Noch mehr Coronafälle im Alterszentrum Alpnach – auch Personal ist betroffen

Das Alterszentrum Allmend muss übliche Arbeiten einstellen, um auf steigende Infektionszahlen reagieren zu können. In allen Bereichen des Altersheims ist auch Personal von Ansteckungen betroffen.

Martin Uebelhart
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Die Coronasituation im Alterszentrum Allmend in Alpnach hat sich verschärft. Nachdem vergangene Woche ein Bewohner und mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden waren, gibt es inzwischen mehr infizierte Personen. Während im Dorf zu hören ist, dass sich bis auf drei sämtliche der 43 Bewohnerinnen und Bewohner angesteckt hätten, gibt Geschäftsführer Hansjakob Schmid keine Auskunft, was die Zahl der Fälle angeht. Er bestätigt auf Anfrage lediglich, dass es mehr Personen sind als noch letzte Woche. Bisher habe niemand in Spitalpflege überführt werden müssen.

Das Alterszentrum Allmend in Alpnach.

Das Alterszentrum Allmend in Alpnach.

Bild: Robert Hess (Alpnach, 12. Oktober 2020)

Im Fall von Infektionen mit dem Coronavirus gälten klare Regeln, sagt Schmid: «Wer positiv getestet wird, muss für zehn Tage in Isolation und weitere 48 Stunden symptomfrei sein.» Personen, die in der Nähe der Infizierten gewesen seien, müssten sich für zehn Tage in Quarantäne begeben und würden ebenfalls getestet. «Die Bewohnerinnen und Bewohner in unserem Haus sind eine Lebensgemeinschaft. Sie können sich untereinander frei bewegen. Sie sollen so weit wie möglich ein selbstbestimmtes Leben führen und werden von uns in dem Masse unterstützt, wie sie Hilfe brauchen», so Schmid. In der Folge habe es den einen oder anderen positiven Test unter den Bewohnern gegeben.

Nach wie vor ist das Haus geschlossen. Nachdem die externen Mittagsgäste zunächst in einem separaten Raum gegessen hatten, könnten nun auch sie das Alterszentrum nicht mehr betreten, hält Hansjakob Schmid fest. Für sie sei ein Mahlzeitendienst aufgezogen worden.

Höherer Aufwand für das Personal

Dass sich Personen in Quarantäne befinden oder isoliert sind, bedeutet für das Personal wegen der Schutzmassnahmen einen höheren Aufwand. Insgesamt beschäftigt das Alterszentrum 74 Personen inklusive Lehrtöchter und Praktikantinnen. Und auch unter ihnen gebe es solche mit positiven Coronatests. Auch sie müssten sich in Isolation begeben. Betroffen seien mit Administration, Küche, Pflege und Hauswirtschaft sämtliche Bereiche des Alterszentrums. Man unterstütze sich in dieser Situation bereichsübergreifend. «Die üblichen Arbeiten sind teilweise eingestellt worden», sagt Schmid, etwa die regelmässige Reinigung der Zimmer. Leute aus der Hauswirtschaft, die sonst zum Beispiel mit der Reinigung befasst seien, würden nun beim Service aushelfen. Weitere zwei seiner Mitarbeitenden würden nicht mehr zur Arbeit kommen, weil sie selber ein erhöhtes Gesundheitsrisiko hätten im Falle einer Covid-19-Ansteckung. «Sie stehen auf unserer Lohnliste, doch für ihren Ausfall erhalten wir von keiner Versicherung eine Kompensation», betont Schmid.

Derzeit stünden noch genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Es werden wohl etwas mehr Überstunden anfallen, schätzt Schmid. Und einzelnen Mitarbeitern hätten auch Ferien gestrichen werden müssen. Diese könnten sie jedoch eins zu eins bis Ende des kommenden Jahres nachholen. Zudem sei das Zentrum mit dem Zivilschutz in Kontakt, um zwei Personen zur Unterstützung zu erhalten. «Ob das klappen wird, wissen wir noch nicht», so der Geschäftsführer.

Lage im Alterszentrum wird überwacht

Auf welchem Weg das Virus den Weg ins Alterszentrum gefunden habe, sei schwierig zu eruieren, sagt Hansjakob Schmid. Da gebe es viele Möglichkeiten unter den Bewohnern und den Mitarbeitenden. Nicht festzustellen sei auch, ob sich die Mitarbeiter innerhalb des Betriebs angesteckt hätten oder aber im privaten Bereich.

Die Lage im Alterszentrum werde eng überwacht, so Schmid. «Wir haben einen internen Krisenstab, der sich jeden Tag zu einem oder zwei Rapporten trifft.» In diesen Tagen kämen die ersten positiv Getesteten und Gesunden aus der Isolation heraus. Diese Personen könnten sich dann wieder frei im Haus bewegen. Auch auf begleitete Spaziergänge könnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner begeben. Der 100-jährige Mann, der Anfang Monat positiv getestet worden sei, sei weiterhin krank.

Noch völlig offen sei der Zeitpunkt, an dem das Haus wieder für Besucher geöffnet werde, sagt Hansjakob Schmid. Wenn allerdings jemand im Sterben liege oder andere schwierige Situationen vorlägen, wie etwa bei einer schweren Demenz, könnten Besuche unter speziellen Schutzvorkehrungen organisiert werden.

Kanton in erster Linie über das Contact-Tracing involviert

Unterstützung kommt auch vom kantonalen Gesundheitsamt. «Wir sind vor allem über das Contact Tracing in den Fall involviert», sagt Amtsleiter Patrick Csomor im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei würden sowohl bei den Bewohnern wie auch bei Angehörigen und Besuchern die Kontakte der infizierten Personen ermittelt. «Wir sind mit dem Alterszentrum seit dem ersten Fall in Kontakt», sagt er weiter. Man habe mit dem Heim auch angeschaut, wie sich die Situation bewältigen lasse, nicht zuletzt auch, was die Isolation und Quarantäne betreffe. «Wir würden die Personen am liebsten mehr zusammen nehmen und so betreuen», erklärt Csomor. In einem Spital sei das möglich und werde auch so gemacht. In einem Heim leben die Leute in ihrer eigenen Wohnung oder in ihrem Zimmer, da lässt sich dies nicht bewerkstelligen. Man habe mit dem Alterszentrum nach Lösungen gesucht, auch bei den täglichen Abläufen.

Mit Blick auf das Contact Tracing sei das Ziel, die Ansteckungsketten zu unterbrechen. «Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte Woche noch weitere Fälle aus der Situation in Alpnach haben werden.» Seit der ersten Anfrage in der vergangenen Woche sei es denkbar, dass auch noch Personen betroffen seien, die zuvor noch keine Symptome gezeigt hätten. «Ende Woche werden wir sehen, wie die getätigten Massnahmen nützen», hält Patrick Csomor fest.