Alter Kernser Stall wird zu klein zum Bierbrauen

Die Kernser Ponäly-Biere werden immer beliebter. Nun wollen die drei Kleinbrauer kräftig investieren.

Matthias Piazza
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Jonas Blum (hinten), Dani Durrer (vorne links) und Per Müller in ihrer Kleinbrauerei Ponäly.

Jonas Blum (hinten), Dani Durrer (vorne links) und Per Müller in ihrer Kleinbrauerei Ponäly.

Bild: Matthias Piazza (Kerns, 16. Januar 2020)

Was wie ein normaler Bauernhof aussieht, entpuppt sich beim Eintreten als etwas ganz anderes. Drinnen sind Jonas Blum, Dani Durrer, und Per Müller in ihrem Element. Aus dem ehemaligen Stall haben sie eine Bierbrauerei gemacht. Ein süsslicher Duft liegt in der Luft. Trotz winterlicher Temperaturen draussen und fehlender Heizung ist es gegen 30 Grad warm. Gasflammen erhitzen zwei Sudkessel, in denen in einem mehrstufigen Verfahren Bier entsteht.

In diesem Vorgang werden daraus ein belgisches Blonde Ale mit Orangenschalen und Koriander und «dr Hiäsig» mit Braugerste aus dem Mittelland, Schweizer Hopfen und Wasser aus den Kernser Bergen. «Wir produzieren übers Jahr rund ein Dutzend Biersorten – von süss bis ganz bitter», erklärt Jonas Blum. Dafür habe jedes Bier seinen ganz speziellen Charakter. «Unser Ziel ist nicht, dass eine bestimmte Biersorte möglichst vielen Leuten mundet, sondern dass es seine Liebhaber findet», hält der 34-jährige Sarner fest.

Gegen 4000 Liter werden jährlich gebraut

Die Marke Ponäly kommt an. Gegen 4000 Liter werden mittlerweile pro Jahr produziert und an eine Handvoll Restaurants, Bars und Läden in der Umgebung vertrieben. Auch bei Festen hat sich Ponäly einen Namen gemacht. So war das Bier etwa am Unplugged-Festival vom vergangenen Sommer auf dem Landenberg ob Sarnen oder am Unterwaldner Biertag am letzten Oktober in Engelberg erhältlich. Dafür opfert jeder der drei rund 400 Stunden pro Jahr fürs Brauen – gratis. Die Einnahmen vermögen knapp die Kosten für Hopfen, Malz, Raummiete und Sonstiges zu decken.

In einem weiteren Schritt will nun das Trio mit seiner Biermarke richtig Fuss in der Gastronomie fassen. Bisher hat es nur auf Anfrage geliefert und nie bei Restaurants sein Bier angepriesen – aus gutem Grund. «Wir könnten nicht garantieren, zuverlässig liefern zu können», begründet Dani Durrer (34) aus Kerns die Zurückhaltung. Das soll sich ändern. Sie haben grosse Ausbaupläne. Eine grössere Anlage soll 500 Liter verarbeiten können. Dafür braucht es auch einen grösseren Raum. Die Rede ist von Investitionen über 100000 Franken. 25000 Franken wollen die drei Bierbrauer aus dem eigenen Sack finanzieren, den Rest über das am vergangenen Freitag gestartete Crowdfunding, das bis am 15. März läuft. Wie üblich bei dieser Art der Finanzierung gibt’s eine Gegenleistung. Wer etwa 3000 Franken spendet, darf helfen, eine neue Biersorte zu kreieren.

Das erste Bier wurde im Wald gebraut

Das Bierbrauen soll ein Hobby bleiben. Darin sind sich Aviatik-Projektleiter Dani Durrer, Maschinenbau-Ingenieur Jonas Blum und der 38-jährige Kernser Kältetechniker Per Müller einig. Gegen einen kleinen Gewinn im Sinne eines Lohnes hätten sie allerdings nichts.

Auf den Biergeschmack kam Jonas Blum vor über zehn Jahren, als ihm sein Vater einen Braukurs geschenkt hatte. «Das Ergebnis überraschte mich positiv», erzählt er. Das Feuer war entzündet. Mit Dani Durrer und Per Müller fand er Gleichgesinnte. Zu Beginn brauten sie das Bier im Wald, auf mitgebrachten mit Holz beheizten ehemaligen Waschkesseln. Mit der Zeit wurde ihnen das aufwendige Einrichten zu mühsam und sie zügelten an den jetzigen Standort auf dem Bauernhof.

«Auf meinen Reisen durch England und die USA beeindruckte mich der hohe Stellenwert des Bieres, auch als Getränk zu einem Essen», erzählt Dani Durrer. Auch wenn es schon viele Kleinbrauereien gibt, sind die drei überzeugt, dass der Markt dafür nicht übersättigt ist. Zuversichtlich sagt Jonas Blum: «Es gibt nie genug gutes Bier.»

Am Samstag, 25. Januar, von 11 bis 21 Uhr gibt es in der «Aateigi», Brünigstrasse 12a, Sarnen, eine Ponäly-Degustation. Ponäly: www.ponäly.ch, Crowdfunding: www.funders.ch