Am Sarnersee gibt's eine Oase zu entdecken

Das Strandbad Wilerbädli gilt als Geheimtipp. Höchste Zeit sich mal unter die einheimischen Stammgäste zu mischen.

Carina Odermatt
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Das Wilerbädli wird wegen der gemütlichen Stimmung besonders geschätzt.

Das Wilerbädli wird wegen der gemütlichen Stimmung besonders geschätzt.

Bild: Carina Odermatt (Wilen, 18. Juli 2020)

Es ist klein. Ein Badibeizli und eine Liegewiese mit einem grossen Laubbaum in der Mitte, der an heissen Tagen Schatten spendet. Wer sich lieber von der Sonne rösten lassen will, kann sich mit einem Liegestuhl auf die Dachterrasse legen, die als Ruhezone markiert ist. Kinder spielen auf der Schaukel und hängen von der Kletterstange, die älteren paddeln mit einem Surfbrett raus zum Floss. Ein Junge läuft mit einem grünen Eimer vorbei. «Hast du einen Fisch gefangen?», ruft ihm Astrid Gasser zu. Die Pächterin des Wilerbädlis sitzt am blau-weiss gestreiften Tisch in ihrem Badikiosk, gönnt sich was Kühles zu Trinken und erzählt mit leuchtenden Augen von ihrem neuen Projekt: «Mit der Gastroszene hatte ich eigentlich nie etwas am Hut. Aber ich habe immer gedacht, mal ein Kaffee zu führen, das wäre schon was. Jetzt bin ich stattdessen im Strandbad und es ist genau das Richtige für mich.»

Viel Arbeit in das Bädli gesteckt

Das Wilerbädli gehört seit fast hundert Jahren zum Hotel Wilerbad, ist seit 1950 jedoch ein kostenloses, öffentliches Strandbad. Auch Sonnenschirme, Liegestühle, Töggelikasten und Surfbretter können gratis ausgeliehen werden. Dennoch wird das Bädli vorwiegend von Einheimischen und Gästen des Hotels Wilerbad besucht. Ab und zu stossen zufälligerweise ein paar Velofahrer auf das Strandbad, wenn sie das Willkommensschild oben an der Strasse entdecken. Noch gilt die kleine Oase jedoch als Geheimtipp.

Seit dieser Saison ist Astrid Gasser Pächterin des Wilerbädlis und führt es weitgehend unabhängig vom Hotel. Seit der Geburt ihres Sohnes vor 14 Jahren lebt die Bielerin in Alpnach, wo sie bei der Gemeinde kulturelle Anlässe organisiert und im Schulrat aktiv ist. Nun hat sie viel Arbeit in ihr neues Herzensprojekt – das Wilerbädli – gesteckt: das Badibeizli neu eingerichtet, Möbel gezimmert, eine Internetseite gestaltet und eine Menükarte zusammengestellt. «Mir ist wichtig, dass all meine Produkte aus der Gegend kommen», erzählt Gasser. So gibt es Kaffee aus Sarnen, Bier aus Kerns und Gin aus Beckenried. Auch das Essen bereitet sie als Gastroneuling selbst zu. «Die Arbeitstage sind lang und bei schönem Wetter bin ich immer hier. Natürlich ist das anstrengend, aber es macht mich glücklich.»

Pächterin Astrid Gasser schätzt den persönlichen Kontakt zu ihren Gästen und ist immer für ein Schwätzchen zu haben.

Pächterin Astrid Gasser schätzt den persönlichen Kontakt zu ihren Gästen und ist immer für ein Schwätzchen zu haben.

Bild: Carina Odermatt (Wilen, 18. Juli 2020)

Mehr Gäste als in den Jahren zuvor

Olivia Krummenacher und Tanja Röösli aus Wilen kommen mit ihren Kindern regelmässig ins Wilerbädli. Sie geniessen hier vor allem die Ruhe: «Es ist überschaubar und in Zeiten von Corona sind wir froh, dass man nicht so dicht gedrängt liegt wie in anderen Badis.» Tatsächlich habe es dieses Jahr aber bereits mehr Gäste als die Jahre zuvor. Ob das an der neuen Pächterin liegt oder daran, dass diesen Sommer viele Leute in der Schweiz bleiben, sei schwierig zu sagen. «Auf jeden Fall ist mit Astrid alles viel persönlicher geworden. Sie hat die Badi schön gestaltet und kennt die Namen aller Stammgäste», so die beiden Freundinnen.

Mittlerweile verschwindet die Sonne hinter dem Hügel und der Schatten des Baumes nimmt den ganzen Rasen ein. Die Familien machen sich trotz Protest der spielenden Kinder auf den Heimweg und Astrid Gasser deckt die Tische fürs Abendessen. Heute wird sie hungrige Schwimmer empfangen, die ihre Seeüberquerung bei ihr im Bädli beenden. «Ich würde hier gerne noch einige Jahre meine Gäste bewirten. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden, wie es läuft.»

Mehr Informationen unter: strandbad-wilerbadli.ch