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Serie

Am Seefeldsee wird gefischt, musiziert und gestaunt

Wer vom Mittelpunkt der Schweiz rund 30 Minuten bergwärts wandert, erreicht als Perle in der Landschaft den Sachsler Seefeldsee. Oft wird man dort vom Flötenspiel des Pächter-Obmannes Ernst Spichtig überrascht.
Romano Cuonz
Der Sachsler Seefeldsee liegt zu Füssen des Berges Haupt. (Bilder: Romano Cuonz (Aelggi, 13.Juli 2018))

Der Sachsler Seefeldsee liegt zu Füssen des Berges Haupt. (Bilder: Romano Cuonz (Aelggi, 13.Juli 2018))

Eine Gruppe von Wanderern hat eben den Moränenwall überquert, der das Sachsler Seefeld umgibt. Nun bietet sich den Leuten ein Blick, der unvergleichlich ist: Unter ihnen liegt ein tiefblaues Bergseelein. Überragt wird es von einem Kranz zackiger Berge, umsäumt von Alpmatten mit Bergblumen in leuchtenden Farben. Alpenrosen gibt es da, Enzian, Trollblumen, ja gar Edelweiss. Vor den Wanderern liegt – auf einer Höhe von 1821 Metern – der Sachsler Seefeldsee. Zu Recht wird er immer wieder als Perle in der Obwaldner Landschaft bezeichnet.

Bei Windstille spiegeln sich auf seiner Oberfläche das Brünighaupt, das Abgschütz oder das Seefeldstöckli. Und wie die Wanderer nun hinuntersteigen – zum Aelggibach, der silbrig glitzernd aus dem See fliesst – wird ihnen ein besonderes Erlebnis zuteil. Mit einem Mal kommen von einem Felsen über dem See helle Flötentöne. Tonart und Tonhöhe scheinen der Landschaft angepasst zu sein. Man hört die Melodie weitherum. Da und dort. Und als der unsichtbare Musikant den alten Obwaldner Landsgemeindemarsch beendet, schallt ihm von allen Seiten spontaner Applaus entgegen. Berggänger, die gerade vom Abgschütz heruntersteigen, klatschen in die Hände. Ein Fischer legt für Sekunden seine Rute ab.

Ernst Spichtig, der Flötler im Seefeld, ist weitherum zu hören. Er ist einer der neun Pächter des Seefeldsees.

Ernst Spichtig, der Flötler im Seefeld, ist weitherum zu hören. Er ist einer der neun Pächter des Seefeldsees.

Wer nun vom Seeufer zur kleinen Hütte über dem See hinaufsteigt, begegnet dem 73-jährigen Flötenspieler. Es ist der Sachsler Ernst Spichtig. Von Beruf ist er Architekt. Seine Leidenschaft aber ist seit jungen Jahren das Musizieren und das Jodeln. Wanderer, die bei ihm vorbeikommen und sich für das Konzert bedanken, lädt er auch einmal zu einem Glas Weisswein oder zu einem Obwaldner Kaffee ein. Dabei zeigt er gerne auch das kleine Instrument, dessen Schall sich über den ganzen See ausbreitet: Eine Sopranino-Blockflöte ist es. Die Virtuosität, die Spichtig darauf entfaltet – ob mit klassischen oder volkstümlichen Melodien – ist höchst erstaunlich.

Sogar ein Murmeltier pfeift mit

Während Ernst Spichtig diesen Sommer wieder einmal auf einem Stein sitzt und spielt, setzt auf der anderen Seeseite plötzlich ein Murmeltier ein. Mit scheinbar schrillen Pfiffen trägt es die Melodie mit. Eins übers andere Mal. Jetzt staunt sogar Ernst Spichtig. «Das Murmeltier nimmt meine Tonart und meinen Takt auf», anerkennt er. Dabei sei heute der Adler, der irgendwo einen Horst hat und hier oben oft kreist, weit und breit nirgends zu sehen.

Ein Murmeltier von der anderen Seeseite erwidert mit Pfiffen die Töne des Flötenspielers Ernst Spichtig.

Ein Murmeltier von der anderen Seeseite erwidert mit Pfiffen die Töne des Flötenspielers Ernst Spichtig.

Aus schierer Freude nimmt Spichtig jetzt auch noch einen Juiz: «Ab vom Gschütz» lautet der Titel des Liedes. Getextet und komponiert hat es André von Moos als Geschenk an Ernst Spichtig. Die letzten Zeilen sagen alles: «Wiä gäärn bin i da obä, bi zfridä jedes Mal, wiä gäärn han i diä Bärgä, myys stillä Heimattal ...». «Ich bin hier Hauptmann», erzählt Spichtig voller Stolz. Und fügt dann lachend bei: «Nicht militärisch, sondern im Steinmanndli-Klub, weil ich auf dem Gipfel des Haupts, 2313 Meter über Meer, ein Steinmanndli gebaut habe. Eines, das den ganzen See überblickt.»

Den «Steinmanndli-Klub» gibt es seit mehr als 50 Jahren und die Zahl der Steinmanndli, die seine Mitglieder gebaut haben, ist riesig. Daneben unterhält der Klub Jahr und Tag auch alle Wanderwege um den, und zum Seefeldsee.

Des Fischers Pflicht und Latein

Stets zur Stelle ist Ernst Spichtig, wenn der Forellenzüchter Winfried König Fische zum Bergsee bringt. Heute setzt er Regenbogenforellen, Bachforellen, Seesaiblinge und sogar einige wunderschöne kanadische Namaycush ein. «Wir sind neun Pächter und derzeit bin ich im Zweijahresturnus – wohl zum letzten Mal – ihr Obmann», erzählt Ernst Spichtig. Seine Pflichten in diesem Amt sind vielseitig. Er organisiert die Generalversammlung, das Tätigkeitsprogramm und das Wettfischen. Zudem ist er zuständig dafür, die Gemeinschaft nach aussen zu vertreten.

Jedes Jahr besuchen 500 bis 600 Fischer den Bergsee. Er selber, so gesteht Spichtig, habe als Bub hier oben weit eher Frösche als Forellen gefangen. Das sei damals noch erlaubt gewesen. Einen der grössten Fische aller Zeiten zog ein Junge aus dem Seefeldsee: Ein 87 Zentimeter langer und 6,5 Kilogramm schwerer Namaycush war es. Ernst Spichtig als Feinschmecker bevorzugt allerdings Trüschen, die es am Grund dieses Seeleins gibt. «Obwohl nie welche eingesetzt worden sind», weiss er. «Mein Schwiegervater Arnold von Flüe war ebenfalls langjähriger Pächter und hat immer beteuert, dass es Wandermönche gewesen seien, die die ersten Fische in die Bergseen gebracht haben», erinnert sich Spichtig. Und schmunzelt: «Ist es nicht wahr, bleibt es eine schöne Geschichte.»

Gut zu wissen

Anreise: Bis zum Parkplatz der Alp Aelggi gelangt man über eine Bergstrasse mit dem eigenen Auto oder einem Taxi. Ein Alpweg führt weiter zum Seefeldsee. Wanderzeit: Rund eine halbe Stunde.

Fischen: Vom 15. Juli bis Ende September kann man online oder im Berggasthaus Aelggialp und im Café zum Stein in Sachseln ein Tagespatent für 30 Franken beziehen. Damit darf man maximal sechs Fische fangen.

Verpflegung: Die Verpflegung nimmt man am besten im Rucksack mit. Wenn Älpler auf dem Berg sind, bieten sie in ihren Hütten auch Käse und Brot an. Eine bürgerliche Küche stillt am Ende eines langen Tages im Berggasthaus Aelggialp den Hunger. Hier findet man auch ein Nachtlager.

«Steinmandli»: Ein Unikum sind rund um den See herum – auf Berggraten und Gipfeln – die Steinmanndli. Die Figuren, die früher von Wegmachern als Wegweiser im Nebel gesetzt wurden, sind heute Kunstwerke des «Steinmanndli-Klubs Haupt».

In unserer Sommerserie stellen wir kleinere Seen in Obwalden vor, die zu verschiedensten Freizeitaktivitäten oder ganz einfach zum Verweilen und Geniessen einladen. Alle Beiträge finden Sie hier.

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