Sachseln

Appell für eine behindertengerechte Gemeindeverwaltung

Menschen mit Behinderungen sollen besseren Zugang zum Gemeindehaus haben. Dieser Wunsch wurde an der Sachsler Gemeindeversammlung laut.

Romano Cuonz
Drucken
Teilen
Nur der behindertengerechte Teilumbau des Gemeindehauses gab an der Gemeindeversammlung zu reden.

Nur der behindertengerechte Teilumbau des Gemeindehauses gab an der Gemeindeversammlung zu reden.

Bild: Romano Cuonz (26. November 2020)

Unter strikten Schutzmassnahmen hatten 89 Sachslerinnen und Sachsler an ihrer Gemeindeversammlung über die Jahresrechnung 2019, das Budget 2021 und vier Kredite in der Höhe von insgesamt einer guten Million Franken zu befinden. Eine Wortmeldung gab es einzig zum Kredit im Betrag von 180'000 Franken für den Umbau der Kindergartenräume im Gemeindehaus in Räume für das Rektorat und die Gemeindeverwaltung. Grundsätzlich wollte der Gemeinderat zum heutigen Zeitpunkt aufgrund der hohen Kosten keine strukturellen Eingriffe in die bestehende Bausubstanz vornehmen. Immerhin wird aber ein behindertengerechter Zugang zu Sitzungs- und Besprechungszimmern aller Abteilungen ermöglicht.

Claudia Dillier, Mitglied der Sachsler Kommission für Altersfragen und langjährige Mitarbeiterin bei Pro Infirmis und Pro Senectute, wollte mehr. Sie fragte: «Hat der Gemeinderat die eigenen Empfehlungen im Altersleitbild schlichtweg vergessen? Hätte da nicht die Chance für die Umsetzung dieses Anliegens bestanden?» Sie sei enttäuscht, dass der Gemeinderat die Beratungsstelle Hindernisfreies Bauen nicht in die Planung mit einbezogen habe. «Eine Kanzlei wie auch Planungszimmer und Besprechungsräume im Erdgeschoss und eine automatische Türe», so Claudia Dillier, «könnten die Zugänglichkeit für Menschen, die auf einen Rollstuhl, einen Stock oder Rollator angewiesen sind, abdecken, und auch Eltern mit Kinderwagen würden davon profitieren.» Auf einen Rückweisungsantrag aber verzichte sie dennoch, da ein erneuter Planungsaufwand zu grosse Verzögerungen bringen würde. Dilliers wörtliche Ermahnung: «Ich erwarte jedoch vom Gemeinderat, dass er die behinderungsgerechten Sitzungszimmer optimal einsetzt und sich für die Detailplanung von spezialisierten Fachstellen beraten lässt.» Gemeinderat Florian Spichtig führte als Gründe für die vorliegende Planung das denkmalgeschützte Gebäude und die hohen Kosten für eine hindernisfreie Anpassung mit Treppenlift bis zum obersten Stockwerk an. Er beteuerte jedoch, dass man mit den geplanten Massnahmen für die Zukunft flexibel bleibe und nichts verbaut werde.

Diverse Kredite, Wahlen und Ehrungen

Weitere Wortmeldungen gab es zu den traktandierten Geschäften nicht. Die Rechnung 2019 mit einem Ertragsüberschuss von 783'895 Franken wurde diskussionslos genehmigt. Auch zum Budget 2021 mit einem Aufwandüberschuss von 877'000 Franken gab es keine Fragen. Gleichermassen unbestritten waren die weiteren Kreditgeschäfte: 335'000 Franken gehen in die Sanierung der Kanalisationsleitung bei der Wohnüberbauung Wissibach. 280'000 Franken ermöglichen den Umbau der Schulküche im Schulhaus Mattli in Räume für die Musikschule. Und 238'000 Franken, dazu ein Betriebsbeitrag von jährlich 15'800 Franken, gehen an die Erweiterung des Hallenbades Obwalden in Kerns.

In die Rechnungsprüfungskommission wurden neu Fabian Egger und Sandro Rossi gewählt, das Präsidium übernimmt das bisherige Mitglied Dominik Rohrer. Hermann Spichtig wurde als Gemeindeweibel für eine weitere Amtszeit bestätigt. Vom Fragerecht machte Laura Birve im Namen einiger Familien Gebrauch. Sie wollte wissen, ob und wann der Gemeinderat auf seinen Entscheid, keinen Ausbau des Angebots an schulergänzenden Tagesstrukturen vorzunehmen, zurückkomme. Dazu wollte der Gemeinderat allerdings keine Aussage machen. Im Anschluss an die Gemeindeversammlung ehrte der Sachsler Gemeinderat noch vier erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler: den Sturmgewehr-Schweizer-Meister Hans Beat Vogler sowie die an der Karate-Schweizer-Meisterschaft mit Bronze ausgezeichneten Sachslerinnen Nina Anderhalden und Sandra Rohrer. Schliesslich auch noch Elias Laky, einen Schweizer Meister im Springreiten der Kinder.