Arbeit und Digitalisierung: Ein Blick in die Kristallkugel am «Microtalk» in Alpnach

Mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt hat sich der «Microtalk» des CSEM am Montag befasst. Wissenschaftler Toni Wäfler zeigte Risiken und Chancen auf.

Marion Wannemacher
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Helmut F. Knapp, Leiter CSEM Alpnach (links), im Gespräch mit Dozent Toni Wäfler. (Bild: Marion Wannemacher (Alpnach, 19. März 2019))

Helmut F. Knapp, Leiter CSEM Alpnach (links), im Gespräch mit Dozent Toni Wäfler. (Bild: Marion Wannemacher (Alpnach, 19. März 2019))

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Vortragsraum im Centre Suisse d’Electrotechnique et de Microtechnique (CSEM). Zum «Microtalk» kommen jeweils Vertreter aus Forschung, Wirtschaft und Politik zusammen. Am Montagabend fanden sich unter anderem Landammann Christoph Amstad und der Sarner Gemeindepräsident Jürg Berlinger ein. Das Thema des Vortrags interessierte: Wie wird Digitalisierung unsere Arbeit verändern?

Prognosen seien zwar schwierig, besonders wenn sie die Zukunft beträfen, witzelte Toni Wäfler, Dozent und Forscher an der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er versprach trotzdem, einen Blick in die Kristallkugel zu riskieren.

Wäfler plädierte in seinem Vortrag dafür, dass Automatisierung nicht automatisch den Verlust von Arbeitsplätzen bedeute. «Die Geschichte zeigt uns, dass wir in den verschiedenen Wellen der Automatisierung mehr Arbeit und mehr Wohlstand gehabt haben. Laut einer gemeinsamen Studie mit der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und dem Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie gebe es in der Schweiz einen hohen Stand an konventioneller Digitalisierung in der Arbeitswelt. Weniger zu finden seien dagegen die neuen Technologien. Die Anzahl der Beschäftigten habe sich durch die Digitalisierung nicht wesentlich verändert.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt

Über die umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion wagte Wäfler die Prognose, dass künftig Fabriken weniger in Maschinen als in Funktionalität investieren würden. Allerdings müssten dadurch mehr Organisationen miteinander arbeiten als früher. Der Wissenschaftler nannte Beispiele aus Autoindustrie und Spitalwesen, wo dies bereits gehandhabt werde. Unterschiedliche Kulturen müssten unter einem Dach lernen, miteinander auskommen. Es reiche künftig nicht mehr, fachlich fit zu sein, interdisziplinäre Zusammenarbeit sei gefragt.

Zu den Zukunftsszenarien für die Rolle des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt sagte Wäfler: «Menschen werden immer noch die intelligentesten Teile der Fabrik sein, die Erfahrungsträger und Entscheider bei gleichzeitig anspruchsvolleren Prozessen.» Allerdings warnte er auch vor den sogenannten «Deskillings», dem Verlust der Fähigkeit aufgrund mangelnden Trainings. Wenn sich der Mensch immer mehr auf das selbst bremsende Auto verlasse, stelle sich eine Ermüdung ein und er werde nicht mehr eingreifen können, wenn seine Aufmerksamkeit gefragt sei, warnte Wäfler. In Bezug auf die Anwendung Künstlicher Intelligenz forderte der Psychologe, dass diese und der Mensch zusammenarbeiten müssten. Nur der Mensch könne die richtigen Fragen stellen, interpretieren, Verantwortung und Engagement zeigen. Welche Kompetenzen also braucht der Mensch in Zukunft? Wäfler: «Fachliche, personale und soziale Kompetenzen.»

Das CSEM kann sich künftig eine Zusammenarbeit mit Toni Wäfler vorstellen, sagte Helmut F. Knapp, der Leiter des Zentrums Alpnach. «Das Arbeitsumfeld ist für uns auch ein Thema, wir forschen an Digitalisierung und Automatisierung. Es geht um die Kombination des technisch Machbaren und was für den Menschen als Arbeitnehmer motivierend und stimulierend ist.»