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ARBEITSUNFALL: War die Baustelle genügend gesichert?

Ein Bauarbeiter ist bei einem Sturz in eine 5 Meter tiefe Baugrube erheblich verletzt worden. Für zwei Mitarbeiter des Bauunternehmens hatte der Unfall nun gerichtliche Konsequenzen.
Robert Hess
Symbolbild einer Baustelle: Im Gerichtsfall geht es um einen Kranführer, der in eine Baugrube gefallen ist. (Bild: Stefan Kaiser)

Symbolbild einer Baustelle: Im Gerichtsfall geht es um einen Kranführer, der in eine Baugrube gefallen ist. (Bild: Stefan Kaiser)

Der Vorfall ereignete sich auf einer Engelberger Baustelle am 9. Juli 2012. An seinem ersten Arbeitstag stürzte ein temporärer Kranführer in die 5 Meter tiefe Baugrube und zog sich erhebliche Verletzungen zu, wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Obwalden hervorgeht. Der Kranführer hatte auf der schmalen Quartierstrasse, die an die Baugrube angrenzt, gearbeitet. Als ein «Dumper» vorbeifuhr, sei er offenbar spontan zurückgewichen und über die Baustellen­abschrankung, die ihn nicht aufzuhalten vermochte, in die Grube gefallen. Angeklagt waren nun zwei Baufachleute, die für die Baumeisterarbeiten sowie die Sicherung der Baustelle verantwortlich waren. Bei den Angeklagten, die sich Ende vergangene Woche vor Kantonsgericht verantworten mussten, handelt es sich um den damals 30-jährigen Baustellenleiter X. und den damals 32-jährigen Bauführer Y.

Beiden warf die Staatsanwaltschaft «fahrlässige Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde und fahrlässige schwere Körperverletzung» vor. Für beide beantragte sie bedingte Geldstrafen, Bussen sowie die Übernahme der Verfahrens­kosten. An der Gerichtsverhandlung erklärten beide, sie hätten in Sachen Abschrankung und Baustellensicherung die richtigen Massnahmen getroffen. «Ich verstehe die Anklage nicht», sagte Baustellenleiter X. Der verunfallte Kranführer habe keinen Grund gehabt, sich auf der schmalen Strasse, also ausserhalb der mit einer klar sichtbaren Abschrankung bezeichneten Baustelle, aufzuhalten.

Keine ausreichende Absturzsicherung

Wie begründet die Staatsanwaltschaft die Anklage? Laut Bauarbeiten-Verordnung (BauAV) muss bei einer Absturzhöhe von mehr als 2 Metern ein Seitenschutz angebracht werden, heisst es in der Anklageschrift. Inklusive Vorgaben der Suva wären hier demnach ein Geländerholm (Absperrung) mit einer Oberkante bis 105 Zentimeter sowie ein Zwischenholm von 50 bis 60 Zentimetern über der Standfläche und ein Bordbrett nötig gewesen. Montiert wurde aber nur eine 85 Zentimeter hohe Abschrankung. Zudem sei ein Abschrankungspfosten verrostet gewesen. Es sei somit keine «ausreichende Absturzsicherung, insbesondere kein Seitenschutz», vorhanden gewesen.

Freispruch von Schuld und Strafe unter Kostenfolge für den Staat oder eventuell für den Privatkläger forderte der Verteidiger. Der Arbeitsplatz des Kranführers sei nicht die Strasse gewesen, sondern die Baustelle beziehungsweise -grube. Der Kranführer habe sich somit ausserhalb der Baustelle aufgehalten. Deshalb seien die entsprechenden Bestimmungen der BauAV in diesem Fall gar nicht anwendbar, da sie mögliche Absturzgefahren nur innerhalb der Baustelle regelten. Die Angeklagten hätten gemäss Verteidiger «eine Absperrung errichtet und unterhalten, die der Gefahr angemessen war. Sie war genügend hoch und in qualitativer Hinsicht nicht zu beanstanden.»

Bedingte Geldstrafen für beide Beschuldigten

In seinem mündlich eröffneten Urteil folgte Kantonsgerichtspräsident Roland Infanger meist den Anträgen und Begründungen der Staatsanwaltschaft. Er betonte, dass auf der Strasse regelmässig auch gearbeitet wurde, sodass die zitierte Verordnung zur Anwendung komme. Abweichend zur Staatsanwaltschaft wurden die Angeklagten nur der fahrlässigen einfachen Körperverletzung schuldig gesprochen. Baustellenleiter X. wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu 160 Franken und einer Busse von 800 Franken bestraft, Bauführer Y. mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 370 Franken bestraft. Die Probezeit beträgt je zwei Jahre. Ausserdem haben sie anteilsmässig die Verfahrenskosten zu tragen sowie eine Entschädigung an den verunfallten Kranführer auszurichten. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

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