer. Eine Stunde in der Natur gibt mir mehr als zwei Wochen Ferien am Strand. Das ist nichts für mich.» Die Naturverbundenheit wird Karl Vogler künftig mit seinen Geissen so richtig ausleben. Seine drei Muttertiere werden im Frühling Junge haben. Jeden Morgen und Abend wird er neben seiner Notariatsarbeit noch einige Stunden im Stall verbringen. Und wieso ausgerechnet Geissen? «Sie sind frech, neugierig und unberechenbar. Die Auseinandersetzung damit reizt mich.»